Folgenschwerer Wildunfall: Ein Mini-Cabrio nach einem Wildunfall im April. Das Reh war auf dem Tecklenburger Weg in Herzebrock-Clarholz von einem Fiat auf der Gegenfahrbahn erfasst und durch die Luft gewirbelt worden und ist dann in der Frontscheibe des Minis eingeschlagen. Zum Glück entstand kein Personenschaden. - © pr
Folgenschwerer Wildunfall: Ein Mini-Cabrio nach einem Wildunfall im April. Das Reh war auf dem Tecklenburger Weg in Herzebrock-Clarholz von einem Fiat auf der Gegenfahrbahn erfasst und durch die Luft gewirbelt worden und ist dann in der Frontscheibe des Minis eingeschlagen. Zum Glück entstand kein Personenschaden. | © pr

Kreis Gütersloh Liebeskranke Rehe gefährden den Verkehr

Vorsicht: Noch bis Mitte August ist die Paarungszeit des Rehwildes auf ihrem Zenit. "Blind vor Liebe" überqueren die Tiere Straßen. Das Liebesspiel der Tiere fordert jetzt erhöhte Achtsamkeit von Verkehrsteilnehmern

08.08.2018 | Stand 07.08.2018, 21:10 Uhr

Kreis Gütersloh. Alle Jahre wieder mehren sich in den Sommermonaten die Unfälle mit Rehwild. Bis Mitte August dauert die Paarungszeit, die sogenannte "Blattzeit". In dieser Zeit überqueren Ricke und Bock im "blinden Liebeswahn" oder mehrere Böcke im Revierkampf für Autofahrer oft unerwartet die Straße, und das nicht nur abends oder nachts, sondern auch tagsüber. Autofahrer sollten insbesondere auf Straßen, die entlang von Feldern und Wäldern führen, unbedingt die Geschwindigkeit reduzieren und auf plötzliches Kreuzen von Rehen gefasst sein, heißt es in einer Mitteilung der Kreisverwaltung. Ralf Reckmeyer, Vorsitzender der Kreisjägerschaft im Kreis Gütersloh, weiß: "In ihrer Liebestollheit nehmen die Rehe den Verkehr nicht mehr wahr. Und es besteht kein Anlass zur Entwarnung, wenn ein Reh die Straße überquert hat. Häufig folgt noch ein zweites oder noch weitere. Daher ist Vorsicht geboten." Wild nimmt blaue Farbe als Warnfarbe wahr Weil die Folgen für die Tiere, aber auch für die Autofahrer und die Fahrzeuge erheblich sein können, haben es sich der Kreis und die Kreisjägerschaft bereits vor Jahren zum Ziel gesetzt, die Zahl der Wildunfälle so gering wie möglich zu halten. Jährlich ereignen sich der Mitteilung zufolge kreisweit rund 1.100 Wildunfälle. Im Jagdjahr 2017/2018 seien knapp 30 Prozent der Jahresstrecke Rehwild dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen: 750 von 2.540 Stück. Beim Schwarzwild waren es weniger: zehn von 214 Stück. 80 Prozent der Wildunfälle passierten in den Nachtstunden. Deutschlandweit ereignet sich alle zweieinhalb Minuten ein Wildunfall. Im Jagdjahr 2016/2017 gab es 228.500 Wildunfälle. Das sind fünf Prozent mehr als der Schnitt der vorangegangenen fünf Jahre. Die Unfälle enden für die Tiere in der Regel tödlich und gehen zumeist auch mit hohen Personen- oder Sachschäden einher. Im Frühjahr/Sommer 2012 startete der Kreis Gütersloh das Projekt "Blaue Wildwarnreflektoren". An ausgewählten, besonders unfallträchtigen Strecken wurden blaue Reflektoren an den Leitpfosten befestigt, die das Scheinwerferlicht der herannahenden Fahrzeuge in einem 90 Grad Winkel in Richtung des Waldes beziehungsweise Feldes zurückwerfen. Das Wild nehme die blaue Farbe als Warnfarbe wahr und meide so die Überquerung der Straße, wie es heißt. 1.030 Wildwarnreflektoren wurden angebracht 68 von 241 Revieren im Kreis Gütersloh nahmen an dem Projekt teil. Knapp 1.030 Wildwarnreflektoren wurden an zirka 180 Straßenkilometern angebracht. Die Kosten von drei Euro je Reflektor übernahmen der Kreis Gütersloh, Versicherungen und die Kreisjägerschaft. Die Maßnahmen haben sich bewährt. Nach Einschätzung einiger Reviere ist der Anteil des Verkehrsunfallwildes an der Gesamtstrecke nach der Anbringung zum Teil deutlich gesunken. Der Hegering Herzebrock-Rheda verzeichnete zum Beispiel vor der Anbringung der Wildwarnreflektoren einen Anteil von 59,3 Prozent des durch den Straßenverkehr zu Tode gekommenen Rehwildes an der Gesamt-Rehwildstrecke. Nach der Anbringung der Reflektoren habe sich diese Zahl auf 29,3 Prozent reduziert. In anderen Revieren sei der Rückgang allerdings nicht so deutlich gewesen. Dort seien die sogenannten Einstandsgebiete und die Bereiche zur Nahrungsaufnahme weniger stark durch viel befahrene Straßen getrennt. Die Wirkung zeige sich naturgemäß nachts sehr effektiv, wobei besonders positiv festzustellen sei, dass auch nach längerer Zeit offenbar kein Gewöhnungseffekt eintrete, wie es in der Mitteilung heißt. "Wenn man bedenkt, dass statistisch die Wildunfallzahlen im Kreis Gütersloh nahezu gleich geblieben sind, während sie bundesweit jährlich deutlich steigen, ist das Projekt ein Erfolg", so Wolfgang Schwentker, Leiter der Abteilung Ordnung des Kreises Gütersloh. "Unsere Erkenntnisse decken sich mit denen anderer im Bundesgebiet stattgefundener Beobachtungen solcher Anbringungsprojekte".

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