Das Gefängnis Kerobokan auf der Insel Bali: Die Haftbedingungen sind nach Angaben der Familie zumindest für den 21-jährigen Gütersloher nicht so schlimm wie in vielen Medienberichten dargestellt. - © picture alliance / dpa
Das Gefängnis Kerobokan auf der Insel Bali: Die Haftbedingungen sind nach Angaben der Familie zumindest für den 21-jährigen Gütersloher nicht so schlimm wie in vielen Medienberichten dargestellt. | © picture alliance / dpa

Gütersloh Prozess gegen auf Bali inhaftierten Gütersloher hat begonnen

In den ersten beiden Prozesstagen entlasten Zeugen den 21-Jährigen, der sich weiterhin in Haft befindet. Für die Familie ein gutes Zeichen. Doch schon der nächste Gerichtstermin könnte weniger erfolgreich verlaufen

Gütersloh. Auf der indonesischen Insel Bali hat der Prozess gegen den 21-jährigen Giuliano Lemoine aus Gütersloh begonnen. Ihm wird vorgeworfen, einen 49-Jährigen während einer körperlichen Auseinandersetzung vor einer Disco so schwer verletzt zu haben, dass dieser an den Folgen seiner Kopfverletzungen wenige Tage später im Krankenhaus verstarb. Nach Aussagen der Familie verlaufe der Prozess aber bisher gut für den 21-Jährigen. Zeugen, darunter das Sicherheits- und anderes Personal der Disco, hätten bestätigt, dass der Gütersloher sich nur gewehrt habe und von ihm kein Schlag ausging, er einem Streit mit dem sichtlich betrunkenen Chinesen vielmehr aus dem Weg gehen wollte. Der nächste Prozesstag ist für Donnerstag, 6. Juli, angesetzt. Dann soll der Hauptbelastungszeuge aussagen. Es handelt sich dabei um einen Bekannten des Opfers, der bei den Auseinandersetzungen in und vor der Disco ebenfalls anwesend war und den verletzten Chinesen später auch ins Krankenhaus gebracht haben soll. Im Gericht wird er die Interessen seines verstorbenen Freundes vertreten und gegen Giuliano Lemoine aussagen, erwartet dessen Familie. Die Angehörigen wünschen sich einen fairen Prozess und nach wie vor Unterstützung seitens der deutschen Behörden. Die habe es aber bisher nicht gegeben. Erneute schriftliche Anfragen der Familie an das Auswärtige Amt seien zuletzt ganz ignoriert worden, sagte der Onkel des Angeklagten. „Der Junge wird gut behandelt, es geht ihm gut" Erst vor Kurzem hatte eine Mitarbeiterin des Ministeriums der Familie in einem persönlichen Gespräch in Berlin zugesichert, den Fall vorantreiben zu wollen. Das Auswärtige Amt teilte auf die NW-Anfrage, inwiefern im Ausland inhaftierten Deutschen behördliche Unterstützung geboten werden könne, lediglich mit, dass die Botschaft in Jakarta mit dem dem Fall befasst sei und der Betroffene konsularisch betreut werde. Weiter äußerte sich das Ministerium nicht. Nicht nur darüber sind die Angehörigen enttäuscht. Sie sind zudem unzufrieden mit einigen Medienberichten, die Giuliano Lemoine weiterhin als Schläger darstellen oder Gerüchte über die Hintergründe der Tat veröffentlichen. Gegenüber der NW distanzierte sich die Familie jetzt von einem Zeitungsbericht, demzufolge es verschiedenen Seiten in dem Prozess darum gehe, finanzielles Kapital aus dem Fall zu schlagen. „Das basiert auf Gerüchten. Der Junge wird gut behandelt, wir als Familie möchten nichts negatives über die Bedingungen der Haft und des Prozesses aussagen. Es läuft alles zu unserer Zufriedenheit", sagte der Onkel des Angeklagten gegenüber dieser Zeitung. Lemoine befindet sich seit März in Haft, zunächst in einer Polizeistation. Inzwischen ist er aber in der Haftanstalt Kerobokan inhaftiert. Dort geht es ihm nach Angaben der Familie den Umständen entsprechend gut. Die Familie habe Kontakt und Zugang zu ihm.

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