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Mordversuch an der Egerländer Straße - © Andreas Eickhoff
Mordversuch an der Egerländer Straße | © Andreas Eickhoff

Gütersloh Mysteriöser Mordversuch: Drogengeschäft soll Hintergrund für blutige Attacke sein

Von Anfang an zweifeln die Ermittler der sechsköpfigen Mordkommission „Egerland“ am Wahrheitsgehalt der Aussage des Mannes

Patrick Menzel
31.08.2017 | Stand 01.09.2017, 12:54 Uhr |

Gütersloh. Der Fall hatte den Ermittlern große Rätsel aufgegeben: Blutüberströmt und mit schweren Stichverletzungen schleppt sich in der Nacht zum 8. April ein 33-Jähriger in seine Wohnung an der Egerländer Straße. Dort trifft er auf einen Bekannten, der umgehend den Notruf verständigt. Als die Rettungskräfte und Polizeibeamte eintreffen, erklärt das Opfer, er habe lediglich Zigaretten aus einem Automaten holen wollen und sei dabei von einem maskierten Fremden attackiert worden. Von Anfang an zweifeln die Ermittler der sechsköpfigen Mordkommission „Egerland" am Wahrheitsgehalt der Aussage des Mannes. Zwischenzeitlich ziehen die Beamten um den Bielefelder Kriminalhauptkommissar Jürgen Kollien eine Beziehungstat ebenso in Betracht wie die Theorie, dass sich das Opfer die anfänglich lebensbedrohlichen Verletzungen – drei Stiche in den Oberkörper, wobei einer nur knapp das Herz verfehlte – selbst zugefügt haben könnte. Auch der Besucher des 33-Jährigen gerät zeitweise in den Fokus der Ermittler. Kein halbes Jahr später muss sich ab nächster Woche nun ein 18-Jähriger für das Verbrechen vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Die Anklage gegen den Gütersloher, der knapp zwei Wochen nach der Tat verhaftet worden war, lautet auf versuchten Mord. Der Prozess soll Licht in den mysteriösen Fall bringen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat der Beschuldigte sein späteres Opfer unter dem Vorwand, mit ihm ein Drogengeschäft tätigen zu wollen, aus seiner Wohnung gelockt. Als der 33-Jährige mitten in der Nacht das Mehrfamilienhaus verließ, soll der Verdächtige ihm aufgelauert und dreimal von hinten mit einem spitzen Gegenstand – laut den Ermittlern hat es sich dabei wahrscheinlich um ein Messer gehandelt – zugestochen haben. Bei der Tat habe der Beschuldigte den Tod seines Opfers billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklageschrift. Insgesamt drei Verhandlungstage hat die dritte Strafkammer angesetzt, sie finden statt am 6. und 8. September (ab 9 Uhr) sowie am 11. September (12.30 Uhr) in Saal 30 des Landgerichts.

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