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Miele plant für Teile seiner Produktion eine Ausweitung der Betriebszeiten auf den Samstag. - © dpa
Miele plant für Teile seiner Produktion eine Ausweitung der Betriebszeiten auf den Samstag. | © dpa

Gütersloh Miele plant mehr Samstagsarbeit

Idee: Befristete Regelung soll helfen, auf die hohe Nachfrage nach Waschmaschinen zu reagieren

Ludger Osterkamp
03.07.2017 | Stand 03.07.2017, 11:25 Uhr

Gütersloh. Das Unternehmen Miele plant für Teile seiner Produktion eine Ausweitung der Betriebszeiten auf den Samstag. Man wolle sich damit für weiter steigende Stückzahlen rüsten, sagte Unternehmenssprecher Carsten Prudent. In diesem Zusammenhang sei auch die Einstellung zusätzlichen Personals und der Ausbau von Produktionsanlagen vorgesehen.

Konkretere Angaben gab es von offizieller Seite nicht. Die Einführung der Samstagsarbeit dürfte sich aber vor allem auf den Bereich der Vormontage beziehen. In jenen Abteilungen werden die Aggregate wie Waschtrommeln, Laugenbehälter, Gussgewichte und Bleche montiert. Da dieser Bereich aktuell an seiner Kapazitätsgrenze arbeitet, in der Waschmaschinenfertigung mithin das Nadelöhr bildet, hat Miele beschlossen, ihn mit mehreren Millionen Euro auszubauen.

Samstagsarbeit soll 
18-monatige Übergangslösung sein

Freilich dürfte der Ausbau erst Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. Da die Nachfrage nach Miele-Waschmaschinen aber brummt, die Stückzahlen nach oben gehen, braucht das Unternehmen für etwa 18 Monate eine Übergangslösung – und mit einer Ausweitung der Betriebszeiten wäre diese Lösung gefunden.

Da Samstagsarbeit, von gelegentlichen Sonderschichten abgesehen, derzeit nicht der Regelfall bei Miele ist, wirbt die Unternehmensführung um die Zustimmung der Mitarbeiter. Eine Entscheidung soll möglichst bald erwirkt werden – schon deshalb, um nach den Werksferien Anfang August mit dem neuen Zeitmodell möglichst loslegen zu können.

Wie es heißt, gilt die Zustimmung des Betriebsrates als sicher. Es sei im Interesse aller Beschäftigten und des Gesamtunternehmens, den Ausbau der Produktion am Gütersloher Stammsitz zu ermöglichen, zumal angesichts der Anfang des Jahres verkündeten Absicht, ein zweites Waschmaschinenwerk in Polen zu errichten. Schon damals hatte die Geschäftsleitung versichert, Gütersloh solle seine Position als „Leitwerk" auf jeden Fall behalten.

Forderung nach Festeinstellung für Leiharbeiter

Die Zustimmung der betroffenen Mitarbeiter zur Samstagsarbeit dürfte jedoch nicht umsonst zu haben sein. So ist die Rede von Forderungen, Leiharbeiter in die Miele-Belegschaft zu übernehmen (möglichst sogar unbefristet), einen zusätzlichen Freizeitausgleich zu bekommen (über die tariflichen 35 Stunden hinaus) und die Investitionsversprechen auch schriftlich zu manifestieren. Weitere Großinvestitionen hatte Miele in der Betriebsversammlung Anfang des Jahres in die Flanschfertigung und in die Gebäudesubstanz angekündigt.

Unterdessen gibt es zu den Plänen für das Werk in Polen laut Unternehmenssprecher Prudent keinen neuen Sachstand. Man reche damit, im Herbst den Kauf eines Grundstückes abgeschlossen zu haben. Der Baubeginn sei für den Jahreswechsel avisiert. „Damit bleibt alles weiter im Zeitplan, mit dem Ziel, 2020 die Produktion aufzunehmen." Wie berichtet, will Miele dort mit einer Kapazität von 250.000 Geräten und etwa 350 Beschäftigten starten. Die Strategie: Während in Polen die preiswerten Einsteigermodelle vom Band laufen, werden in Gütersloh die hochwertigeren Geräte mit besonderer Ausstattung produziert. Mit einem solchen Vorgehen hat Miele bei den Geschirrspülern – hier Bielefeld, dort Unicov in Tschechien – gute Erfahrungen gemacht.