Die Sängerin und Komponistin Alexandrina Simeon hat im Jazz ihre Musik gefunden. Sie ist am 3. Oktober um 11.30 Uhr in der Skylobby des Theater Gütersloh zu hören. - © gpr
Die Sängerin und Komponistin Alexandrina Simeon hat im Jazz ihre Musik gefunden. Sie ist am 3. Oktober um 11.30 Uhr in der Skylobby des Theater Gütersloh zu hören. | © gpr

Gütersloh Balkan Beats: Kulturwoche will Güterslohern das echte Bulgarien näher bringen

Kultureller Austausch: Mit Filmen, Musik,Wissenschaft, Politik und „Wein, der nicht getrunken werden durfte“

Florian Sädler

Gütersloh. So nah und doch so fern. Knapp 850 Kilometer sind die nächsten deutschen und bulgarischen Städte voneinander entfernt, und doch ist das an Geschichte, Geografie und Kultur so reiche Land vergleichsweise eine große Unbekannte in der Bundesrepublik. Das soll sich im Zuge der diesjährigen Europäischen Kulturwoche ändern. Seit 1984 findet diese jeden Herbst aufs Neue in Gütersloh statt – Ziel ist es, Vorurteile ab- und Berührungspunkte aufzubauen. Mitten auf dem Balkan gelegen, hat Bulgarien eine bewegte Geschichte hinter sich. Das Land war immer wieder Schauplatz historischer Ereignisse. Unter anderem Thraker, Römer, Griechen, Byzantiner und Osmanen waren hier aktiv, Alexander der Große schlug an den Hängen des Balkangebirges seine ersten Schlachten und Spartakus, der Anführer des berühmten Gladiatoren-Aufstandes, wuchs im heutigen Bulgarien auf, bevor er nach Italien verschleppt wurde. Sieben UNESCO-Weltkulturstätten bietet das Land heute, Strände an der Schwarzmeerküste und über 2.000 Meter hohe Berge. Eröffnet wird die Europäische Kulturwoche am Sonntag, 1. Oktober, um 11.30 von Bürgermeister Henning Schulz in der Zentrale der Sparkasse am Adenauer-Platz. Danach folgt bis zum 8. Oktober eine Reihe verschiedenster Veranstaltungen. Das Auswärtige Amt beschreibt die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Bulgarien als „traditionell gut und intensiv". In diesem Sinne soll die Europäische Kulturwoche laut Veranstalter mit einem umfangreichen Programm aus Vorträgen, Vorführungen und Workshops dafür sorgen, dass die Gütersloher „das echte Bulgarien kennenlernen." Unter anderem geht es in den Bereichen Film, Musik, Literatur, Wissenschaft und Politik zur Sache. So wird die Deutsche Welle-Redakteurin und gebürtige Bulgarin Rayna Breuer am Montag um 18 Uhr in der Volkshochschule die politische Situation des Landes nach Flüchtlingsströmen, Korruptionsskandalen und Parlamentswahlen beleuchten. Am Dienstag um 11.30 Uhr werden Alexandrina Simeon und Band in der Skylobby des Theaters bulgarische Melodien und Rhythmen gekonnt mit westeuropäischem Jazz verbinden. Am Mittwoch wird zunächst der Soziologe Dr. Stefan Roggenbuck um 15.30 Uhr in der Volkshochschule einen Vortrag zur bulgarischen Geschichte und Gegenwart halten, bevor im Volksbank-Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße um 17 Uhr die Ausstellung „The Floating Piers" von Kalin Ivanov eröffnet wird (bis 10. Oktober). Zudem wird der Dokumentarfilm „Die Brücke zu Christo" gezeigt. Ab 18 Uhr wird in der Volkshochschule gekocht und gebacken – landestypische Gerichte, süß wie herzhaft, sollen am Ende dabei herauskommen, dazwischen Geschichten und Bräuche ausgetauscht werden. Am Donnerstagabend um 20 Uhr wird im „Bambi & Löwenherz" der Film „Affe" gezeigt, der das Lebensgefühl von Jugendlichen in Sofia visualisiert. Am Freitagvormittag besucht der langjährige Europaparlamentarier Elmar Brok das Städtische Gymnasium für einen Impulsvortrag mit Diskussionsmöglichkeit, bevor um 20 Uhr in der Weberei Ani Lozanova und Band auftreten, samt anschließender „Balkan Beats"-Party. Literarisch wird es am Samstag, 7. Oktober, wenn der Autor Veso Portarsky um 19 Uhr in der Buchhandlung Markus aus seinem aktuellen Buch „Der Wein, der nicht getrunken werden durfte" liest. Ausklingen soll die Europäische Kulturwoche am Sonntag, 8. Oktober, im Stadtmuseum. Dort berichtet die Künstlerin und Historikerin Fanna Kolarova um 12 Uhr über die nicht immer erfolgreiche Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Land errichtet wurde. Eben jene Diktatur wird auch in einer zweiten Ausstellung thematisiert: „Verbotene Wahrheit. Bulgarien 1944-1989" widmet sich den Widerständlern und den Repressionen, die sie unter anderem in Arbeitslagern erleiden mussten. Die Ausstellung wird vom 1. bis zum 8. Oktober im Stadtmuseum gezeigt.

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