Mini-Kartoffeln: Kleingärtner Matthias Seidel wird dieses Jahr trotz massiver Bewässerung weniger ernten. Einzig die Sonnenblumen blühen wie immer. - © Andreas Fruecht
Mini-Kartoffeln: Kleingärtner Matthias Seidel wird dieses Jahr trotz massiver Bewässerung weniger ernten. Einzig die Sonnenblumen blühen wie immer. | © Andreas Fruecht

Gütersloh Trockenheit – Gütersloher Landwirte in Sorge

Wetter: Der ausbleibende große Regen gibt weiterhin Anlass zur Sorge. Neben der Landwirtschaft sind vor allem die Bäume in Stadt und Wald massiv betroffen. Eine Zwischenbilanz

Oliver Herold

Gütersloh. Die Lage bleibt angespannt. Denn der kurze Regenschauer am Donnerstag hat nach wochenlanger Trockenheit keinen Nutzen gebracht. "Die neun Millimeter Niederschlag", sagt Daniela Toman vom Fachbereich Grünflächen, "sind verschwindend gering" Die Rasenflächen bleiben also braun, die Ernte ist teilweise hin, und der Wald gibt Grund zur Sorge. Zwischenfrüchte wie Winterraps, die dafür sorgen, dass Nährstoffe und Nitrate im Boden gehalten werden, könnten nicht ausgesät werden Die Landwirte, der Kleingärtner und der Förster, über die die Neue Westfälische Anfang Juli berichtet hatte, haben mit ihren Befürchtungen recht behalten, teilweise ist alles sogar viel schlimmer: "Einige Landwirte mussten bereits Teile ihrer Viehbestände verkaufen, weil das Futter knapp ist", berichtet Andreas Westermeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Zudem hätten erste Noternten beim Mais begonnen. Mais wird normalerweise im September geerntet. Kreislandwirt Heiner Kollmeyer ist einer der Betroffenen: 13 seiner 75 Hektar habe er bereits abernten müssen und an einen Milchviehbetrieb verkauft. Pro Hektar seien das einige Hundert Euro weniger Einnahmen als geplant. Wegen der Dürre gebe es ein weiteres Problem: Zwischenfrüchte wie Winterraps, die dafür sorgen, dass Nährstoffe und Nitrate im Boden gehalten werden, könnten nicht ausgesät werden. "Wir brauchen dringend Regen und davon viel", sagt Kollmeyer. Die Böden seien ausgetrocknet, die knapp 30 Millimeter seit Juli zu wenig: "Bei 30 bis 35 Grad verdunsten täglich sechs Millimeter." Matthias Seidel, Vorsitzender des Kleingartenvereins Zum Luttergarten, benötigt täglich mehr als Einhundert Liter Wasser, um seine Gurken, Tomaten, Paprika und Zucchini zu erhalten. Schlecht sehe es bei den Kartoffeln aus, die seien dieses Jahr ungewöhnlich klein, berichtet er - und der Rasen sei sowieso ein Trauerspiel. "Interessanterweise wachsen auf dieser braunen Schicht jetzt irgendwelche widerstandsfähigen Urgräser, die ich bisher nicht kannte", so seine Beobachtung. Der ausbleibende Niederschlag macht indes auch dem Fachbereich Grünflächen zu schaffen. Den braunen Rasen überlasse man zwar sich selbst - laut Daniela Toman benötigt dieser nach einem richtigen Regen zwei Wochen, bis er wieder grün ist - doch sei man dazu übergegangen, die etwa 600 ein bis drei Jahre alten Jungbäume im Stadtgebiet zu wässern. Außerdem bekomme partiell der Rhododendron im Stadtpark, der geschätzt ein Zehntel der Fläche ausmacht, Wasser. "Wir befürchten das Schlimmste für den Wald" Sorge bereiten Toman die Laubbäume, über deren Blätter ein Großteil des Wassers verdunste und die aus Schutzgründen damit begonnen haben, Äste abzusprengen oder ihre Blätter abzuwerfen. Städtische Angestellte sind bereits dabei, Gehwege mit Laubpustern zu reinigen. Es sind Szenen, wie im Herbst. Die beobachtet auch Förster Michael Sommer und befürchtet, dass sich die Bäume im Wald nicht mehr erholen. "Normalerweise verlieren die erst im Oktober ihre Blätter, das heißt, es fehlen zwei Monate für die Photosynthese." Auch seien die Böden bis zu einen Meter tief ausgetrocknet, was vor allem bei Jungbäumen einen Totalverlust bedeute. Weil die Bäume geschwächt seien, breite sich zudem auch der Borkenkäfer aus, der es auf Fichten und Kiefern abgesehen habe. "Wir befürchten das Schlimmste für den Wald", sagt er. ¦ Seite 3

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