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Am Fließband: Mitarbeiter des Fleischunternehmens Tönnies arbeiten im Hauptwerk Rheda-Wiedenbrück, wo die Kapazität zuletzt 2010 erhöht wurde. - © Bernd Thissen, DPA
Am Fließband: Mitarbeiter des Fleischunternehmens Tönnies arbeiten im Hauptwerk Rheda-Wiedenbrück, wo die Kapazität zuletzt 2010 erhöht wurde. | © Bernd Thissen, DPA

Rheda-Wiedenbrück Tönnies will künftig mehr Schweine schlachten

Die tägliche Kapazität soll von 26.000 auf 30.400 Tiere erhöht werden. 
Das dürfte Auswirkungen auf den Lkw-Verkehr und die Gerüche haben

Ludger Osterkamp
11.05.2017 | Stand 11.05.2017, 11:46 Uhr |

Rheda-Wiedenbrück. Die Firma Tönnies will in ihrem Hauptwerk in Rheda deutlich mehr Schweine schlachten. Sie hat eine Erhöhung der Kapazität von 3.000 auf 3.500 Tonnen pro Tag beantragt. Das entspricht einem Anstieg von knapp 17 Prozent. Statt 26.000 würden in Rheda dann täglich 30.400 Schweine geschlachtet. Tönnies-Geschäftsführer Josef Tillmann begründete den Antrag mit der hohen Nachfrage: „Wir sehen dafür einen Markt." Die Erhöhung der Schlachtmenge sei nicht mit einem Werksausbau verbunden, sondern werde allein durch neue Maschinentechniken und eine verbesserte Arbeitsorganisation ermöglicht. Auch an der Zahl der Arbeitsplätze werde sich nichts ändern; aktuell arbeiteten in Rheda, abhängig von saisonalen Schwankungen, circa 6.000 Beschäftigte. Tillmann sagte, die Kapazitätserhöhung werde sich vermutlich über Jahre hinziehen. Das hänge mit der Zug um Zug erfolgenden technischen Umrüstung zusammen. So sei unter anderem geplant, eine neue Generation von Sägen im Produktionsablauf einzusetzen, Geräte also, mit denen sich das Schwein schneller zerlegen lasse. Letzte Erhöhung der Kapazität 2010 Weitere maschinelle Verbesserungen seien von Tönnies zum Teil selbst entwickelt worden. All das führe zu einer höheren Arbeitsgeschwindigkeit, die es erlaube, mehr Tiere zu verarbeiten. Aufgrund der Vielfalt und der zeitlichen Streckung sei die Höhe der Investition schwer zu beziffern. Zuletzt hatte Tönnies die Schlachtkapazität in seinem Rhedaer Werk 2010 erhöht. Da sich Tönnies mit der Ausweitung im Rahmen des geltenden Bebauungsplanes bewegt, ergeben sich für die Stadt planungsrechtlich keine Auswirkungen. Bürgermeister Theo Mettenborg erklärte gestern, die Stadt begrüße die weitere Stärkung und Festigung des Standortes Rheda-Wiedenbrück. „Wir begleiten selbstverständlich den Konzern konstruktiv bei seinen Planungen." Auswirkungen sind freilich hinsichtlich des Lkw-Verkehrs und der Gerüche zu erwarten. Tönnies benötigt daher eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz. Genehmigungsbehörde ist der Kreis Gütersloh, bei dem die Antragsunterlagen ab kommendem Montag einen Monat lang öffentlich zur Einsicht ausliegen. Einwendungen können schriftlich bis zum 28. Juni vorgebracht werden, ein öffentlicher Erörterungstermin ist für den 12. Juli im Rathaus Rheda-Wiedenbrück vorgesehen. Mehr Lkw-Fahrten Leiten wird diesen Erörterungstermin Bernhard Bußwinkel, Leiter der Abteilung Bauen, Wohnen, Immissionen beim Kreis Gütersloh. Bußwinkel sagte, die Erhöhung der Schlachtmenge betreffe allein die Tagzeit von 6 bis 22 Uhr. Gemäß der Antragsunterlagen werde sich die Zahl der Lkw-Fahrten bei der Anlieferung der Schweine und Sauen in diesen 16 Stunden von 131 auf 159 erhöhen. Bei der Auslieferung der Fertigware steige die Zahl der Lkw-Fahrten demnach von 300 auf 319. Nachts bleibe die ohnehin schon sehr kleine Zahl an Lkw-Verkehr fast konstant: Sie steige von fünf auch sechs. Für die Bemessung der zu erwartenden Lärmwerte liegt laut Bußwinkel ein Gutachten der Dekra vor, das einen abgestuften, flächenbezogenen Schallleistungspegel über das Gebiet gelegt hat. Demnach würden sich in den einzelnen Bereichen die Dezibelwerte (Emissionskontingente) nicht derart verändern, dass die beantragte Schlachtmengenerhöhung nicht genehmigungsfähig wäre. Kritischer sei das Thema Gerüche zu sehen. Hier liegt laut Bußwinkel ein Gutachten der TÜV Nord samt Ergänzungen vor, das Tönnies unter anderem nahelege, bei den Fritteusen technische Verbesserungen in die Wege zu leiten. Die Berechnungen seien zum Teil sehr komplex. Auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) sei an dem Verfahren beteiligt. In früheren Jahren – vor 2014 – habe eine aufwendige Geruchsbegehung dazu geführt, dass Tönnies eine Reihe technischer Veränderungen umgesetzt habe: Unter anderem seien Einhausungen erfolgt, die Anlieferung verändert, zusätzliche Türen installiert und Biofilter eingebaut worden.

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