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Nicht auszuhalten: Hermann Stelbrink (v. l.), Josef Außendorf und Helmut Vorderbrügge protestieren gegen die Verkehrsbelastung in Friedrichsdorf. - © Andreas Frücht
Nicht auszuhalten: Hermann Stelbrink (v. l.), Josef Außendorf und Helmut Vorderbrügge protestieren gegen die Verkehrsbelastung in Friedrichsdorf. | © Andreas Frücht

Gütersloh Wo ist es in Gütersloh laut – und wo leise?

Ortstermin: Heute ist der internationale Tag gegen den Lärm. In Friedrichsdorf geht eine Bürgerinitiative seit zwölf Jahren auf die Straße, damit dort endlich mehr Ruhe einkehrt

Nicole Hille-Priebe
25.04.2018 | Stand 24.04.2018, 19:43 Uhr

Gütersloh. Immer mehr Baustellen, nicht kalkulierbares Straßenverkehrsaufkommen, extremer Güterverkehr auf Straße und Schiene, nachbarschaftliches Getöse, Tellerklappern in Restaurants, Beschallungen überall im täglichen Leben - Lärm hat viele und immer wieder neue Gesichter. "Ständige Geräusche machen dem Körper Stress", erklärt der Hörakustiker Jens Fliege von Geers in Gütersloh. "Bereits ab 75 Dezibel wird das Herz-Kreislaufsystem vom Lärm gestresst. Diese Lautstärke erreichen schon Staubsauger oder normal befahrene Straßen", warnt der Experte. Ab 85 Dezibel sei bei einer Dauerbelastung ein Hörschaden sogar kaum zu vermeiden. Am heutigen internationalen Tag gegen Lärm ruft Fliege deshalb dazu auf, sich leise Momente im Alltag besonders bewusst zu machen. "Denn das Gehör ist ein leistungsfähiges Organ und kann sich nach zu viel Lärm wieder erholen, aber dazu braucht es Ruhe." Also genau das, was Josef Außendorf, Helmut Vorderbrügge und Hermann Stelbrink in ihrem Leben schmerzlich vermissen. Seit zwölf Jahren protestiert ihre Bürgerinitiative "Pro Umgehungsstraße" gegen den Lärm und die Abgase, die rund 22.000 Fahrzeuge - darunter schätzungsweise 1.200 schwere Nutzfahrzeuge - verursachen, wenn sie täglich durch den Ortskern von Friedrichsdorf rollen. "Ich wohne direkt an der Avenwedder Straße. Früher gab es ja mal den Begriff 'Rush Hour' in der Einzahl. Mittlerweile hört der Verkehr aber gar nicht mehr auf, da reiht sich eine Stoßzeit an die andere", sagt Helmut Vorderbrügge, der nicht nur den Lärm schmerzlich zu spüren bekommt, sondern auch die Abgase. "Ich leide mittlerweile unter einer Erkrankung der Atemwege, für die es keine andere Erklärung gibt als die starke Verkehrsbelastung hier im Ort." Hermann Stelbrink ergeht es an der Brackweder Straße nicht viel besser. "Selbst nachts können wir die Fenster nicht öffnen, weil es zu laut ist. Unsere Häuser sind alt und nicht für solche Verhältnisse gebaut, der Lärm geht durch und durch." Neben den ständigen Motorengeräuschen bringt der Verkehr weitere Lärmquellen mit sich: Lockere Gullideckel, die bei jeder Drüberfahrt scheppern; lästige Querrinnen; rasantes Abbremsen und Beschleunigen in Kurven und Kreiseln - alles zusammen zehrt an den Nerven und treibt die Friedrichsdorfer Protestbewegung immer wieder selbst auf die Straße, die nächste Demo ist eine Woche vor den Sommerferien. "Als wir damit anfingen, waren wir rund 500 Leute. Heute kommen immerhin noch bis zu 100 Teilnehmer, wenn wir für eine Ortsumgehung demonstrieren", sagt Außendorf. Zwar habe man erreicht, dass die Stadt die Kfz-Zahl aufgrund eines politischen Beschlusses monatlich misst, "aber wir hören nie etwas von diesen Zahlen, die werden uns nicht genannt". Dass sich die Befürchtungen, der Verkehr könnte durch die Freigabe des neuen Abschnitts der A 33 in Friedrichsdorf noch mehr zunehmen, bislang nicht bestätigt haben, hat für die drei Herren einen einfachen Grund: "Mehr geht ja gar nicht. Die stehen ja jetzt schon bis zum Ortsausgang im Stau", sagt Helmut Vorderbrügge, der sich gerne an den letzten Umbau der Avenwedder Straße erinnert. "Ein ganzes Jahr hat das gedauert, das war toll. Da war Ruhe."

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