Bilder aus Brisbane: Die australischen Medien berichteten ausführlich über den Mord an dem Gütersloher. - © Andreas Frücht
Bilder aus Brisbane: Die australischen Medien berichteten ausführlich über den Mord an dem Gütersloher. | © Andreas Frücht

Gütersloh Mord an einem Gütersloher wird erst Ende des Jahres verhandelt

Justizfall: Der mutmaßliche Täter sitzt in U-Haft.

Gütersloh. Australien gilt als Dorado für Rucksacktouristen. Mehr als 21.000 junge Deutsche beantragen dort pro Jahr ein Work-und-Travel-Visum, tausende weitere ziehen auf eigene Faust los, um auf der anderen Seite der Erde die einsamen Weiten des Outbacks und in Metropolen wie Sydney oder Brisbane das Nachtleben zu genießen. Für einen Gütersloher Backpacker endete die Reise tödlich. Er wurde in den frühen Morgenstunden des 5. Oktober 2017 in Brisbane nach einer verbalen Auseinandersetzung mit einem Autofahrer mit mehreren Messerstichen in Bauch und Rücken so schwer verletzt, dass er kurze Zeit später im Krankenhaus diesen Verletzungen erlag. Der 30-Jährige war mit einem Freund zu Fuß unterwegs in ihre in einem bei Rucksacktouristen beliebten Stadtteil gelegene Unterkunft. Australische Medien berichten ausführlich In australischen Medien wurde über den Fall ausführlich berichtet. Laut dem staatlichen Sender ABC News wurde der mutmaßliche Täter nach einer öffentlichen Fahndung einen Tag später von der Polizei in seinem Haus in Lockrose gefasst, beim "Chillen", wie es hieß. Zu der Messerattacke tags zuvor soll es laut Zeugenaussagen gekommen sein, nachdem der nun des Mordes beschuldigte Jamie Saxon (33) den Gütersloher auf der Straße fast angefahren hatte. Im darauffolgenden Streit soll Saxon dann das Messer gezogen und zugestochen haben. Das Opfer hatte keine Chance. In einer ersten Reaktion sprach ein hoher Beamter der Polizei in Queensland von einer "wuterfüllten Tat". Bis zu drei Jahre Wartezeit Der mutmaßliche Täter sitzt seit seiner Festnahme in U-Haft, die Verhandlung war ursprünglich für den 6. November 2017 angesetzt, wurde aber verschoben. Nach neuesten Informationen soll der Fall nun erst im Dezember verhandelt werden - mehr als ein Jahr nach der Tat. "Uns wurde gesagt, dass zweieinhalb bis drei Jahre Wartezeit auf den Prozess in Australien keine Seltenheit sind. Mehr wissen wir nicht", sagte der Vater des Opfers auf Nachfrage der Neuen Westfälischen. Die Gütersloher Familie hat zwei Kontaktpersonen in Brisbane, die sie mit Informationen rund um den Prozess versorgen. Es wird noch lange dauern, bis sie den Verlust ihres Sohnes verarbeitet haben. "Wenn das Kind stirbt, ist nichts mehr, wie es einmal war", sagt der Vater. Erschreckende Bedingungen für Backpacker Der Fall wirft auch ein Licht auf die Bedingungen und Gefahren, mit denen Rucksackreisende in Australien offenbar häufiger rechnen müssen als in anderen Ländern. Immer wieder gibt es Berichte über ausbeuterische Verhältnisse auf den Obstplantagen, die junge Backpacker gerne als Saisonarbeiter einstellen. Betroffene klagen immer wieder über harte Arbeit für wenig Geld, Bedrohungen und körperliche Übergriffe. Erst vor zwei Jahren hatte der australische Ombudsmann für faire Arbeitsbedingungen für seinen Bericht 4.000 Rucksackreisende interviewen lassen, die ihr Visum verlängern wollten. Fast ein Drittel der Befragten erhielt für einen Teil oder sogar für die gesamte Arbeit kein Geld, mehr als ein weiteres Drittel erhielt weniger als den Mindestlohn, heißt es in dem Bericht. Es gebe auch Fälle von finanzieller und sexueller Ausbeutung im Gegenzug für das Unterschreiben von Visadokumenten, bei Arbeitgebern beliebt ist offenbar zudem das Konfiszieren von technischen Geräten oder Pässen. Auch das Gütersloher Opfer hatte in Australien gearbeitet, als Obstpflücker und auf dem Bau. Während er diese Zeit unbeschadet überstanden hatte, wurde ihm schließlich in Brisbane ein Streit auf der Straße zum tödlichen Verhängnis.

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