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Geplagt: Nikola Schröder (v.l.), Hubertus Bettenworth, Anke Buschmaas und Andreas Gehle blicken von einem Erdwall aus auf das Firmengelände. Wohnhäuser und eine kleine Siedlung sind in unmittelbarer Nähe. - © Andreas Frücht
Geplagt: Nikola Schröder (v.l.), Hubertus Bettenworth, Anke Buschmaas und Andreas Gehle blicken von einem Erdwall aus auf das Firmengelände. Wohnhäuser und eine kleine Siedlung sind in unmittelbarer Nähe. | © Andreas Frücht

Gütersloh Bürger sind wütend: Eine Steinbrecher-Maschine ist der Grund dafür

In der Nähe des Gehle-Kreisels in Avenwedde betreibt eine Firma eine Anlage zum Verarbeiten von Bauschutt

Ludger Osterkamp
19.06.2018 | Stand 18.06.2018, 20:11 Uhr

Gütersloh. In Mexiko, das haben Seismologen gemessen, löste das Siegtor gegen Deutschland ein Erdbeben aus. Die Anwohner rund um den Gehle-Kreisel in Avenwedde brauchen für solche Erschütterungen keine Fußball-WM: Ihnen reicht der Betrieb eines Steinbrechers am Pappelweg. Nimmt der seine Arbeit auf, vibriert in der heimischen Küche das Wasserglas. "Wir fühlen uns massiv belästigt", sagen Hubertus Bettenworth, Anke Buschmaas, Andreas Gehle und Nikola Schröder. Ihre Vorwürfe richten sich gegen die Zimmermann Erdarbeiten GmbH, deren Betrieb inzwischen die Lebensqualität der gesamten Siedlung beeinträchtige. "Lange haben wir das hingenommen, doch irgendwann ist das Maß voll." Lärm, Staub und Vibrationen verleideten den Aufenthalt auf der Gartenterrasse, an manchen Tagen könne man draußen nicht mal mehr Wäsche aufhängen. Sorge bereitet den Anwohnern vor allem der Inhalt eines Antrages: Darin will sich das Unternehmen eine werktägliche Betriebszeit von 6 bis 22 Uhr und einen Betrieb von Brecher, Sieb und Bagger von bis zu acht Stunden am Tag genehmigen lassen. Bettenworth: "Wenn das so durchkommt, wird unser Leben hier ein anderes." Die Firma, die mit dem großen Sondermüllentsorger nichts zu tun hat, besteht seit vier Jahren. Sie bietet Bagger- und Radladerarbeiten an, Abbrüche, einen Containerdienst, lasergesteuertes Planieren, den Verkauf von Mutterboden und Recyclingschotter - und eben das Brechen und Sieben von Steinen. Eine Genehmigung dafür hatte sie nicht. Der Kreis Gütersloh wusste zwar Bescheid, schritt aber nicht ein, weil Firmengründer Kai Zimmermann angekündigt hatte, den Antrag nachzureichen. Kreissprecher Jan Focken: "Darauf haben wir uns verlassen. Wir sind eine Ermöglichungs-, keine Verhinderungsbehörde." Von den Anwohnern auf die Spur gesetzt, hat der Kreis inzwischen eine Ordnungsverfügung mit sofortigem Vollzug gegen das Unternehmen erlassen: Der Betrieb von Brecher und Siebanlage sei einzustellen, sofern die Menge zu behandelnder Abfälle zehn Tonnen übersteige. Liege sie darunter, sei die Stadt zuständig. "Natürlich halten wir uns daran", sagte Firmenchef Zimmermann. Er habe nicht vor, gegen Behördenauflagen zu verstoßen, ihm sei vielmehr an Absicherung und Zukunftsfähigkeit seines Betriebes (fünf Beschäftige) gelegen. Den Antrag habe er gestellt, damit alles mit rechten Dingen zugehe. Zwar sei darin die Rede von acht Stunden täglicher Betriebszeit für Brecher, Sieb und Bagger, jedoch könnten die Anwohner unbesorgt sein: "Wir denken gar nicht daran, diese Zeiten auszuschöpfen." Derzeit sei der Brecher nur sporadisch in Betrieb, zum Beispiel alle drei Wochen, daran werde sich auch künftig kaum etwas ändern. Zimmermann sagte, da er "gütegeschützten Schotter" anbiete, verarbeite er ausschließlich "ausgewählten Bauschutt", und dessen Mengen seien begrenzt. Insofern bestehe auch nicht die von Anwohnern beschriebene Gefahr, dass es zu einer erheblichen Ausweitung an Lkw-Verkehr komme. Für Tage, an denen der Brecher in Betrieb ist, hat er 40 Lkw-Fahrten beantragt, sonst 80 Fahrten. Die Anwohner bezweifeln, dass er dafür die Genehmigung bekommt. "Die Anbindung erfolgt über die Avenwedder Straße, eine Landesstraße, und dann noch in einer leichten Kurve. Wie soll das gehen?", fragt Andreas Gehle. Viel zu gefährlich, ein Video, aufgenommen von einem der Nachbarn, belege das. Hubertus Bettenworth sagte, ein Getränkehandel ein Stück die Straße hinunter habe genau wegen dieser riskanten L 788-Anbindung schließen müssen. Die Landesbehörde Straßen NRW ist nach Angaben des Kreises derzeit noch dabei, die Verkehrslage zu prüfen. "Erste Signale" lassen laut Kreissprecher Jan Focken aber darauf schließen, dass eine Firmenanbindung über die Landesstraße unzulässig sei. Für die Zimmermann GmbH hätte das womöglich gravierende Folgen: Sie müsste ihr Gelände über den Pappelweg-Abzweig an der Isselhorster Straße anfahren, eine Zufahrt, die über ein Bettenworth-Grundstück mit Wegerecht allein für Buschmaas (Spedition) führt. Bettenworth: "Nach Lage der Dinge haben wir kein Interesse daran, auch Zimmermann diesen Weg freizugeben." Ohnehin kündigten die Anwohner an, mit allen Mitteln, auch juristischen, gegen eine Betriebserweiterung vorzugehen. Mit dem Verweigern von Durchleitungsrechten für Abwasser und dem Anzweifeln eines Lärmgutachtens haben sie ihren Widerstandswillen schon bewiesen.

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