Ralph Fritzsche, kaufmännischer Leiter der Kultur Räume Gütersloh, führt den neuen Scanner vor, der dem Einlasspersonal genaue Auskunft über die Art der Eintrittskarte gibt. So soll unter anderem Missbrauch vermieden werden. - © Alexander Lange
Ralph Fritzsche, kaufmännischer Leiter der Kultur Räume Gütersloh, führt den neuen Scanner vor, der dem Einlasspersonal genaue Auskunft über die Art der Eintrittskarte gibt. So soll unter anderem Missbrauch vermieden werden. | © Alexander Lange

Gütersloh Um Missbrauch zu vermeiden: Gütersloher Theater führt Scanner ein

Im Theater wird jetzt elektronisch der Einlass kontrolliert, auch um Missbrauchzu vermeiden werden. Vor allem die 137 Rabatt-Arten luden bislang dazu ein

Gütersloh. Dass sich am Samstagabend eine lange Schlange vor dem Theatersaal bildete, hatte einerseits mit dem gesteigerten Interesse an Christian Schäfers neuem Stück „Loreley(Sinking Ships)" zu tun, das seine erfolgreiche Premiere zur Eröffnung der Theatersaison feierte (siehe Kultur). Zum anderen lag es daran, dass jeder Besucher erstmals seine Eintrittskarte nicht nur vorzeigen, sondern mit einem speziellen Gerät auch scannen lassen musste. Die Neuerung hat gleich mehrere Gründe. Ralph Fritzsche, kaufmännischer Leiter der Kultur Räume Gütersloh, erläutert auf Anfrage der NW: „Die Geräte wurden uns von dem Ticketvertriebssystem Eventim zur Verfügung gestellt, um einen genauen Überblick über die verkauften Karten im Verhältnis zu den tatsächlich besetzten Plätzen zu bekommen." Denn selbst bei ausverkauften Vorstellungen seien nicht immer alle Plätze besetzt, beispielsweise weil Abonnenten einen Termin nicht wahrnehmen könnten. Scanner sollen statistisch belastbare Zahlen liefern Vor allem in der populären Reihe „Vier Jahreszeiten" gebe es dann meistens noch die Möglichkeit, an der Abendkasse Karten für die Veranstaltung zu bekommen. „Da wurde dann spontan geschaut, welche Plätze noch kurz vor Beginn der Aufführung frei sind, und dann entsprechend besetzt", so Fritzsche. Doch statistisch belastbare Zahlen, wie das Verhältnis der verkauften Karten zu unbesetzten Plätzen auch bei anderen Theaterreihen ist, hat man nicht. Das möchte man mit den Scanner-Geräten nun genau erfassen. Zum anderen geht es dem kaufmännischen Leiter auch darum, Missbrauch zu vermeiden. Vor allem bei Ermäßigungen habe er den Eindruck, dass manche Besucher die günstigeren Eintrittspreise nutzen würden, ohne dazu berechtigt zu sein. „Es gab da manchmal Stücke, die nicht im Jugendtheaterbereich stattfanden, die durch einen hohen Anteil an Schüler- und Studentenkarten besetzt waren", sagt Fritzsche. Ermäßigungsmöglichkeiten sollen begrenzt werden Manche Theater würden daher ermäßigte Karten gar nicht im Online-Verkauf anbieten. Diesen Service will das Theater aber seinen Kunden bieten. Deshalb wird nun wird beim Scannen genau erfasst, um welchen Rabatt es sich handelt. Der Besucher muss seine Legitimation, also beispielsweise den Studentenausweis, beim Einlasspersonal vorzeigen. „Diese Art von Kontrolle war bislang in der Hektik vor einer Aufführung nicht möglich", sagt Fritzsche. „Schließlich gibt es 137 Rabattmerkmale", wie Fritzsche im Zuge der Scanner-Einführung festgestellt hat. Darunter sind nicht nur die bekannten Ermäßigungen für Studenten oder Stadtpassinhaber, sondern auch ein sehr ausdifferenziertes System von Gruppenpreisen. Und Exoten wie das „Kaffee & Kuchen"-Angebot, das es aber nur in der ersten Saison nach der Theatereröffnung gegeben hat. Und auch ein „Goldpaket" gibt es. „Bislang konnte ich noch nicht erfahren, was es damit auf sich hat", sagt Fritzsche. Ziel sei es nun mittelfristig, die Zahl der Ermäßigungsmöglichkeiten auf etwa 20 zu begrenzen. "System ist absolut sicher" Doch auch das „Print at home"-Verfahren, bei dem die online gekaufte Eintrittskarte daheim ausgedruckt wird, ist missbrauchsanfällig. „Der Ausdruck wurde dann einfach auf den Kopierer gelegt, die Kopie am Einlass vorgezeigt und schon war man im Saal, wo man sich ungestört auf einen freien Platz setzen konnte", erläutert Ralph Fritzsche die Masche. Mit dem Scanner werde dieser Betrug sofort auffallen. Das System sei absolut sicher, sagt Fritzsche. „Einzig bei einer geknickten Karte kann es vorkommen, dass der Barcode nicht gelesen werden kann. Dann muss man die Nummer händisch eingeben." Auch Datenschutzrechtlich sieht Fritsche keine Bedenken. „Die Karteninformation lässt sich nicht auf den Inhaber der Karte zurückverfolgen." So sei es nicht möglich, etwa bei Abonnenten das Nutzungsverhalten zu erforschen. Im Grunde sei nun eine völlige Automatisierung der Einlasskontrolle möglich, wie sie etwa in Fußballstadien schon praktiziert werde, wo vor einem Drehkreuz ein Scanautomat die Karte ausliest. Doch auf das Einlasspersonal wollen die Kultur Räume auch in Zukunft nicht verzichten. „Das geht schon aus versicherungstechnischen Gründen nicht", sagt Fritzsche. „Außerdem: Die persönliche Ansprache ist uns weiterhin wichtig." Und die lässt sich nicht automatisieren.

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