FCG-Vorstandsmitglied Frank Neuhaus (v. l.) und Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth mit dem Ding, um das sich auf dem Rasen alles dreht. - © Rolf Birkholz
FCG-Vorstandsmitglied Frank Neuhaus (v. l.) und Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth mit dem Ding, um das sich auf dem Rasen alles dreht. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Achterbahn-Fahrt: Als der FC Gütersloh noch Zweite Bundesliga spielte

Das Stadtmuseum zeigt mit „Fußball beweGT“ die Höhen und Tiefen des Vereinsfußball seit 1918

Gütersloh. Die Glanzzeiten sind vorbei. Durch die in letzter Minute erreichte Insolvenzvermeidung des FC Gütersloh in der vorigen Saison kann auf 100 Jahre Vereinsfußball in Gütersloh nun aber doch einigermaßen gelassen zurückgeblickt werden. Das Stadtmuseum hat dazu gleich in zwei Räumen Gegenstände aus Geschichte und Gegenwart aufgereiht, oben im „Traditionsraum", unten als eine Art Fanmeile mit Torwand und Tischkicker. Anpfiff ist Sonntag, 15 Uhr, kostenloser Einlass aber schon früher und den ganzen Tag. Eine kleine Überraschung gibt es gleich zu Beginn des Rundgangs auf einer der von Eckard Kleßmann gestalteten Schautafeln. Es geht zwar um 100 Jahre Vereinsfußball, gemessen an der Gründung der SVA, der Sportvereinigung Arminia 1918. Doch ein Foto mit sportlich wirkenden Jünglingen von 1878 dokumentiert, dass bereits vor 140 Jahren das Leder rollte, und zwar ausgerechnet am diesbezüglich offenbar erstaunlich fortschrittlichen Evangelisch Stiftischen Gymnasium. Keine Lust mehr auf Turnen Dort wollten, wie Museumsleiter Franz Jungbluth erläutert, die Schüler nicht mehr nur turnen, sondern auch nach englischer Sitte mit Bällen spielen. Einer Festschrift ist zu entnehmen, dass 1906 der Verein Germania gegründet wurde, da auch die Altschüler weiter kicken wollten, nach den inzwischen von der Football Association übernommenen Regeln. 1900 war übrigens der DFB ins Leben gerufen worden. Und die SVA dann eben 1918. Auf diesen Verein gehen die meisten Ausstellungsstücke zurück, nur wenige auf die 1923 gegründete DJK, ein Plakat weist immerhin auf den noch jungen FSV und damit den Frauenfußball. Die übrigen Fußball treibenden Klubs der Stadt treten hinter dem SVA-Jubiläum zurück. "Fußballkrieg" zwischen rivalisierenden Klubs" Aufgezeichnet ist auch das nicht ganz unkomplizierte Beziehungsgeflecht zwischen der grünen, im Zweifel evangelischen SVA und der blauen, katholischen DJK. Beide waren vor ihrer entscheidenden Fusion 1978 vor und nach dem Krieg (1935 hatte sich die kirchlich gebundene DJK aus politischen Gründen vorübergehend auflösen müssen) schon wiederholt verbandelt und getrennt gewesen. Nachgezeichnet sind die Erfolge von SVA und DJK, der „Fußballkrieg" zwischen den rivalisierenden Klubs, die bisherige Hochphase des FCG in der Zweiten Bundesliga 1996-99, die wundersame Rettung aus der Insolvenz 2000, weil der damalige Präsident Rainer Schils eine Statutenlücke entdeckte, und die Neugründung FCG 2000. Alte Trikots, Schuhe, Lederball und Co. Trikots, Schuhe, Lederball, Mannschaftsfotos, Wimpel, Spielerpass, Pokale sind zu sehen, vieles aus dem Nachlass von Willi Jo Joraschkowitz, der 1951 als Spieler und 1956 als Trainer die Westfalenmeisterschaft errang. In einer TV-Ecke oben laufen Ausschnitte, unten sind unter Trikots und neben Fan-Artikeln wie den FCG-Zwergen die Heidewald-Hymnen zu hören. Die auch an vergangene Spielkultur erinnernde Schau „Fußball beweGT" läuft bis zum 3. März.

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