Eine Honigbiene ist im Anflug auf eine Süßkirschblüte auf einer Obstbaumplantage. - © picture alliance / Patrick Pleul
Eine Honigbiene ist im Anflug auf eine Süßkirschblüte auf einer Obstbaumplantage. | © picture alliance / Patrick Pleul

Kreis Gütersloh Umweltschützer warnen vor Insektensterben - doch den Honigbienen geht's gut

Bienenexperten räumen mit einem Irrtum auf: Den Honigbienen geht es gut. Bedroht sind ganz andere Bienenarten

Anja Hustert

Kreis Gütersloh. Blühstreifen um Maisfelder von Landwirten, Wildblumenmischungen auf Kreis-Liegenschaften, naturbelassene Brachflächen – dies alles soll dem Insektensterben im Kreis Gütersloh ein wenig Ökologie entgegensetzen. Auch den Bienen soll damit ein besserer Lebensraum gegeben werden. Denn: Erst stirbt die Biene, dann stirbt der Mensch – so ein Slogan der Umweltverbände. „Das ist ein Grundproblem der öffentlichen Wahrnehmung", sagt Diedrich Steen, Vorsitzender des Kreisimkerverbandes. Immer wieder werde suggeriert, beim Bienensterben gehe es um Honigbienen. „Die Situation der Bienen im Kreis Gütersloh ist gut", sagt Steen. Und meint damit die Honigbiene. Immer mehr Honigbienen unterwegs Honigbienen seien Nutztiere, die von Menschen gehalten würden. Es gebe kein Sterben der Honigbiene, die Zahl der Völker steige weltweit. Solange es also Imker gibt, sind die Honigbienen nicht bedroht. Im vergangenen Jahr erhielten allein 48 Neu-Imker im Kreis ihre Urkunden nach einem Einsteigerkurs. „So ist es in den zurückliegenden neun Jahren gelungen, die Zahl der Imkerinnen und Imker, die im Kreis Gütersloh in einem Imkerverein organisiert sind, um 25 Prozent zu steigern", informierte der Kreis-Imkerverband. Bei der Honigernte gibt es laut Steen lokale Unterschiede. „Im vergangenen Jahr hatten wir in Teilen wenig Honig, weil es so viel geregnet hat", sagt er. Und in diesem Jahr hätte der Raps so früh geblüht, dass die Völker teilweise noch nicht stark genug waren. Er selber habe aber beispielsweise eine großartige Frühtracht eingefahren – weil Kirsch- und Kastanienbäume ohne Frost durch die Blüte gekommen seien. „Vor zwei Jahren hatte ich eine gute Herbsttracht", sagt der Gütersloher Kreisimker. Das seien manchmal auch lokale Phänomene. Vor allem Wildbienenarten sind bedroht „Der Honigbiene geht es weltweit gut", lautet Steens Fazit. „Das bedeutet aber nicht, dass es auch der Natur gut geht", betont er. Denn bedroht seien ganz viele Wildbienenarten. Sie leben meist allein statt in Völkern, sind vielen Menschen kaum bekannt und trotzdem wichtige Bestäuber. Sie sind die tatsächlichen Opfer des Insektensterbens und freuen sich über jeden Blühstreifen, der im Kreis Gütersloh angelegt wird. Als positiv bewertet Steen für Wild- wie für Honigbienen, dass die EU-Agrarminister den Einsatz von drei Insektengiften, so genannten Neonikotinoide, fürs Freiland verboten haben. Sie können die Orientierungsfähigkeit der Bienen einschränken, sie lähmen oder sogar töten. Das derzeitige Wetter bereitet den Honigbienen noch keine Probleme. „Sie können eigentlich ganz gut mit Trockenheit umgehen", so der Kreisimkermeister. Die Bienen seien häufig jetzt an den Rändern von Schwimmteichen zu finden, um Wasser aufzunehmen. „Sie sehen sie vielleicht auch nach dem Sprengen in ihrem Garten."

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