Treffpunkt: Der Park hinter der Weberei ist in der sogenannten Trinkerszene nach wie vor beliebt. Wie man auf dem Foto sehen kann, liegt in direkter Nachbarschaft allerdings eine Wohnanlage für Senioren, da sind Konflikte programmiert. - © Patrick Menzel
Treffpunkt: Der Park hinter der Weberei ist in der sogenannten Trinkerszene nach wie vor beliebt. Wie man auf dem Foto sehen kann, liegt in direkter Nachbarschaft allerdings eine Wohnanlage für Senioren, da sind Konflikte programmiert. | © Patrick Menzel

Gütersloh Ein Jahr Alkoholverbot im Webereipark

Szene lässt sich nicht vertreiben

Nicole Hille-Priebe
25.05.2018 | Stand 24.05.2018, 19:29 Uhr

Gütersloh. Die einen regen sich auf, die anderen sehen es locker und stören sich nicht weiter an der sogenannten Trinkerszene, die sich gerne im Park hinter der Weberei trifft. Früher waren die Leute vor allem an der Martin-Luther-Kirche anzutreffen, und als man sie dort nicht mehr haben wollte, zog die Szene in den Park. Nachdem sich die Beschwerden auch dort häuften, schritt das Ordnungsamt vor ziemlich genau einem Jahr ein und ließ an allen Parkeingängen zwischen Bibliothek und Dalkebrücke Schilder anbringen: "Der Verzehr von Alkohol ist verboten." Einen Ratsbeschluss dazu gibt es bis heute nicht. Die Szene Knapp drei Meter von einem der Verbotsschilder entfernt sitzen am späten Vormittag rund 15 Männer und Frauen und lassen sich ihr flüssiges Frühstück schmecken. Richtig betrunken ist hier niemand, dafür gesprächsbereit. "Wo sollen wir denn sonst hin?", fragen die Betroffenen immer wieder, als sie auf das Alkoholverbot im Park angesprochen werden. "Wir treffen uns hier jeden Morgen und trinken ein Bierchen. Um zwei Uhr sind wir wieder weg, dann kommen andere. Keine Ahnung, was die hier veranstalten, wir verhalten uns jedenfalls korrekt: Wir sind immer freundlich und friedlich, räumen unseren Müll weg und verdecken die Flaschen, wenn Kinder vorbei kommen. Wir sind eine Gemeinschaft, in der einer auf den anderen achtet", berichtet einer der Männer. Bekanntschaft mit dem Ordnungsamt haben fast alle hier gemacht. "Dann gibt es einen Platzverweis für 24 Stunden, und wenn man den nicht einhält, droht ein Ordnungsgeld", sagt eine junge Frau. "Das ist Diskriminierung - wir tun doch keinem was. Wenn wir überall verjagt werden, wo sollen wir denn hin?" Die Anwohner In direkter Nachbarschaft liegt die auch als Josefshaus bekannte Senioren-Wohnanlage "Unter den Ulmen" des Bauvereins Gütersloh. Von hier soll es immer wieder Beschwerden gegen die unliebsamen Parkbesucher geben. Bauverein-Vorstand Wolfgang Schmelz: "Das kann ich weder bestätigen noch dementieren. Bei uns liegen zurzeit keine Beschwerden vor, aber die Bewohner wenden sich auch direkt ans Ordnungsamt, weil der Park städtischer Grund ist." Das Ordnungsamt "Wir wollen weiter vorgehen wie bisher. Unseren Beobachtungen nach hat sich die Lage vor Ort verbessert, auch wenn sich nicht alle an das Alkoholverbot halten", sagt die Erste Beigeordnete Christine Lang. Beschwerden gebe es nur noch vereinzelt. "Wenn bestimmte Örtlichkeiten täglich belegt werden, gibt es üblicherweise Ärger. Besser wäre es, die Leute würden selbst auf die Idee kommen, sich über verschiedene Orte zu verteilen." Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden den Park regelmäßig kontrollieren, bislang sei es etwa "zu einer Hand voll" Platzverweise gekommen. Das Duisburger Urteil (siehe Info-Kasten unten) betrifft Gütersloh Langs Meinung nach nicht: "Unsere ordnungsrechtliche Verordnung beruht auf dem Verbot von Alkohol auf Spielplätzen, da der Spielplatz in den Webereipark integriert ist. Kleinen Kindern soll dieses Beispiel nicht vor die Nase gesetzt werden." Die Polizei Laut Sprecherin Corinna Koptik gibt es seitens der Polizei keine Probleme mit der Szene im Webereipark. "Die Situation ist aus unserer Sicht völlig unauffällig. Wir haben den Park natürlich im Blick und stehen in engem Kontakt, aber das Alkoholverbot ist Angelegenheit des Ordnungsamtes und nicht der Polizei."

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