Verwaist: Seit Ende vorigen Jahres stehen auch die ehemaligen Offizierswohnungen leer. Sie sollten eigentlich als städtische Flüchtlingsunterkunft dienen. - © Rainer Holzkamp
Verwaist: Seit Ende vorigen Jahres stehen auch die ehemaligen Offizierswohnungen leer. Sie sollten eigentlich als städtische Flüchtlingsunterkunft dienen. | © Rainer Holzkamp

Gütersloh Flughafen-Kaserne wird doch nicht als Flüchtlingsunterkunft genutzt

Der Mietvertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wird rückwirkend aufgehoben

Gütersloh. Die ehemalige Kaserne auf dem Flughafen verschwindet endgültig von der Liste der städtischen Flüchtlingsunterkünfte. Wie der Leiter des Fachbereichs Immobilienmanagement, Rainer Venhaus, auf Anfrage bestätigte, wird der Mietvertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Kürze aufgehoben, und zwar rückwirkend zum Beginn der Laufzeit. Es seien lediglich noch einige Formalitäten bezüglich der Erstattung vorgestreckter Kosten zu regeln. Damit hat sich die Stadt eines heiklen Problems entledigt. Denn zwar übernimmt die BImA für ihre Liegenschaften stets die Erst-Herrichtungskosten und stellt den Kommunen die Unterkünfte mietfrei zur Verfügung. Doch gilt das nur für tatsächlich genutzte Einrichtungen. Und das war beim Flughafen nie der Fall. Ohne Entgegenkommen der BImA wäre die Stadt also verpflichtet gewesen, Miete für leere Zimmer zu zahlen. Beträge wurden zwar nicht genannt. Doch das wäre mit Sicherheit kein Pappenstiel gewesen. Denn der Mietvertrag umfasste insgesamt bis zu neun Objekte mit 600 Plätzen inklusive Notreserve. Bei den Gebäuden handelt es sich um ehemalige Offiziersunterkünfte der Princess-Royal-Barracks auf dem Gelände neben dem Offizierskasino, das nach Aussage des städtischen Konversionsbeauftragten Michael Schmidt künftig voraussichtlich für Gastronomie, Veranstaltungen, Tagungen/ Fortbildungen genutzt werden soll. Ursprünglich hatte das Land NRW noch größere Pläne. So sollte voriges Jahr auf dem Flughafen eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) aufgebaut werden. In 16 Gebäuden, ehemaligen Mannschaftsunterkünften und dem NAAFI-Shop waren insgesamt 1.000 Plätze vorgesehen. Doch nach eingehender Prüfung nahm die Bezirksregierung Abstand von dem Vorhaben. Es werde nicht weiterverfolgt, da eine solche Unterkunft nicht wirtschaftlich zu betreiben wäre. Zudem würde eine solche Nutzung die gewerbliche Entwicklung der angrenzenden Kommunen nachhaltig blockieren, so die offizielle Begründung. Wie berichtet, soll auf dem Flughafen eine interkommunales Gewerbegebiet der Anrainer Gütersloh, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz entstehen. Dafür sind rund 100 Hektar Fläche auf dem bereits bebauten Streifen entlang der Marienfelder Straße vorgesehen. Als erstes soll nach bisherigen Planungen das Areal um das ehemalige Offizierskasino eine neue Nutzung erhalten. Ansonsten lautet die Devise: Grün bleibt Grün auf dem Flughafen. Wie die Verwaltung auf Anfrage mitteilte, verfügt die Stadt derzeit über 37 Objekte für die Unterbringung von Flüchtlingen. Es handelt sich sowohl um Gemeinschaftsunterkünfte als auch um Apartments und abgeschlossene Wohnungen. Insgesamt umfassen die Einrichtungen 1.200 Plätze. Davon seien 1.054 belegt. Bis zum 31. Juli hat die Stadt in diesem Jahr 177 Personen aufgenommen, davon 95 durch Zuweisung, von denen wiederum 37 privat untergekommen sind. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr wurden der Stadt von der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg 422 Flüchtlinge zugewiesen. Dass am Ende 76 Personen mehr, nämlich 498 Personen in städtischen Unterkünften aufgenommen wurden, lag im wesentlichen an Geburten und Familienzusammenführungen, hieß es bei der Stadt.

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