Alles auf einen Blick: Das Bestattungsunternehmen Lohmann arbeitet mit einem digitalen Formalitäten-Portal. Dort können Zugänge zu Nutzerkonten oder Profilen eines Verstorbenen ermittelt und gegebenenfalls deaktiviert oder gekündigt werden. - © Foto: Lena Vanessa Niewald
Alles auf einen Blick: Das Bestattungsunternehmen Lohmann arbeitet mit einem digitalen Formalitäten-Portal. Dort können Zugänge zu Nutzerkonten oder Profilen eines Verstorbenen ermittelt und gegebenenfalls deaktiviert oder gekündigt werden. | © Foto: Lena Vanessa Niewald

Gütersloh Bestatter kümmern sich auch um digitale Spuren eines Verstorbenen

Sie finden heraus, in welchen Onlineshops jemand angemeldet war und welche Konten gekündigt werden sollten

Lena Vanessa Niewald

Gütersloh. Ein Profil bei Facebook, eins bei Ebay und dann ist da auch noch das Konto fürs Online-Banking: Die Liste der Aktivitäten im Netz ist bei vielen Internetnutzern mittlerweile lang. Und überall gibt es Zugangsdaten, Passwörter, Nutzernamen – am besten bei jedem Anbieter anders. Zu Lebzeiten ist das gut und sicher, aber was passiert mit all diesen Daten, wenn jemand verstirbt? Lassen sich digitale Spuren dann einfach so verwischen? „Nein", sagt der Gütersloher Bestatter Matthias Lohmann, „vor allem nicht, wenn die Zugangsdaten den Hinterbliebenen nicht bekannt sind." Seit den 1950er Jahren kümmert sich das Familienunternehmen Lohmann um Todesfälle, erst seit knapp zwei Jahren ist auch der digitale Nachlass Thema bei den Gütersloher Bestattern. „Im Todesfall müssen sich Angehörige um eine Vielzahl von Formalitäten kümmern. Der Verstorbene muss bei Behörden abgemeldet werden, Zeitungsabonnements müssen gekündigt werden, Versicherungsverträge gelöst werden – den digitalen Bereich haben viele da meist gar nicht im Blick", sagt Lohmann. »Das Portal sucht nach aktiven Konten der Mailadresse« Er und sein Team können aber helfen – auch, wenn Angehörige keinen Zugang zu digitalen Nutzerkonten des Verstorbenen haben. Mit Hilfe eines sogenannten Formalitätenportals können Profile, Mitgliedschaften und Nutzerkonten im Internet ermittelt werden. Benötigt werden dafür lediglich die Mailadresse und die Sterbeurkunde, die als Vollmacht hinterlegt wird. „Mit der Adresse sucht das Portal nach aktiven Konten und Profilen, die unter der Mailadresse laufen. Neben einem automatischen Suchprozess können wir als Bestatter aber auch individuell suchen", erklärt Bruder Markus Lohmann. Die Auskünfte erfolgen dann direkt über die Webanbieter. Alle Ergebnisse der Recherche laufen in dem Formalitätenportal zusammen und können dort von den Angehörigen jederzeit eingesehen werden. „Mit Hilfe der Übersicht können wir dann Kontakt zu den Firmen aufnehmen und gegebenenfalls Konten deaktivieren, Mitgliedschaften kündigen oder auch Verträge überschreiben", so Markus Lohmann weiter. Es komme auch vor, dass auf Konten noch Guthaben vorhanden seien – etwa bei Wettanbietern. „Sobald es aber ums Geld geht, also noch vorhandenes Guthaben eines Kontos ausgezahlt werden soll, fordern die meisten Unternehmen zusätzlich noch den Erbschein." Kennen Angehörige die Mailadresse des Verstorbenen nicht, wird's schwierig Kennen Angehörige die Mailadresse des Verstorbenen nicht, wird’s schwierig. „Irgendeinen Anhaltspunkt müssen wir ja haben. Name und Geburtsdatum reichen häufig nicht aus", sagt Matthias Lohmann. In den meisten Fällen würden Familien und Partner die Adressen aber kennen. Sogar die Passwörter seien manchmal vorhanden. Um es den Hinterbliebenen letztendlich einfacher zu machen rät Lohmann, sich frühzeitig um seinen eigenen digitalen Nachlass zu kümmern. Passwörter und Zugangsdaten sollten schriftlich hinterlegt werden – zum Beispiel im Testament. Dort könne dann auch festgelegt werden, dass nur bestimmte Personen Einblick in diese Daten erhalten dürfen. Noch macht die Regelung des digitalen Nachlasses nur einen kleinen Teil der Arbeit im Bestattungsunternehmen Lohmann aus. „Es gibt tatsächlich wichtigere Dinge direkt nach einem Todesfall. Die Regelung des digitalen Nachlasses ist nicht der erste Schritt", sagt Matthias Lohmann. Das liegt in den Augen des Bestatters vor allem am Alter der Verstorbenen. Derzeit seien mehr als siebzig Prozent der Sterbefälle über achtzig Jahre alt; „da spielen Onlinekonten und soziale Netzwerke in der Regel keine Rolle." Mit Blick auf die Zukunft könne sich das allerdings ändern. Immer mehr Prozesse würden mittlerweile digital ablaufen: „Noch fangen Angehörige manchmal an zu lachen, wenn wir nach Mailadressen oder Onlinekonten fragen. Aber Internetprofile werden in den nächsten Jahren sicherlich präsenter."

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