Wechselvolle Geschichte: Das Haus Bismarckstraße 5 steht seit 1994 unter Denkmalschutz. Einst wohnte hier der Amtsvorsteher, später beherbergte es das preußische Katasteramt. Später war es ein Kinderheim und eine Zentrale des Deutschen Roten Kreuzes. - © Ludger Osterkamp
Wechselvolle Geschichte: Das Haus Bismarckstraße 5 steht seit 1994 unter Denkmalschutz. Einst wohnte hier der Amtsvorsteher, später beherbergte es das preußische Katasteramt. Später war es ein Kinderheim und eine Zentrale des Deutschen Roten Kreuzes. | © Ludger Osterkamp

Gütersloh Denkmalhaus an der Bismarckstraße darf umgebaut werden

In dem Gebäude können Eigentumswohungen entstehen

Ludger Osterkamp
10.01.2017 | Stand 09.01.2017, 20:28 Uhr

Gütersloh. Ein Immobilienportal preist es als "Bürgermeisterhaus" an. Das denkmalgeschützte Gebäude Bismarckstraße 5, einst als Amtshaus für die Landgemeinde Gütersloh errichtet, später vom DRK und dem Betreuungsverein Zirkel genutzt, kann jetzt umgebaut werden. Hier sollen nun Eigentumswohnungen entstehen. Nach rund einem Jahr liegt jetzt die Baugenehmigung vor. Auch in der Baulücke daneben Richtung Hohenzollernstraße tut sich etwas. Der Gestaltungsbeirat hat sich kurz vor Weihnachten mit den aktualisierten Plänen für die Grundstücke 7 und 9 befasst - und sie im wesentlichen für gut befunden. In den beiden viergeschossigen Baukörpern sind 15 Wohnungen geplant. Für das Grundstück 13, das dann letzte freie auf dem einstigen Areal der Firma Husemann, gibt es ebenfalls modifizierte Pläne: Sie sehen den Bau eines gleichfalls viergeschossigen Hauses mit sechs Wohnungen vor. Projektentwickler Horst Neugebauer sagte gestern auf Anfrage, es gebe bei der Planung der drei Neubauten große Fortschritte. Der Investor, die RWG Beteiligungs GmbH & Co. KG um Michael Madecki, wolle rund fünf Millionen Euro in den Bau der drei neuen Häuser investieren. Madecki ist Miteigentümer des Gütersloher Fensterbauers Stickling. Ein Lückenschluss und damit die Vollendung des neuen Husemann-Areals sei für 2018 realistisch. Im Denkmal Bismarckstraße 5, dessen Kellergewölbe einst auch als Gefängnis diente, dürften Kernsanierung und Umbau dagegen schon bald beginnen. Der Makler Michael Mellig von Falc Immobilien sagte, die Vermarktung der Wohnungen habe bereits begonnen und Interesse geweckt. "Wir hoffen, dass das Haus Ende des Jahres fertig und bewohnt ist." Der Umbau sei eng mit dem Gütersloher Denkmalfachmann Ulrich Paschke und der Denkmalbehörde in Münster abgestimmt. Die Genehmigung liege seit drei Wochen vor. Mellig sagte, das 1899 gebaute Backsteingebäude werde in fünf bis sieben exklusive Eigentumswohnungen umgebaut. Die Schwankung erkläre sich dadurch, dass es denkbar sei, eine 140 Quadratmeter Wohnfläche bietenden Etagen auch als Ganzes zu verkaufen. Ansonsten seien Zuschnitte ab 50 Quadratmeter möglich. Eigentümerin des Denkmals ist eine Immobilien GmbH aus Werther, die das Gebäude bei einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht für 374.500 Euro erstanden hatte. Auch die RWG hattte seinerzeit mitgeboten - war jedoch angesichts eines Verkehrswertes von 240.000 Euro vorher ausgestiegen. Die Wertheraner Firma wird laut Mellig rund eine Million Euro in Sanierung und Umbau investieren. Damit käme sie offenbar noch immer auf ihre Kosten - denn laut Immobilienportal ist es auch möglich, das Gebäude für 1,48 Millionen Euro komplett zu kaufen und die Eigentumswohnungen dann selber zu vermarkten. Insgesamt beträgt die Wohnfläche 565 Quadratmeter, auf einem Grundstück von 850 Quadratmetern. Als besonderen Clou wertet der Makler Mellig die Möglichkeit, auf dem 1980 auf der Rückseite errichteten Anbau eine Dachterrasse anzulegen. "So etwas gibt es in ganz Gütersloh nicht." Die ersten Pläne für den Lückenschluss zwischen Denkmal und Hohenzollernstraße datieren bereits aus 2014. Sie wurden inzwischen modifiziert und sind jetzt, laut Projektentwickler Neugebauer, zumindest für die Grundstücke 7 und 9 in der Endabstimmung. "Der Gestaltungsbeirat hat nur noch geringfügige Änderungswünsche vorgebracht." Da auch die Baubehörden der Stadt stets eng in die Überlegungen eingebunden waren, hofften er und Investor Madecki auf eine baldigen Baugenehmigung. Diesen aktualisierten Plänen zufolge werden die beiden Baukörper über einen Zwischenbau miteinander verbunden. Unten bietet dieser Zwischenbau eine Durchfahrt, über der man zu den Garagen und Parkplätzen auf der Rückseite der Gebäude gelangt. Gewerbe oder Büros seien dort nicht geplant. Von den geschätzten 5,1 Millionen Euro Investition entfallen laut Neugebauer 3,6 auf diesen Komplex. Mit den übrigen 1,5 Millionen Euro soll der Neubau Bismarckstraße 13 entstehen, ein Gebäude, für das die Stadt unter Einbeziehung einen städtebaulichen Wettbewerb ausgerufen hatte. Der Siegerentwurf liegt seit 2015 vor - und seither wird auch darum gerungen. Während die Stadt laut Neugebauer für das Erdgeschoss bislang eine Gewerbenutzung favorisierte, liege nun von Investorenseite ein neuer Vorschlag vor: Das Erdgeschoss als kleines Parkhaus mit drei Stellplätzen und Abstellräumen zu nutzen. Höheren architektonischen Ansprüchen könne es dennoch genügen - die Garagentore und das Erdgeschoss könnten exklusiv verglast werden, und zwar so, dass man von außen weder Autos noch Abstellräume sehe. Neugebauer: "Wir glauben, dass die Vermarktung als Gewerbefläche im Erdgeschoss nicht möglich ist und hätten somit zugleich eine sinnvolle Lösung für die Parkfläche geschaffen." Die drei Geschosse darüber, aufgeteilt in jeweils zwei Wohnungen, seien dann dem Wohnen vorbehalten.

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