Zum Fürchten: Wenngleich es sich hier nur um eine Zeichnung handelt - vor genau solchen Typen ängstigen sich viele. - © Andreas Frücht
Zum Fürchten: Wenngleich es sich hier nur um eine Zeichnung handelt - vor genau solchen Typen ängstigen sich viele. | © Andreas Frücht

Kreis Gütersloh Was die Polizei zum Selbstschutz vor Einbrechern empfiehlt

Indes ist die Gefahr, Opfer zu werden, im Kreisgebiet recht gering

Oliver Herold

Kreis Gütersloh. Mit dem Beginn der Sommerferien steigt für viele Menschen neben der Vorfreude auf die Urlaubsreise vor allem die Angst, von Einbrechern heimgesucht zu werden. Doch wie wahrscheinlich ist es überhaupt, im Kreis Gütersloh Opfer zu werden, und wie kann man sich schützen? Kriminalhauptkommissar Guido Baratella weiß Rat. Er ist Technischer Sicherheitsberater bei der Kreispolizeibehörde Gütersloh - und daher Profi in Sachen Prävention. ALLGEMEINES Laut Kriminalstatistik hat es im Jahr 2017 bundesweit etwa 117.000 Einbrüche gegeben, circa 62.000 waren es in NRW und im Kreis Gütersloh 494. 50 Prozent der Täter hätten dabei nicht ins Haus eindringen können beziehungsweise seien gestört worden, berichtet Guido Baratella. "Wir führen das auf ein sensibilisiertes Bewusstsein der Menschen zurück, es gibt eine bessere soziale Kontrolle in den Nachbarschaften, außerdem haben viele Menschen bei der Eigenheimsicherung nachgerüstet." Insgesamt würden im Kreisgebiet ein Drittel aller Taten aufgeklärt, im Landesschnitt seien es weniger als 17 Prozent. "Wir verzeichnen nicht nur eine gute Aufklärungsquote, unsere Region ist im Vergleich sogar ziemlich sicher." DIE OPFER "Die Beuteerwartung von Einbrechern ist gering", sagt Baratella. Daher kann theoretisch jeder Opfer werden, egal ob Eigentümer oder Mieter, ob im Reihenhaus, in der Villa oder der Wohnung. Neben entwendeten Gegenständen sei bei den Betroffenen vor allem der psychologische Schaden enorm. "Viele ekeln sich, weil ihre persönlichen und intimsten Sachen von Fremden durchwühlt wurden." Und: "Aufgrund des Verlustes an Sicherheit überlegen 25 Prozent der Geschädigten, nach einem Einbruch auszuziehen, zehn Prozent machen es tatsächlich." DIE TÄTER Den ortskundigen deutschen Täter gäbe es kaum noch, stattdessen "haben wir es überwiegend mit überregional tätigen gewerbsmäßig organisierten Einbrecherbanden zu tun", erläutert Baratella. Diese kämen größtenteils aus Südosteuropa, für die schnelle Verkehrswege zur An- und Abreise wichtig seien. Auffällig oft lägen Tatorte in der Nähe von Bundesstraßen und Autobahnen. Obwohl sie bandenmäßig organisiert sind, arbeiten die meisten Einbrecher laut Polizei allein, um ihre oft geringe Beute nicht noch teilen zu müssen. DER EINBRUCH "Um in ein Haus zu gelangen, benötigen Profis wenige Sekunden, nach wenigen Minuten verlassen sie es wieder." In dieser Zeit werden Haus oder Wohnung gezielt durchsucht. Um das Risiko einer Entdeckung zu minimieren, brechen die meisten Täter ein, wenn die Bewohner nicht zu Hause sind. Beliebt seien der späte Vormittag und der Mittag sowie der späte Nachmittag und der frühe Abend. Dass, wie oft angenommen, Urlaubszeit auch Einbruchszeit sei, kann Guido Baratella nicht bestätigen. "Vielmehr beobachten wir einen Anstieg in der dunklen Jahreszeit, denn dann besteht eine geringere Gefahr, entdeckt zu werden." Wer Opfer geworden ist, fasst nichts an und ruft die Polizei, damit diese Spuren sichern kann. DER SELBSTSCHUTZ "Die meisten Einbrecher sind Impulstäter, sie handeln spontan und spähen Häuser nicht aus", erläutert Baratella. Während längerer Abwesenheit oder eines Urlaub sei es daher ratsam, Anwesenheit vorzutäuschen: So sollten regelmäßig der Briefkasten geleert werden und Jalousien tagsüber oben und abends unten sein. Auch "richtiges Licht" von einer hellen Deckenleuchte sollte eingeschaltet werden. "Zudem haben ein belebt wirkender Garten, ein Schild mit ?Vorsicht Hund? oder ein großer Wassernapf eine enorme Wirkung." Zudem sei es ratsam, den Nachbarn Bescheid zu geben, damit sie Haus und Hof im Blick behalten. POLIZEILICHE BERATUNG 1995 hat die Polizei Gütersloh eine Beratung entwickelt, die am Ende mit einer Sicherheitsplakette abschließt. 2011 gründete sich daraus das bundesweite Netzwerk "Zuhause sicher". Um diese zu bekommen, bietet die Polizei kostenlose und unabhängige Sicherheitsberatungen bei Interessierten zu Hause an. Anschließend werden die Mängel durch regionale Handwerksbetriebe, die vom Landeskriminalamt anerkannt sind, beseitigt. Hierfür gibt es regionale Listen. Bei der anschließenden Abschlusskontrolle durch die Polizei wird die Präventionsplakette überreicht, die man idealerweise gut sichtbar am Haus anbringt. Etwa 1.000 Beratungen jährlich führt die Polizei Gütersloh kreisweit durch, etwa 200 Plaketten werden ausgehändigt. "In diese Häuser wird nicht mehr eingebrochen, weil die Täter sehen, dass hier extra Sicherungsmaßnahmen angebracht wurden." Außerdem bieten einige Hausratsversicherungen bei entsprechender Nachrüstung Rabatte an, zudem gebe es Förderungsmöglichkeiten, beispielsweise über die KfW-Bank. SO BESSER NICHT Von "sicheren Verstecken" wie präparierte Konservendosen, der beliebten Sockenschublade oder Bargeld zwischen den Büchern sei abzuraten. "Die Täter wissen, wo sie suchen müssen." Um Wertgegenstände zu schützen, empfiehlt die Polizei ein Bankschließfach. Außerdem solle man auf Kamera-Attrappen verzichten, weil diese von Profis als solche erkannt würden. Auch von günstigen Sicherungssets vom Discounter oder preiswerten Alarmanlagen sei abzuraten. Weitere Infos im Internet unter www.zuhause-sicher.de sowie Kontakt zu Guido Baratella unter guido.baratella@polizei.nrw.de

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