0
Auf der Rückseite des ehemaligen Nachtclubs „Relax" sind die in verschiedenen Farben gestrichenen Wände der einstigen Zimmer zu erkennen – Rottöne waren offenbar klar bevorzugt. - © Patrick Menzel
Auf der Rückseite des ehemaligen Nachtclubs „Relax" sind die in verschiedenen Farben gestrichenen Wände der einstigen Zimmer zu erkennen – Rottöne waren offenbar klar bevorzugt. | © Patrick Menzel

Gütersloh Bordell "Relax" wird für neues Wohnquartier abgerissen

Bauprojekt: Auf dem Gelände des ehemaligen Nachtclubs „Relax“ sollen zwei neue Gebäude mit insgesamt 21 Wohnungen entstehen. Zwar sind die Bauanträge bereits genehmigt, doch steht eine wichtige Freigabe noch aus

Patrick Menzel
18.04.2017 | Stand 18.04.2017, 21:05 Uhr

Gütersloh. Wie aufgeschnitten liegt der ehemalige Nachtclub „Relax" da. Der Blick durch den Bauzaun zeigt blaue, pinke und rote Wände. Das schwülstig-schräge Interieur ist verschwunden: Keine roten Plüschsofas mehr, und auch die Stangen, an denen einst leicht bekleidete Damen um die Gunst der Gäste gebuhlt haben, sind längst abgebaut. Das frühere Vergnügungsetablissement an der Bundesstraße 61 wird abgerissen. Es soll zwei Neubauten und einer Grünfläche weichen, wie Tobias Neumann von T.R. Neumann Bau GmbH auf NW-Anfrage bestätigt. Dabei hatten der Bauherr und zwei weitere Investoren, die in der Öffentlichkeit namentlich nicht genannt werden möchten, eigentlich ganz andere Pläne mit der bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten wie berüchtigten Immobilie. Ursprünglich, so erklärt Neumann, hätten er und seine beiden Geschäftspartner das Anfang der 50er Jahre errichtete Gebäude der damaligen Bäckerei Theismann sanieren wollen. Sanierung wäre finanzielles Risiko Beim Entkernen der Räumlichkeiten hätten sich allerdings immer neue Mängel an der Bausubstanz offenbart. „Eine Sanierung hätte ein enormes finanzielles Risiko bedeutet und wäre wahrscheinlich zu einem Fass ohne Boden geworden", sagt der gelernte Maurer und Stahlbetonbaumeister, der das knapp 4.000 Quadratmeter große Areal zwischen Bäckerkamp und Berliner Straße Anfang 2016 zusammen mit einer Investorengruppe von dem langjährigen „Relax-"Betreiber Peter Hemschemeier erworben hat. Letztlich, so Neumann, sei der Abriss die einzige vernünftige Option. Und der soll bereits in den nächsten Tagen vollendet werden. Sobald die Stadt einen Stromkasten an der Bundesstraße versetzt hat, werden die Bagger auch den letzten Teil des ehemaligen Bordells – der zuletzt als „Venue"-Club genutzte Saal ist bereits abgerissen – dem Erdboden gleichmachen. Da im vorderen Bereich zur Bundesstraße kein Neubau errichtet werden darf, wollen Neumann und seine Geldgeber dort eine Grünfläche anlegen lassen. Auf dem bereits geräumten Gelände im hinteren Bereich werden neben einem Spielplatz zwei mehrgeschossige Neubauten mit neun beziehungsweise zwölf Wohnungen entstehen. Geplant sind laut Neumann Wohnungen mit Größen zwischen 45 und 75 Quadratmetern. Die Bauanträge hierfür seien von der Stadt bereits genehmigt worden. Einzig die Freigabe des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, der das Areal in der vergangenen Woche auf Weltkriegsüberbleibsel untersucht hat, fehle noch, um den ersten Spatenstich setzen zu können, sagt der Bauherr, der zu den konkreten Kosten des Projekts keine detaillierten Angaben machen will. Nur so viel lässt Neumann verlauten: „Wir nehmen viel Geld in die Hand, um das Gelände aufzuwerten und dringend benötigten Wohnraum zu schaffen." Mit der Fertigstellung der beiden neuen Wohnhäuser rechnet der Unternehmer im Herbst 2018. Bis dahin will Neumann auch das Nachbargebäude, in dessen Erdgeschoss sich derzeitig die Shisha-Bar „Route 61" befindet, modernisiert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht haben.

realisiert durch evolver group