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Technischer Defekt: In diesem Haus an der Verler Straße gelangte nachts giftiges Kohlenmonoxid in die Luft. - © Andreas Frücht
Technischer Defekt: In diesem Haus an der Verler Straße gelangte nachts giftiges Kohlenmonoxid in die Luft. | © Andreas Frücht

Gütersloh Ursache geklärt: Technischer Defekt führt bei 14 Menschen zu Vergiftung mit Kohlenmonoxid

Am Mittwoch rückten in den frühen Morgenstunden mehrere Einsatzwagen aus, nachdem Hausbewohner an der Verler Straße Anzeichen einer Kohlenmonoxidvergiftung zeigten

Nicole Hille-Priebe
08.02.2018 | Stand 08.02.2018, 17:34 Uhr

Gütersloh. Farblos, geruchlos und im Ernstfall tödlich: Wie gefährlich eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid (CO) sein kann, hat Anfang dieser Woche der Tod einer vierköpfigen Familie in Esslingen gezeigt - eine defekte Heizungsanlage hatte zu der Katastrophe geführt. Wie so häufig in diesen Fällen, kam der Tod mit dem Schlaf. Die Bewohner eines Hauses an der Verler Straße 11 hatten am Mittwoch mehr Glück: Als die Feuerwehr in den frühen Morgenstunden am Einsatzort eintraf, hatten sich die 14 Hausbewohner, unter ihnen auch zwei Kinder, schon ins Freie gerettet. Der Verdacht auf eine Kohlenmonoxidvergiftung bestätigte sich schnell, alle Personen wurden leicht verletzt in umliegende Krankenhäuser gebracht. Das Fatale für den Menschen: CO bindet stärker an den Blutfarbstoff Hämoglobin als Sauerstoff und verdrängt diesen. Die Organe werden nicht mehr ausreichend versorgt. Wer zu viel CO einatmet, wird müde, bekommt Kopfschmerzen, wird bewusstlos und erstickt. Bei einer leichten Kohlenmonoxidvergiftung können die Betroffenen das Krankenhaus meist ohne Behandlung wieder verlassen, in schweren Fällen hilft eine Sauerstofftherapie in einer Druckkammer. CO-Tester schlug Alarm - damit war die Sache klar "Im aktuellen Fall wurde die Kreisleitstelle über eine verletzte Person in dem Wohnhaus informiert. Als wir gegen halb vier an dem Mehrfamilienhaus eintrafen, standen alle Bewohner bereits vor der Tür", berichtet Einsatzleiter Werner Honnef. Nachdem der erste Betroffenen nachts unter Unwohlsein litt, hatten Angehörige den Rettungswagen alarmiert. "Die Kollegen tragen immer einen CO-Tester am Mann. Als der in der Wohnung Alarm schlug, war die Sache klar", erklärt Polizeisprecherin Katharina Felsch. Weil der Notarzt noch vor Ort bei drei Personen erhöhte CO-Werte feststellen konnte, habe man das gesamte Gebäude sofort evakuiert und die Bewohner vorsorglich mit mehreren Krankenwagen in umliegende Krankenhäuser und die Kleinen in die Kinderklinik nach Bethel gebracht, berichtet Einsatzleiter Honnef weiter. Die Feuerwehr, die mit zehn Einsatzkräften, zwei Rettungswagen und einem Notarzt vor Ort war, wurde von zwei Mannschaftswagen der Freiwilligen Feuerwehr unterstützt. "Schließlich herrschten Minusgrade und die Menschen mussten schnell ins Warme und versorgt werden", sagt Honnef. Technischer Defekt führte vermutlich zu einer Verpuffung Mittwoch Morgen waren dann Ermittler der Kriminalpolizei, Schornsteinfeger und der Vermieter des Hauses gemeinsam vor Ort, um nach der Ursache der erhöhten Werte zu forschen. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand handelt es sich vermutlich um eine technische Ursache, welche zu einer Verpuffung führte, bei der ein Abgasrohr gelöst wurde. So konnten die giftigen Gase in die Luft gelangen", erklärt Polizeisprecherin Felsch. Vielen Güterslohern dürfte noch der tragische Tod der schwangeren Oxana K. in Erinnerung sein, die fast auf den Tag genau vor zehn Jahren in ihrer Wohnung am Ohlbrocksweg an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben war, ihr Ehemann überlebte trotz mehrfachen Organversagens. Ursache war damals der Schornstein des Hauses, der nicht mehr richtig abzog. "Kohlenmonoxid ist so tückisch, weil man es weder schmecken noch riechen kann. Ohne entsprechende Messgeräte ist da nichts zu machen", sagt Werner Honnef. "Doch während Rauchmelder mittlerweile in jedem Wohnraum Pflicht sind, sind CO-Warner längst nicht so verbreitet." Der Installateur Oliver Menzel gehört also noch zu den Ausnahmen: Erst vor wenigen Tagen hat er sich für seine Wohnung einen CO-Melder bestellt. "Auch bei meinen Kunden wächst die Nachfrage. Mit rund 30 Euro kann man so Menschenleben retten."

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