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Gut zu tun: Auch Andreas Kerkhoff, Inhaber des Hotels Appelbaum, bemerkt den wirtschaftlichen Aufschwung. - © Michael Schuh
Gut zu tun: Auch Andreas Kerkhoff, Inhaber des Hotels Appelbaum, bemerkt den wirtschaftlichen Aufschwung. | © Michael Schuh

Gütersloh Wirtschaftsboom sorgt für volle Hotels in Gütersloh

Die Zahl der Gäste, auch aus dem Ausland, hat gegenüber 2016 deutlich zugenommen.
Manche kommen aber ein Jahr zu spät, weiß der DEHOGA-Kreisvorsitzende Andreas Kerkhoff

Michael Schuh
25.05.2017 | Stand 24.05.2017, 20:00 Uhr

Gütersloh. „Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Menschen gut" lautet eine ökonomische Weisheit. Leicht abgewandelt trifft die Redensart exakt auf Gütersloh zu: „Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Hotels gut". In den ersten drei Monaten des Jahres 2017 stieg die Zahl der Übernachtungen gegenüber 2016 um 24,1 Prozent an, bei den ausländischen Gästen gar um 40 Prozent. Und das liegt weniger an Touristenströmen, als vielmehr an florierenden Unternehmen, weiß Andreas Kerkhoff, Inhaber des Hotels Appelbaum und Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA): „Denn in Gütersloh lebt unsere Branche vor allem von Business-Gästen." 17.454 auswärtige Besucher übernachteten von Januar bis März 2017 insgesamt 39.477-mal in den hiesigen Hotels, 3.876 der Gäste stammten aus dem Ausland. „Darunter sind vor allem Menschen aus Europa, andere kommen aber auch von anderen Kontinenten", erläutert Kerkhoff. Und gerade bei Kunden aus weit entfernten Staaten komme es schon mal zu außergewöhnlichen Situationen, erinnert sich Kerkhoff schmunzelnd: „Neulich rief die iranische Botschaft aus Teheran an, um für einen kommenden Gast ein Visum auszustellen. Allerdings erreichte uns der Anruf um halb vier Uhr nachts." Da hatte der Herr am anderen Ende der Leitung offenbar die Zeitverschiebung vergessen. Aber egal, ob aus fernen Ländern oder aus Deutschland: Beim Großteil der Hotelgäste handelt es sich um Geschäftsleute, die beruflich an der Dalke weilen – und keineswegs nur mit Global Playern wie Bertelsmann oder Miele zu tun haben. „Gütersloh besitzt einen sehr guten Mittelstand", fährt der DEHOGA-Vorsitzende fort, „wir haben viele kleinere Firmen mit hohen Buchungsanfragen." Das war mal anders, berichtet der Hotelier: „Im Jahr 2009 ging’s rapide bergab." Die Weltwirtschaftskrise machte auch vor Ostwestfalen nicht Halt. Und da Kerkhoff nur zu gut weiß, dass ein Aufschwung nicht zwangsläufig von Dauer sein muss, gelte es, die positive Phase zu nutzen: „In solchen Jahren sollte man ins Hotel und damit in die Zukunft investieren." Die gute Autobahnanbindung sorgt ebenfalls dafür, dass viele Menschen in die Dalkestadt kommen, die sich für Tagungen geradezu anbietet. Allerdings finden solche Seminare vornehmlich dienstags bis donnerstags statt, während Freitag bis Montag meist tagungsfreie Zeit bleibt. Kerkhoff kennt den Grund: „Wenn Geschäftsleute bereits am Sonntagabend anreisen, müssen deren Firmen ihnen diesen Tag schon als Arbeitszeit berechnen." Trotz des Wirtschaftsbooms ist bei den Unternehmen offenbar Sparen angesagt. So kommt es, dass – im Gegensatz zu touristisch attraktiveren Zielen – die Auslastung der Gütersloher Herbergen an Wochenenden überschaubar bleibt. Das gleiche gilt für die Schulferien, in denen Geschäftsreisen erfahrungsgemäß zurückgehen. Auch das habe dazu geführt, dass die Gästezahl im ersten Quartal 2016 deutlich niedriger war als zuletzt: „2016 fielen die Osterferien bereits in den März. Das merkt man." Wenngleich der Tourismus für das Hotelgewerbe in Gütersloh nicht die größte Rolle spielt, gibt es durchaus Besucher, die Urlaubstage an der Dalke verbringen. Erst unlängst logierte eine ganze Gruppe dänischer Orchideen-Freunde im Appelbaum, um von dort aus per Reisebus unter anderem eine Schwerter Orchideenzucht anzusteuern. „Sie kamen vollgepackt mit Blumen wieder." Meist jedoch handele es sich um ältere Gäste, die Tagestouren in die Umgebung unternehmen: „Zum Hermannsdenkmal, in den Teutoburger Wald oder nach Münster." Außerdem, ist sich Kerkhoff sicher, habe Gütersloh durch die direkte Anbindung an den Europaradweg R1 gewonnen: „Den fahren viele Holländer, von denen einige hier übernachten." Und die Resonanz auf Gütersloh sei stets positiv: „Fremde loben die Geschäfte, die Sauberkeit und das Grün. Für viele ist der Botanische Garten ein Traum." Noch einmal zurück zu den Geschäftsleuten: Manche von ihnen wissen kaum etwas über Gütersloh, da vielfach eine Sekretärin für die Hotelbuchung verantwortlich zeichnet. Und dabei kann durchaus schon mal was schief gehen, erzählt Kerkhoff lachend: „Im April kam jemand zu uns, um an einer Tagung teilzunehmen. Die hatte allerdings auf den Tag genau ein Jahr zuvor stattgefunden."

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