Spediteur: Für Detlev Kahmen sind Autobahngebühren seit Jahren Alltag und Teil der Kalkulation. Die Maut für Bundesstraßen bedeutet allerdings auch für ihn eine erneute Umstellung. - © Andreas Frücht
Spediteur: Für Detlev Kahmen sind Autobahngebühren seit Jahren Alltag und Teil der Kalkulation. Die Maut für Bundesstraßen bedeutet allerdings auch für ihn eine erneute Umstellung. | © Andreas Frücht

Gütersloh Lkw-Maut auf Bundesstraßen verteuert Logistik

Die Mehrkosten kann Spediteur Detlev Kahmen nur schätzen, aber der Endverbraucher wird mitzahlen

Gütersloh. Achselzucken. Detlev Kahmen ist ratlos. Ihm fehlen wichtige Informationen. "Welche Kosten durch die neue Maut auf das Unternehmen zukommen, kann ich im Moment nicht sagen." Doch eines sei klar: "Einen großen Teil der Mehrkosten werden am Ende die Verbraucher tragen müssen." Denn ab dem 1. Juli müssen Transporteure und Spediteure auf allen Bundesstraßen bezahlen. "Die Berechnung von Autobahngebühren ist klar gegliedert", sagt Kahmen. Aktuell zahle sein Unternehmen jährlich gut 100.000 Euro Maut. "Mit der Planungssoftware kann ich voraus berechnen, was ein Fünfachser mit Euronorm sechs kostet: Das sind 13,5 Cent pro Kilometer. Eine Strecke von Gütersloh nach München, das sind gut 650 Kilometer, kosten in etwa 90 Euro", sagt der Unternehmer. Für die Berechnung einer ähnlichen Fahrt ab Juli fehlten aktuell die Gebührensätze, da sie nicht im Gesetz verankert sind. "Nach der Neuerung sind künftig 84 Prozent der gefahrenen Unternehmensstrecken mautpflichtig. Die restlichen 16 Prozent können wir nicht kalkulieren, da wir nicht wissen, was davon gebührenpflichtig ist." Denn es gebe Straßenbereiche, die nicht eindeutig zuzuordnen seien. Dazu fehle eine aktuelle Software, die eine gesamte Routenplanung über Autobahnen und Bundesstraßen sowie die Gebührenberechnung vorab möglich mache. Schließlich gehe es dann auch noch um Kleinigkeiten, die im Alltag allerdings Geld kosten. "Wenn ich von Gütersloh nach Sassenberg über die B 513 fahre, ist die zu 100 Prozent mautpflichtig. Doch wenn ich von Gütersloh nach Halle über die B 61 fahre, ist das nicht so. Denn aktuell weiß ich nicht, welche Bereiche Bundesstraße sind." Hinzu kämen noch Besonderheiten wie Querungen von breiten Bundesstraßen oder Kreisverkehre, die zwar Bundesstraße sind, aber auch Landstraßen miteinander verbinden. Kahmen: "Muss ich die 200 Meter Kreisverkehr bezahlen, auch wenn ich nur von Landstraße zu Landstraße fahre?" Diese Kalkulationen geschehen mit Blick auf Kunden und Endverbraucher. Während die Autobahngebühr gut umzulegen sei, müsse bei der neuen Gebühr zunächst geschätzt werden. "Und im Nachhinein muss ich mit dem Kunden möglicherweise nachverhandeln." Doch die Kunden würden diese Mehrkosten an den Endverbraucher weitergeben müssen. Denn die Refinanzierung der Autobahngebühren funktioniere genau so. "Insbesondere ist das den Spediteuren mit ihren umgelegten Pauschalen gelungen. Doch künftig wird es schwierig, die neue Maut in ähnlicher Weise auf sämtliche kleine Sendungen umzulegen", sagt Kahmen. Denn viele der kleineren Zusteller ziehen noch ihre Collect-Tickets am Automaten oder via Internet, da die Strecken im Voraus zu berechnen sind. Doch die korrekte Abrechnung werde künftig nur über die sogenannte Onboard Unit funktionieren, die das Fahrzeug automatisch an das System anmeldet und dann abrechnet. "Unsere 70 LKW sind alle mit der Unit versehen. Für Kleinunternehmen wird das Gerät unverzichtbar werden", sagt Kahmen. So ein Gerät wird inklusive Einbau mindestens 350 Euro kosten, zudem wird das Fahrzeug für einen Tag nicht einsetzbar sein. Abseits der betriebswirtschaftlichen Überlegungen begrüßt Detlev Kahmen die Gebühren, stellt aber eine klare Bedingung: "Das Geld muss dort landen, wo es hin soll." Aktuell sei viel Geld für den Straßenausbau da, und es werde viel gebaut. "Doch unser Netz ist viel zu klein. Das bedeutet, wir müssen die Infrastruktur erhalten und erweitern." Langstreckenbusse sind übrigens von der Maut ausgenommen. "Um den Wettbewerb mit der Schiene nicht zu verzerren. Außerdem kämen die Mehrkosten direkt bei den Benutzern an. Die Gebühren sind nicht so einfach umzulegen wie im Frachtverkehr", sagt Kahmen. "Doch was ist eigentlich mit anderen schweren Fahrzeugen, die die Straßen belasten, wie zum Beispiel Entsorgungs- oder Baufahrzeuge!?" Das Achselzucken ist wieder da, die Maut kommt.

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