Gewerbegebiet Marienfelder Straße: Städte bürgen für Flugplatz-GmbH. - © Jens Reddeker
Gewerbegebiet Marienfelder Straße: Städte bürgen für Flugplatz-GmbH. | © Jens Reddeker

Gütersloh Flugplatz könnte 75 Millionen Euro kosten

Fläche an der Marienfelder Straße muss in Gewerbepark umgewandelt werden

Gütersloh. Für die Konversion des Geländes an der Marienfelder Straße wollen Gütersloh, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz eine gemeinsame "Gewerbepark Flugplatz Gütersloh GmbH" gründen. Sie soll die Fläche entwickeln, erschließen und vermarkten und dafür einen Businessplan erstellen. Die Umwandlung in einen Gewerbe- und Industriepark dürfte keinesfalls billig werden. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass 75 Millionen Euro dafür investiert werden müssen. Diese Zahl nennt das Fachbüro Dr. Eisenmenger Co-Operation GmbH, das im Auftrag der drei Kommunen ein Szenario für den Businessplan gezeichnet hat. Eisenmenger schlägt vor, dass die "Gewerbepark Flugplatz Gütersloh GmbH" überwiegend mit Fremdkapital arbeitet. Somit habe die Gesellschaftsgründung zunächst keine großen Auswirkungen auf die Haushalte der drei Kommunen. Allerdings müssten sie für das Fremdkapital bürgen, und zwar mit einer voraussichtlichen Laufzeit von 20 Jahren. Die Höhe ihrer Bürgschaften soll sich nach den Gesellschafteranteilen richten. So soll Gütersloh 70 Prozent an der neuen GmbH halten, Harsewinkel 20 Prozent und Herzebrock-Clarholz 10 Prozent. Gütersloh würde demnach für 52,5 Millionen Euro bürgen, Harsewinkel für 15 Millionen und Herzebrock-Clarholz für 7,5 Millionen. Auch die Ausfallrisiken hat Eisenmenger veranschlagt: 12,6 Millionen Euro für Gütersloh, 3,6 Millionen Euro für Harsewinkel und 1,8 Millionen Euro für Herzebrock-Clarholz. Die Entscheidung über die Gründung der neuen Flugplatz-GmbH treffen die jeweiligen Stadträte. Güterslohs Bürgermeister Henning Schulz schreibt, die genannten Zahlen seien nur ein "erster Orientierungswert". Sie könnten sich verbessern oder verschlechtern. Es werde Sache der neuen GmbH sein, die genaue Finanzierungsstruktur zu erarbeiten und mit den Banken zu besprechen. "Erst am Ende der Projektlaufzeit wird man genau wissen, ob die Entwicklung für die Gesellschafter mit einer schwarzen Null aufgegangen ist oder in welcher Höhe Deckungslücken zu schließen sind." Es werde wichtig sein, den Zugang zum Fördertopf EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) auszubauen und weitere Töpfe anzuzapfen. Der Bund etwa habe zum Thema Konversion gerade einen Förderaufruf "Nationale Projekte des Städtebaus" gestartet; man habe vor, dafür einen Antrag zu stellen, so Schulz. Im Hauptausschuss am Montag und im Stadtrat am Freitag soll die Gütersloher Politik einer Absichtserklärung zustimmen, die all diese Punkte beinhaltet. Damit wäre der Weg frei die GmbH-Gründung und des dazugehörigen öffentlich-rechtlichen Vertrages. Stimmen die Gremien in Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz in diesen Tagen ebenfalls zu, können die endgültigen Beschlüsse Mitte November fallen. Alle Beteiligten gehen im übrigen davon aus, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), voraussichtlich ab Oktober/November Eignerin der gesamten 363 Hektar, ihnen die Fläche für den symbolischen Preis von einem Euro überlässt. Inhalte der Absichtserklärung An der Flugplatz GmbH soll Gütersloh 70 Prozent halten, Harsewinkel 20 und Herzebrock-Clarholz 10. Der Aufsichtsrat soll dieselben Anteile spiegeln. Entscheidungen sollen die GmbH-Organe nur mit einer Dreiviertelmehrheit treffen können; Alleingänge wären also ausgeschlossen. Die Beteiligten wollen darauf hinwirken, dass sich die Flughafen Gütersloh GmbH, der viele Gesellschafter inklusive Firmen wie Bertelsmann, Miele und Claas angehören, so schnell wie möglich auflöst. Bislang sind deren Auflösungsversuche an der dafür erforderlichen Vier-Fünftel-Mehrheit gescheitert. Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz sollen auf ihre Rückgemeindungsansprüche verzichten; zeitgleich mit Gründung der Flugplatz GmbH sollen ihre Anträge bei der Bezirksregierung zurückziehen. Bis zur Gründung der GmbH übernimmt Gütersloh alle Vorlaufkosten. Die planerischen Leitlinien für die neue GmbH sollen sich aus dem Integrierten Handlungskonzept (IHK) vom Juni ergeben; die Neue Westfälische hat es im Sommer in einer Artikelserie vorgestellt.

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