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Protest: Uschi Kappeler, Mitbegründerin des „Bündnisses gegen die Tönnies-Erweiterung" notiert vor dem Reethus in Rheda-Wiedenbrück weitere Gegenargumente. - © Patrick Menzel
Protest: Uschi Kappeler, Mitbegründerin des „Bündnisses gegen die Tönnies-Erweiterung" notiert vor dem Reethus in Rheda-Wiedenbrück weitere Gegenargumente. | © Patrick Menzel

Kreis Gütersloh Gegner und Befürwörter streiten um Tönnies-Erweiterung

Fachleute, Gegner und Befürworter kamen zusammen, um die eingegangenen Einwendungen gegen die geplante Kapazitätserweiterung abzuarbeiten. Im Vorfeld gab es eine Demonstration

Natalie Gottwald
12.07.2017 | Stand 12.07.2017, 20:12 Uhr

Kreis Gütersloh. Eigentlich hätte man den Erörterungstermin im Genehmigungsverfahren zur Kapazitätserhöhung bei der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gar nicht vom Rathaus ins Reethus verlegen müssen. Da das vor knapp zwei Monaten gegründete überparteiliche „Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung" aber im Vorfeld zu einer Demo und einer Kundgebung aufgerufen hatte, war mit großem öffentlichen Interesse gerechnet worden. Am Mittwochmorgen bei schmuddeligem Regenwetter kamen rund 25 Personen mit Transparenten, Trommeln und Gesängen am Reethus an und starteten dort mit ihrer Kundgebung gegen die geplante Kapazitätserweiterung. Im Vorfeld hatte sich bereits im gesamten Kreisgebiet Widerstand gegen die tägliche Kapazität der Schlachtungen von 26.000 auf über 30.000 Tiere und gegen die Folgen der Erweiterung formiert. Mehr als 7.700 Unterschriften gegen das Vorhaben waren dem Kreis übergeben worden und mehr als 50 Einwendungen lagen bis Ende Juni vor. Kurzfristig hatte der Kreis Gütersloh die Frist, bis zu der Einwendungen geltend gemacht werden können, noch um zwei Monate, bis zum 4. September, verlängert. Der Erörterungstermin, für den aus den Einwendungen 15 Themenkomplexe gebildet worden waren, leitete Bernhard Bußwinkel, Leiter der Abteilung Bauen, Wohnen, Immissionen beim Kreis Gütersloh. Insbesondere die Themen „Wasser/Abwasser", „Lärm", „Gerüche", „Gesundheitsgefahren" und „Verkehr" wurden von den anwesenden Experten ausführlich behandelt. Vertreter der Fachabteilungen des Kreises, der Bezirksregierung und der Stadt Rheda-Wiedenbrück sowie Vertreter der antragstellenden Firma Tönnies, darunter Geschäftsführer Josef Tillmann, waren auf dem Podium. Vertreter des „Bündnisses gegen die Tönnies-Erweiterung" machten vor allem ihre Befürchtungen zum Thema Trinkwasserverbrauch, Abwasser und Geruchs- und Lärmbelästigung für die Anwohner deutlich. „Außerdem exportiert Tönnies rund 50 Prozent des produzierten Fleisches", so Bündnis-Sprecherin Camila Cirlini. So viel Schweinefleisch werde vor Ort in Deutschland gar nicht mehr nachgefragt. „Und warum sollten die Anwohner die Beeinträchtigungen ertragen für eine Produktion für das Ausland – und das in Zeiten, in denen wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern?" Grundsätzlich hätten Einwendungen, die von Rheda-Wiedenbrückern gekommen seien, die in der Nachbarschaft von Tönnies lebten, besondere Beachtung gefunden, erklärte Gesa Gruetzmann, beim Kreis Sachgebietsleiterin für Immissionsschutz. Zum Beispiel beim Thema „Gerüche" seien noch einmal einige Punkte wie die Abluftreinigungsanlagen auf den Plan getreten, die noch einmal geprüft werden sollten, riet Dr. Ralf Both von der Bezirksregierung. Für die Firma Tönnies sei das Genehmigungsverfahren mit allen dazugehörigen Schritten sehr wichtig, betonte Unternehmenssprecher André Vielstädte. Das Verfahren und die vorgebrachten Stellungnahmen würden ernst genommen und es werde Wert auf Transparenz gelegt. Für das Unternehmen stelle die Kapazitätserweiterung jedoch einen wichtigen Schritt dafür dar, unternehmerische Planungssicherheit am Heimatstandort zu erlangen. Der Erörterungstermin, der um 10.30 Uhr begonnen hatte, endete am späteren Nachmittag.

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