Mit langem "o": Leadsänger Jon (rl.) begeisterte mit seiner Band, hier Michael Tucker, auf dem Dreiecksplatz. - © Rainer Schmidt
Mit langem "o": Leadsänger Jon (rl.) begeisterte mit seiner Band, hier Michael Tucker, auf dem Dreiecksplatz. | © Rainer Schmidt

Gütersloh Jons Musik begeistert auf dem Dreiecksplatz

Musik mit Wort- und Spielwitz

Rainer Schmidt

Gütersloh. Es ist wieder Zeit geworden für das klangvollste vorübergehende Verkehrshindernis der Gütersloher Innenstadt. Ströme von Passanten irritieren uneingeweihte Autofahrer zur sechsten Stunde des Freitagnachmittags. Die bereits auf ganzer Breite des Dreiecksplatzes verteilten Menschen halten die letzten aus der Stadt Hastenden auf ihrem Weg auf. Nicht nur über den Zulauf, sondern auch, dass es am Tag "mit dem schönstem Wetter der letzten zwei Monate" passiert, freut sich nun der von der Kulturgemeinschaft Dreiecksplatz eingeplante Künstler. Mit seiner Band angetreten ist "Jon", um seine persönliche, von Soul und Jazz beeinflusste Spielart von Pop mit deutschen Texten nun auch bei "Freitag18" vorzustellen. Vor knapp einem Jahr hat der in der jungen Gütersloher Musikszene fast allgegenwärtige Singer/Songwriter und Saxofonist Jonas Buschsieweke beschlossen, seinen Namen zu verkürzen, ohne allerdings in seiner Musik an Ausdrucksmitteln zu sparen oder die immer wieder zu intensivem Zuhören einladenden vielschichtigen Arrangements zu simplifizieren. Im gerade frisch im Studio eingespielten Song der Band besingt Jon zu einem unter anderem von einer Tuba getragenen, voluminösen Funkbeat, der aber unversehens auch zum Schleicher mutieren kann, den "Stift", den er nun wiedergefunden habe. Der solle seine Textproduktion beflügeln, diese gut gelaunte, mit gewitzt durchgeschüttelten Redensarten und Aphorismen gespickte Sammlung von Beobachtungen seiner selbst ("Ich schalt' drei Gänge zurück") und der Mitmenschen, ihrem Konsumverhalten ("Haben ist besser"), ihrem Liebeswerben ("Schöne Angler"), dem Missverstehen ("Sie reicht ihm die Hand und er nimmt nur den kleinen Finger"). Für die musikalische Präsentation kann sich der Sänger mit der kraftvollen und gleichzeitig einfühlsamen Stimme auf bewährte Mitspieler verlassen. Lukas Müller am Schlagzeug, Daniel Krestovsky am Bass und Gregor Zimmermann an Piano und Orgel legen ein ebenso sicheres wie flexibles Fundament, das durch Dimitri Thomas' sehr versiert gespielte E-Gitarre ergänzt wird. Gelegentlich lässt auch der Bandleader in sehr gelenkigen Soli aufblitzen, was er aus seinem Jazzsaxofon-Studium so mitgebracht hat. Und mit Michael Tucker, der neben der Tuba auch an Percussion und Rhythmusgitarre zu hören ist, hat er einen wahren "Joker" mit im Team. Während das Konzert gefilmt wird - schließlich möchte die Gruppe von Liveaufnahmen in solch einer Atmosphäre für die künftige Promotion profitieren - wechselt dieser unermüdliche Stimmungsmacher in seinen raren Pausen sofort die Seiten und geht mit dem Handy ganz nah an seine Mitspieler ran.

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