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Ausblick: Von der kleinen Terrasse blicken die Flüchtlinge auf die Siedlung mit der Rasenfläche in der Mitte. - © Foto: Michael Schuh
Ausblick: Von der kleinen Terrasse blicken die Flüchtlinge auf die Siedlung mit der Rasenfläche in der Mitte. | © Foto: Michael Schuh

Gütersloh So leben die Flüchtlinge in den Niehorster Schwedenhäusern

Unterkunft: Die Häuschen wirken zwar sympathisch, sind aber rein zweckmäßig ausgestattet

Michael Schuh
10.08.2016 | Stand 10.08.2016, 12:01 Uhr |

Gütersloh. Es riecht noch ein wenig nach Farbe, Plastik, Holz - neu eben. Kein Wunder, denn die Schwedenhäuser am Ellernhagen in Niehorst sind gerade erst fertig geworden und bislang noch unbewohnt. Das wird sich voraussichtlich ab der kommenden Woche ändern, denn dann sollen nach und nach Flüchtlinge in die jeweils 63 Quadratmeter großen Wohneinheiten einziehen. Auf den ersten Blick erinnern die Häuschen tatsächlich an eine einfache Feriensiedlung in Skandinavien: Hölzerne Mehrfachhaushälften mit insgesamt acht Wohneinheiten sowie ein Gemeinschaftsgebäude schmiegen sich u-förmig um eine Grasfläche, auf der man sich gut spielende Kinder vorstellen kann. Doch als ganz so heimelig entpuppt sich die kleine Siedlung dann doch nicht: 60 Menschen werden dort leben, bis zu acht auf 63 Quadratmetern pro Einheit, deren Einrichtung zweckmäßig ist. Führen Sie die Maus über die rot markierten Zahlen, um mehr über die Ausstattung der Wohnungen zu erfahren. Fotos: Michael Schuh Güterslohs Sozialdezernent Joachim Martenmsmeier weiß sehr wohl, dass derzeit weit weniger Flüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen kommen als noch im vergangenen Jahr: "Doch das bedeutet nicht, dass sich die Aufnahmesituation für Kommunen in Luft auflöst." Denn allen Gemeinden, deren Aufnahmekapazitäten unter 90 Prozent lägen, würden künftig wieder Flüchtlinge zugewiesen. Und das trifft folglich auch auf Gütersloh zu, das die Quote derzeit nur zu 64 Prozent erfüllt. Mit der Bezirksregierung in Arnsberg gebe es deshalb eine Vereinbarung, dass bis Ende September 320 Personen an die Dalke kämen - vor allem aus dem Irak, Afghanistan und Syrien, aber auch aus Moldawien, der Mongolei, Nigeria oder Armenien. Und da die Sporthalle des Carl-Miele-Berufskollegs zum 31. Juli als Unterkunft aufgegeben wurde, dies bis zum Jahresende auch für die Sporthallen Spexard sowie Hauptschule Nord anvisiert sei und man langfristig auf Container verzichten wolle, bestand laut Martensmeier Handlungsbedarf: "Wir mussten weitere Wohnungen schaffen." Mit den Schwedenhäusern in Niehorst ist dieses Projekt für Gütersloh, wo momentan 911 Menschen in städtischen Unterkünften leben, aber noch nicht beendet: An der Scharnhorststraße sowie am Hopfenweg und an der Holzheide sind weitere Baumaßnahmen im Gange oder geplant. Martensmeier bringt zugleich einen menschlichen Aspekt ins Spiel, "denn wir wollen die Kapazitäten in den bisherigen Unterkünften nicht ausreizen, da sonst das Konfliktrisiko wächst. Ich denke, diese Schwedenhäuser besitzen einen eher freundlichen und aufnehmenden Charakter - und darauf kommt es uns an." Rund eine Million Euro hat die Stadt in die Siedlung einschließlich der Außenanlagen investiert. Die Bewohner der Haushälften gelangen über eine Terrasse in den Küchenbereich mit Spüle, Waschmaschine, Trockner und Herd; halb davon abgetrennt schließt sich der Wohn- und Essbereich mit einem großen Tisch und Stühlen an. Seitlich befinden sich insgesamt vier Schlafräume mit Etagenbett, Spind und einem kleinen Tisch, während sich Toilette und Dusche in zwei Räumen im hinteren Bereich befinden. "Wir stellen uns für die Häuser vor, dass sie jeweils von Familien oder mehreren Einzelpersonen bewohnt werden", erläutert der Sozialdezernent. Zwar könne die endgültige Belegung noch immer nicht im Voraus geplant werden, doch habe sich die Situation im Gegensatz zum Jahr 2015 entschärft: "Damals bekamen wir abends eine Mail, dass neue Flüchtlinge kommen - und morgens standen die Menschen schon auf der Matte." Das in die Siedlung integrierte Gemeinschaftshaus besitzt auf einer Fläche von 47 Quadratmetern ein Gemeinschaftszimmer, eine kleine Küche, ein Büro und einen zentralen Technikraum. Hier soll es zu Treffen der Bewohner untereinander, aber auch zu Gesprächen mit den zuständigen Sozialarbeitern, Hausmeister Willi Jurca und ehrenamtlichen Helfern kommen. "Die Privatsphäre in den Häusern bleibt somit gewahrt", verdeutlicht Martensmeier. "Die Anwohner der Nachbarschaft können uns ebenfalls ansprechen; wir wollen sie auf keinen Fall sich selbst überlassen." Und was passiert mit den Schwedenhäusern, sollte der Flüchtlingsstrom eines Tages weitgehend versiegen? Auch darauf hat Martensmeier eine Antwort parat: "Die Häuser haben eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren und in Gütersloh herrscht ein Mangel an Wohnraum. Wir können uns durchaus vorstellen, dass es hier einmal eine Wohnnutzung gibt - das hängt allerdings noch vom Bebauungsplan ab."

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