Treffpunkt: Das gestrige Sommerwetter nutzten zahlreiche Gütersloher, um es sich auf der Wiese im Park hinter der Weberei gemütlich zu machen. Mehrere von ihnen griffen dabei zur Bierflasche, was in naher Zukunft verboten sein soll. - © Michael Schuh
Treffpunkt: Das gestrige Sommerwetter nutzten zahlreiche Gütersloher, um es sich auf der Wiese im Park hinter der Weberei gemütlich zu machen. Mehrere von ihnen griffen dabei zur Bierflasche, was in naher Zukunft verboten sein soll. | © Michael Schuh

Gütersloh Stadt plant Alkoholverbot im Park der Weberei

Spätestens übernächste Woche sollen Schilder darauf hinweisen, dass 
der Verzehr von Bier und Schnaps untersagt ist

Gütersloh. Sonnenschein, hochsommerliche Temperaturen und ein laues Lüftchen: Im kleinen Park hinter der Weberei saßen die Menschen gestern in Gruppen auf der Wiese oder auf Bänken und quatschten; mehrere hielten dabei die obligatorische Flasche Bier in Händen. Sie werden der sogenannten Trinkerszene zugerechnet, die sich regelmäßig – auch bei schlechterem Wetter – in der Anlage trifft und dort Alkohol konsumiert. Damit ist es in Kürze aber vorbei: Spätestens übernächste Woche soll in dem Park ein völliges Alkoholverbot herrschen. „Es gab vermehrt Beschwerden", erläutert Thomas Habig, Leiter des städtischen Fachbereichs Ordnung, die Entscheidung: „Über Verunreinigungen, zu hohe Lautstärke oder über Urinieren." Außerdem hätten Nutzer des ebenfalls zur Anlage gehörenden Spielplatzes zerbrochene Flaschen beklagt – gerade dort, wo sich kleine Kinder aufhalten. „Und da ist dann eine Grenze überschritten", sagt Habig und erklärt, wie die Verwaltung dieses Problem in den Griff bekommen will: „Vielleicht schon nächste, spätestens aber übernächste Woche werden an allen Park-Eingängen zwischen Bibliothek und Dalkebrücke Schilder aufgestellt." Deren Aufschrift: „Der Verzehr von Alkohol ist verboten". Während die Stadt Duisburg erst vorgestern ein völliges Alkoholverbot in der City ausgesprochen und bei Verstößen Bußgelder angekündigt hatte, verhält sich die Angelegenheit in Gütersloh etwas anders. Im Gegensatz zu der Großstadt am Rande des Ruhrgebiets gibt es in hier nämlich keinen Ratsbeschluss über das geplante Verbot. Vielmehr würde das Trinken laut Habig aufgrund einer ordnungsbehördlichen Gefahreneinschätzung untersagt – eine Allgemeinverfügung, ähnlich einem Verkehrsschild. Sollten Parkbesucher trotz des Verbots mit Bier oder Schnaps angetroffen werden, müssen sie deshalb auch nicht mit finanziellen Strafen rechnen. Stattdessen würden Platzverweise ausgesprochen, erklärt Habig: „Die gelten zunächst einmal für 24 Stunden. Im Wiederholungsfalle können sie aber schriftlich zugestellt und beispielsweise auf sechs Wochen ausgedehnt werden." Mit den für sie wenig erfreulichen Neuigkeiten konfrontiert, zeigten sich betroffene Parkbesucher gestern schockiert. „Wo sollen wir denn noch hin", fragt der 41-jährige „Matze", der in der Anlage regelmäßig sein Bier trinkt: „Ich werde bestimmt nicht zu Hause rumsitzen." Und die gleichaltrige Nadja stimmt ihm zu: „Es gibt eben auch Leute, die sich einen Biergarten nicht leisten können. Die Stadt soll doch mal Vorschläge machen, wo wir dann hin können." Außerdem – da ist sich die Gruppe einig – sei eine ganz andere Klientel für zerbrochene Flaschen auf dem Spielplatz verantwortlich. Dieter (51) verweist auf Mitglieder der jüngeren Generation, die sich vor allem am Wochenende vor Veranstaltungen in der Weberei auf dem eigentlich für Kinder vorgesehenen Platz aufhalten würden: „Die haben auch nicht so viel Geld und glühen deshalb auf dem Spielplatz vor." Matze hält sogar eine Begründung parat, warum er und seine Clique mit kaputten Flaschen nichts zu tun hätten: „Wir sind doch froh, wenn wir das Pfand sammeln können, um das nächste Bier zu finanzieren." Dass sich die Szene, die früher vor allem an der Martin-Luther-Kirche anzutreffen war, wegen des Alkoholverbots in dem kleinen Park voraussichtlich nicht auflösen wird, weiß auch Thomas Habig: „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass es zu einer Verdrängung kommt. Wohin die Menschen dann gehen, bleibt abzuwarten."

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