Grippeschutz - lassen Sie sich impfen? - © Pixabay
Grippeschutz - lassen Sie sich impfen? | © Pixabay

Gütersloh Grippeschutz: Impfen oder nicht impfen?

Um im Winter gegen das Influenza-Virus gewappnet zu sein, raten Fachleute aktuell wieder, sich ein schützendes Serum verabreichen zu lassen. Doch es gibt auch Kritik

Gütersloh. Schlagartig hohes Fieber, Augenbrennen, starke Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Reizhusten sowie ein plattes Gefühl – wer schon einmal mit dem Influenza-Virus zu kämpfen hatte, weiß um die Heftigkeit des Krankheitsverlaufs. Weil die Grippe auch Lungen- oder Herzmuskelentzündungen nach sich ziehen kann, werben wieder Bundesregierung, Krankenkassen und Ärzte, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. Kritiker raten, sich vorher zu informieren. Etwa 9.500 Fälle sind der Krankenkasse AOK Nordwest für OWL im ersten Quartal 2018 von den niedergelassenen Ärzten gemeldet worden. Da aber nicht alle Erkrankten einen Arzt aufgesucht hätten, sei die Zahl wohl höher. Wann kommt die nächste Grippe-Welle? Wann genau die nächste Grippe-Welle kommt, lässt sich zwar nicht genau vorhersagen, Experten wie Wolfgang-Axel Dryden, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, erwarten sie aber wieder von Januar bis April. Da es nach der Injektion etwa zwei bis drei Wochen dauere, bis der Körper genügend Antikörper gebildet habe, werde eine Impfung zwischen Oktober und November empfohlen. Empfehlenswert ist eine solche laut der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut für alle Menschen ab dem 60. Lebensjahr, für chronisch Kranke, Personen mit erhöhter Gefährdung, also Angestellte im Gesundheits- und Pflegebereich sowie für Schwangere zwischen dem vierten und siebten Monat. "Wir wissen, dass wir in den nächsten Jahren wieder eine große Epidemie bekommen werden" „Eine Grippeschutzimpfung für Risikogruppen ist durchaus ratsam", betont Axel von Bierbrauer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin III (Pneumologie, Infektiologie) am Klinikum Gütersloh. „Wir wissen, dass wir in den nächsten Jahren wieder eine große Epidemie bekommen werden", sagt er. „Da ist es gut, wenn man geschützt ist." Von Bierbrauer spricht sich gegen generelles Impfen aus: „Ein gesunder 42 Jahre alter Mann, der weder ein Kind mit einer Stoffwechselerkrankung oder eine Mutter mit Asthma zu Hause hat, muss sich nicht impfen lassen", sagt er. Kinder dürften frühestens ab dem sechsten Monat geimpft werden, dann aber auch nur, wenn ein erhöhtes Risiko bestehe, etwa, wenn sie zuckerkrank sind. Kosten liegen bei 20 Euro Die Kosten für das Impfmittel, das in Deutschland in diesem Jahr von den Firmen Sanofi, GlaxoSmithKline Pharmaceuticals Ltd und Mylan hergestellt wird und inklusive Arzthonorar bei etwa 20 Euro liegt, übernehmen die Kassen laut AOK zumindest für die Risikogruppen. Da der im vergangenen Winter verabreichte Dreifach-Impfstoff nur unzureichend Schutz vor dem Grippe-Virus bot, wird in diesem Jahr erstmals ein sogenannter Vierfach-Impfstoff verwendet, der jeweils vor zwei Stämmen der A- und B-Viren schützen soll. „Da sich das Virus jedes Jahr verändert, muss auch jedes Jahr der Impfstoff angepasst werden", sagt von Bierbrauer. Welche Gefahr geht von dem Impfstoff aus? Während „normale" Arzneimittel bis zur Marktreife im Schnitt etwa zehn Jahre benötigten, gelte für den Grippe-Impfstoff ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. „Man wägt hier den Nutzen gegen die Nebenwirkungen ab", erläutert von Bierbrauer. Vielen Grippe-Toten stünde eine geringe Zahl von Menschen gegenüber, die kurzzeitige Nebenwirkungen, beispielsweise grippeähnliche Symptome wie leichtes Fieber oder eine lokale Reizung an der Einstichstelle, aufzeigen. Die Gefahr, dass Geimpfte nachhaltig etwa neurologische Schäden davontragen, sei „äußerst gering" und von Bierbrauer auch nicht bekannt. Impf-Kritiker wie die beiden Heilpraktikerinnen Sonja Claas und Christiane Knebel vom Naturheilzentrum Moltkestraße sehen das differenzierter: „Weil es nur einen sehr kurzen Testzeitraum für den neuen Impfstoff gibt, weiß man zu wenig über eventuelle Nebenwirkungen", sagt Claas. Außerdem wisse man, dass für den Impfstoff der Saison 2017/18 nur drei beziehungsweise vier Erreger aus einem Pool von insgesamt 313 Erregern ausgewählt und in einem Dreifach-/Vierfachimpfstoff verarbeitet wurden. Große Unsicherheit bleibt „Auch wenn die Auswahl nach der höchsten Wahrscheinlichkeit erfolgt, bleibt eine große Unsicherheit, da sich die Viren jedes Jahr verändern und keine verlässlichen Voraussagen getroffen werden können, welche Erreger im nächsten besonders virulent werden", erläutert Claas. Zudem wisse man laut der Jefferson-Studie, dass in den USA der Anteil der Grippetodesfälle gleich bleibt, trotz der Tatsache, dass über die Jahre immer mehr Menschen geimpft wurden. Die Auswertung der Wirksamkeit der Impfstoffe vergangener Jahre durch das Robert-Koch-Institut ergebe regelmäßig eine nur mäßige Wirksamkeit der jeweiligen Impfstoffe. Besonders zu bedenken sei, dass diese mit zunehmendem Alter der Person geringer werde. „ Es gab auch schon Jahre, in denen am Ende die geimpften Personen der Altersgruppe über 65 Jahre ein höheres Erkrankungsrisiko als Ungeimpfte hatten", so Claas. Hühnereiweis als Inhaltsstoff könnte problematisch sein Zwar beinhalten die Impfstoffe laut Hersteller kein Aluminium oder Quecksilber, dafür aber Formaldehyd und Hühnereiweiß. Formaldehyd, das als Klebstoffbestandteil in Holzwerkstoffen enthalten sein kann, gilt dem Bundesumweltamt zufolge als krebserzeugend. Ob es für Asthmaerkrankungen verantwortlich ist, sei bislang ungeklärt. „Problematisch könnte Hühnereiweiß als Inhaltsstoff sein, da es mit der Impfung direkt in den Blutkreislauf gelangt, und man weiß, dass sich durch Fremdproteine im Organismus Allergien oder Autoimmunkrankheiten entwickeln können", erläutert Knebel. Dass das Robert-Koch-Institut Schwangeren ab dem vierten Monat zur Impfung rät, können Claas und Knebel nicht nachvollziehen: „Da aus ethischen Gründen an Schwangeren keine Impfstoffe getestet werden und somit eine zuverlässige Abschätzung möglicher Risiken nicht gegeben ist, fragen wir uns, wie es dann ethisch sein kann, Schwangeren einen für sie ungeprüften Impfstoff zu verabreichen." Claas und Knebel setzen als Heilpraktikerinnen auf eine gute Grundgesundheit und ein starkes Immunsystem. Generell vom Impfen abraten möchten sie jedoch niemandem. „Allerdings sollte man sich immer die Frage stellen, ob man bereit ist, eine Erkrankung als Nebenwirkung einer Impfung in Kauf zu nehmen."

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