Nimmt künftig die Isselhorster in den Fokus: Nach 27 Jahren Fotografenmeisterin verlässt Renate Lottis Ende Dezember ihr Geschäft an der Kirchstraße. Ein neuer Mieter für die Räume steht schon in den Startlöchern. Fotos: Jens Dünhölter|| - © Jens Dünhölter
Nimmt künftig die Isselhorster in den Fokus: Nach 27 Jahren Fotografenmeisterin verlässt Renate Lottis Ende Dezember ihr Geschäft an der Kirchstraße. Ein neuer Mieter für die Räume steht schon in den Startlöchern. Fotos: Jens Dünhölter|| | © Jens Dünhölter

Gütersloh Foto Müller verschwindet von der Bildfläche

Nach sechs Jahrzehnten schließt Renate Lottis die Türen des traditionsreichen Fotogeschäfts an der Kirchstraße endgültig ab. Warum es die Fotografin mit ihrem Studio in einen alten Mühlen-Kotten zieht

Jens Dünhölter

Gütersloh. In Gütersloh hat Renate Lottis (55) nach eigenen Angaben schon "viele wichtige Personen" für die Ewigkeit auf Zelluloid gebannt. Die Liste ist lang - sie reicht von Staatsmännern wie Michael Gorbatschow und dem Schauspieler Heinz Rühmann über Wirtschaftsbosse wie Liz Mohn bis hin zu ehemaligen Spitzensportlern wie Andre Agassi. Ab Januar 2018 widmet sich die Geschäftsführerin des Bild-Ateliers "Foto-Session" (ehemals Foto Müller) mit ruhigem Finger, sicherem Auge und dem in einigen Jahrzehnten geschulten Fotografen-Blick den Bewohnern in Isselhorst. Nach 27 Jahren Vis-a-vis des Alten Kirchplatzes zieht sie Ende Dezember in Karl Theodor Mumperows Mühlen-Kotten an der Isselhorster Straße 422 zwischen Kirchplatz und Kriegerdenkmal. Isselhorstern ist das Gebäude als Teil des Meierhof-Partyhof-Ensembles sowie primär als Hofcafé während des Antik-und Trödelmarktes am Fronleichnamswochenende bekannt. "Ich freue mich riesig. Die Räumlichkeiten werden ganz nach meinen Wünschen renoviert und eingerichtet. Damit bin ich näher an meinen vielen Isselhorster Kunden", stellt die Fotografenmeisterin fest. Am 27. Dezember - direkt nach dem Weihnachtsgeschäft - werden Scheinwerfer, Drucker und ein halber Transporter voller Requisiten in Gütersloh ein-, und zehn Minuten später im Lutterdorf wieder ausgepackt. Wann der Laden in Isselhorst öffnet, ist noch nicht ganz klar Wann es zum ersten Mal "Jetzt bitte recht freundlich" heißt, ist derzeit allerdings noch offen. Direkt nach dem Handschlag Ja-Wort mit dem dörflichen Urgestein hat Renate Lottis einen entsprechenden Änderungsantrag beim Bauamt der Stadt gestellt. Es sähe zwar gut aus, "aber natürlich eröffnen wir erst, wenn die Genehmigung durch ist". Sie geht davon aus, "dass das nicht allzu lange dauern wird". In dem neuen Refugium sei zwar auf zwei Etagen mit insgesamt 100 Quadratmetern etwas weniger Platz als im Atelier an der Kirchstraße, dafür könne sie noch mal neu durchstarten. "Das Mühlen-Ensemble ist bezaubernd; Kirchplatz und Elmendorfs Hof bieten traumhafte Kulissen. In Gütersloh hatte ich das Gefühl, dass alles nach 27 Jahren etwas eingefahren ist", beschreibt die Lichtbildnerin den Hauptumzugsgrund. Das Fehlen eines Fotografen im Lutterdorf war ein zweiter. Für Passfotos, Familienbilder, Konfirmations- und Weihnachtsaufnahmen oder Hochzeits-Shootings mussten die Isselhorster, Niehorster, Hollener, Ebbesloher seit vielen Jahren den Weg in die Dalkestadt antreten. "Vor der Tür sind Parkplätze en masse vorhanden. Vor dem großen Giebelfenster unterm Dach kann man ungestört mit tollem Licht arbeiten", sagt Lottis. Das Hofcafé bleibt zu Fronleichnam an gewohntem Standort Für die Antik- und Trödelmarktbesucher ändert sich übrigens nichts. Das Hofcafé bleibt Fronleichnam am gewohnten Standort. Renate Lottis: "Herrn Mumperow war das sehr wichtig. Für die Isselhorster mache ich meine Tür sehr gerne auch am Feiertag auf". Mit dem Standortwechsel endet an der Kirchstraße eine 63-jährige Foto-Tradition. Am 1. November 2014 feierte das bekannte Foto-Studio schräg gegenüber des Standesamtes 60. Geburtstag. Anfangs wurde buchstäblich "gemüllert". Der Einzelhändler Renatus Müller, Sohn des stadtbekannten Pastors Vollrath Müller, gründete am 1. November 1954 im Keller des heutigen Standortes das Unternehmen "Photo R. Müller Kino". 1958 zog die auf Passfotos, Filmentwicklung und Kamerazubehör spezialisierte Firma vom Keller ins heutige Ladenlokal. 1979 erfolgte die Umfirmierung zu "Foto Müller" mit einer stilisierten Blende im Schriftzeichen. 1985 wurde das Ladenlokal um ein professionelles Foto-Studio erweitert, gleichzeitig stieg Renate Lottis nach ihrer bei Gerda Hermann absolvierten Lehre (1978 bis 1981) als Gesellin ein. Das Jahr 1990 katapultierte die angestellte Fotografin in die alleinige Verantwortung. Nach dem Tod des Firmengründers (1. Mai 1990) wurde Lottis mit der frisch absolvierten Meisterprüfung in der Tasche am 1. Dezember 1990 alleinige Chefin. Genau zehn Jahre später wurde der Firmenname von Foto Müller in FotoSession umgeändert; Kameras und Zubehör abverkauft und der Schwerpunkt auf das Studio- und Ateliergeschäft verlagert. Als Nachfolger soll Mitte März ein Spieleladen in das frei gewordene Ladenlokal einziehen.

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