Viele Verbraucher setzen heute auf die günstigen Produkte von Ein-Euro-Shops. - © Raimund Vornbäumen
Viele Verbraucher setzen heute auf die günstigen Produkte von Ein-Euro-Shops. | © Raimund Vornbäumen

Gütersloh Leerstand in Gütersloh: „Wenn man die Stadt unattraktiv gestaltet, bleiben die Leute weg“

Immer mehr kleine Einzelhändler müssen aufgeben und schließen. Die NW-Leser schieben das auf die Online-Konkurrenz, aber auch auf Fehler bei der Stadtplanung

Lena Vanessa Niewald

Gütersloh. Schuhgeschäft, Bastelshop, Lotto-Lädchen: Die Liste der kleinen Einzelhändler, die in Gütersloh schließen müssen, wird immer länger. Der Tenor: Die Online-Konkurrenz ist einfach zu groß. Viele NW-Leser zeigen sich auf Facebook schockiert über den weiter wachsenden Leerstand – auch, wenn sie das Argument mit dem Internet-Shopping durchaus nachvollziehen können. Franziska Ritter ist nach eigenen Aussagen zwar gewillt, den lokalen Einzelhandel zu unterstützen, stößt aber häufig an Grenzen: „Leider findet man nie, was man sucht, weil die Auswahl beschränkt ist. Online finde ich einfach mehr – auch in unterschiedlichen Preiskategorien." Aleksandra Klofat sieht das Problem eher bei dem zu ähnlichen Angebot vieler Einzelhändler. „Zum Beispiel deckte sich das Angebot von Schuhpark oft mit dem Angebot von Potthoff gegenüber. Zumindest, wenn es um Kinderschuhe geht. Das konnte ja nicht gut gehen." Maik Kahmen ist der Meinung, dass der Gütersloher Innenstadt die Attraktivität fehlt. Andere Städte wie Bielefeld mit einem großen Shopping-Center würden die Leute eher anziehen. „Wenn man mehr Leben in die Innenstadt bringen würde, wäre dort auch mehr los. Aber wenn man die Innenstadt unattraktiv gestaltet, bleiben die Leute weg." Es würde Gastronomie und Parkplätze fehlen, so Kahmen. Wenn kein Umdenken bei den Stadtplanern geschehe, würden noch mehr Geschäfte schließen. Auch Walter Dammasch wünscht sich Veränderung: „Erlebnisgastronomie kann helfen. Zwischendurch mal ein Kaffee macht Spaß und stärkt für weitere Einkäufe." Günter Marter sieht's ähnlich. Er kritisiert vor allem die Parkplatz-Situation und dass die Geschäfte so früh schließen. "Die Geschäfte schließen, wann sie wollen. Am Kolbeplatz ist tote Hose - da werden um 18 Uhr die Stügle hochgestellt." Das Parkhaus am Kolbeplatz schließe schon um 19.30 Uhr, sodass man im Prinzip nur schnell einkaufen könne und anschließend sofort wieder zum Auto müsse. "Bloß nicht noch einen Absacker trinken." Wenn es nach Leser Andreas Drücker geht, dann bräuchte Gütersloh mehr "Magnetbetriebe" in der Innenstadt. Gütersloh sei ziemlich schwach aufgestellt in der Umsetzung von stark nachgefragten aktuellen Geschäftskonzepten wie Primark, Zara oder TK Maxx. "Alles Konzepte, die Kunden auch von weiter entfernt anlocken." Ein Shoppingcenter würde zwar erstmal Konkurrenz für die kleineren Geschäfte bedeuten, könne sich laut Drücker aber "durchaus auch für kleinere Händler" lohnen. "Damit Gütersloh weiterhin liebenswert und regional bleibt" Peter Foth äußert sich in einem langen und ausführlichen Leserbrief zum Thema Gütersloher Einzelhandel - und zwar ganz anders als die meisten Zuschriften, die die NW erreichten. Foth ist der Meinung, dass die Gütersloher Innenstadt eigentlich alles habe, das man benötigt: Die Auswahl sei groß, es gebe einen relativ großen Mix, etliche sehr gut geführte Geschäfte. "Zudem ist fast überall das, was nicht direkt mitzunehmen ist, auch mittels Onlinebestellung verfügbar, oft sogar nicht oder nur unwesentlich teurer als vermeintliche Schnäppchen ober 'Schwarze-Freitag-Aktionen'." Das Problem sieht Foth nicht bei fehlender Auswahl oder mangelnder Kompetenz bei der Stadtplanung. Viel mehr appelliert er an die Gütersloher selbst. "Nur wenn wir unser Flanier- und Kaufverhalten entsprechend anpassen, nicht den letzten Cent aus dem Internet holen wollen, wird es weiterhin möglich bleiben, Leben in die Stadt zu bringen. Damit Gütersloh weiterhin liebenswert und regional bleibt."

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