In orangefarbener Häftlingskleidung: Flankiert von zwei Polizisten wird Giuliano Lemoine Ende März in die Polizeistation der Stadt Kuta geführt. Von dort aus wird der 21-Jährige wenig später in die Haftanstalt Kerobokan verlegt. - © Nagi/EPA
In orangefarbener Häftlingskleidung: Flankiert von zwei Polizisten wird Giuliano Lemoine Ende März in die Polizeistation der Stadt Kuta geführt. Von dort aus wird der 21-Jährige wenig später in die Haftanstalt Kerobokan verlegt. | © Nagi/EPA

Gütersloh/Denpasar Gütersloher wird auf Bali zu Haft verurteilt

Prozess: Giuliano Lemoine muss für die tödliche Auseinandersetzung mit einem Disco-Besucher für eineinhalb Jahre ins Gefängnis


Gütersloh/Denpasar. Der 21-jährige Giuliano Lemoine, der Ende März während eines Urlaubs auf Bali in einen tödlichen Streit vor einer Diskothek verwickelt war, ist zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Zudem muss der Gütersloher 2.000 indonesische Rupiah, umgerechnet etwa 13 Cent, an die Gerichtskasse entrichten. Die Richter am Bezirksgericht von Denpasar sahen es als erwiesen an, dass Lemoine seinem Kontrahenten einen Schlag gegen den Kopf versetzt hatte, infolgedessen der 49 Jahre alte Chinese zu Boden stürzte und wenige Tage später im Krankenhaus starb. Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung des Staatsanwaltes, der sich in seinem Plädoyer für eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ausgesprochen hatte. Zugute hielt die Anklagevertretung dem Deutschen, dass dieser nicht in Tötungsabsicht gehandelt habe. Vielmehr habe Lemoine ein einziges Mal zugeschlagen, nachdem er von seinem Gegenüber herausgefordert worden war. Dies hatten auch Zeugen, darunter das Sicherheits- und anderes Personal der Diskothek, in dem seit Juni andauernden Prozess zur Entlastung des Angeklagten so ausgesagt. Rekonstruktion der Tat entlastet den Angeklagten Auch die Rekonstruktion der Tat durch die örtliche Polizei hatte ergeben, dass Giuliano Lemoine zunächst angegriffen wurde, bevor er als Reaktion darauf dem 49-Jährigen ins Gesicht schlug. Nach Erkenntnissen des Ermittlerteams um den Polizeichef der Stadt Kuta, Wayan Sumara, waren Streitigkeiten in der Diskothek "Paddy's Pub" der Auslöser für die spätere Auseinandersetzung mit tödlichem Ausgang. Die Sicherheitsleute seien eingeschritten und hätten die Männer, darunter auch ein Freund des späteren Opfers, zunächst getrennt. Beide Seiten hätten sich die Hände geschüttelt, daher seien die Sicherheitsleute davon ausgegangen, dass der Streit beigelegt ist. Der Gütersloher sei danach in die Diskothek zurückgekehrt, sagte Sumara. Anschließend hätten die beiden Männer aber vor der Disco auf Lemoine gewartet und, als dieser aus dem Gebäude kam, die Auseinandersetzung erneut begonnen. Der 49-Jährige versuchte, dem Gütersloher ins Gesicht zu schlagen, traf ihn aber nicht. Der 21-Jährige reagierte mit einem Schlag gegen den Kopf des Opfers. Der 49-Jährige fiel daraufhin zu Boden, wo er mit dem Kopf aufschlug und ohnmächtig und im Gesicht blutend liegen blieb. Der Gütersloher floh dann mit einem Taxi in Richtung Hotel. Der zuvor in die Auseinandersetzung involvierte Freund des Opfers, der im Prozess als einer der Hauptbelastungszeugen der Staatsanwaltschaft aufgetreten ist, brachte den Mann ins Krankenhaus. Der 49-Jährige starb vier Tage nach dem Vorfall an Gehirnblutungen. Staatsanwalt befürchtet offenbar vorzeitige Freilassung Nach Angaben des Onlineportals balidiscovery.com will der Staatsanwalt das aus seiner Sicht zu milde Urteil anfechten - offenbar auch, um zu verhindern, dass Giuliano Lemoine vorzeitig aus dem Gefängnis freikommt. Durch das Ablaufen der nach seiner Verhaftung vorläufig erlassenen Freiheitsstrafe und die Anrechnung seiner bereits abgesessenen Zeit im Gefängnis von knapp sechs Monaten könnte der Gütersloher schon in Kürze auf seine Entlassung aus der Haftanstalt Kerobokan hoffen. Laut eines Prozessbeobachters würde sich mit einem Einspruch seitens der Staatsanwaltschaft nach indonesischem Recht die Haftstrafe allerdings automatisch verlängern. Ob auch Lemoines Verteidigung ihrerseits eine Berufung anstrebt und wie es dem 21-Jährigen nach der Verurteilung geht, ist derzeit ungewiss. Seine Familie wollte sich gestern auf Anfrage von nw.de nicht äußern. Zu Beginn des Prozesses hatte der Onkel des Angeklagten erklärt, dass es seinem Neffen den Umständen entsprechend gut gehe. Die Familie habe Kontakt und Zugang zu ihm. Die Eltern waren seit der Verhaftung am 23. März mehrfach nach Bali gereist, um ihrem Sohn Beistand zu leisten.

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