0
Pokemon GO sorgt für einen Hype. - © Marc Köppelmann
Pokemon GO sorgt für einen Hype. | © Marc Köppelmann

Gütersloh Monsterjäger im Stadtpark: Gütersloher im "Pokémon Go"-Fieber

Friedhofsverwalter befürchten Randale

Svenja Beierlipp
04.08.2016 | Stand 04.08.2016, 16:16 Uhr

Gütersloh. Die Sonne strahlt angenehm warm über dem Gütersloher Stadtpark. Beim Schlendern durch den Botanischen Garten raschelt es im Gebüsch. Ein junger Mann schießt hervor und ruft: "Ja, ich habe es gefangen! Los, Ponita!" Seine Hände sind allerdings leer, wo ist die Beute? Die Antwort ist einfach: Das "Ponita" ist versteckt in einem "Pokéball". Dem jungen Mann dient es als Trophäe. Das Smartphonespiel "Pokémon Go" (die NW berichtete) verwandelt auch in Gütersloh Stubenhocker in knallharte Jäger. Mehrere Stunden am Stück können sie im Park verbringen - und sei es nur, um ein seltenes "Quapuzi" zu fangen. "Den ganzen Tag ist er unterwegs", sagt eine Mutter über ihren 13-jährigen Sohn. "Dass er so oft draußen ist, freut mich natürlich." Auf dem Fahrrad zu spielen habe sie ihm allerdings verboten, das sei zu gefährlich. "Außerdem mache ich mir Sorgen, weil ich nie weiß, wo er gerade ist", sagt die Mutter des jungen Pokémon- "Trainers", wie sich diese selber nennen. Dazu gehören auch Nico Vormann (17), Markus Nonn (36) und Yusuf Bilgin (46). Kennengelernt haben sie sich durch das Spiel. Der Altersunterschied spielt bei ihnen keine Rolle. "Man geht raus und knüpft neue Freundschaften, einfach toll", sagt Bilgin. Er kenne viele Jugendliche, die sich schwer tun, neue Bekanntschaften zu knüpfen. Neue Kontakte und die Bewegung seien die besten Aspekte des Spiels. Eine "freundliche Atmosphäre" und das "Ausleben eines Kindheitstraums" sind für Vormann Gründe, wieso augenscheinlich mehr Männer auf Monsterjagd gehen als Frauen. Eine große Gefahr sehen die Spieler gerade bei den Jüngeren. Nachts, kurz nach 11 Uhr, randalierten viele jugendliche Spieler, seien besoffen und vermüllten den Botanischen Garten. Auch Kinder seien um diese Uhrzeit noch unterwegs. "Da müssen die Eltern konsequenter sein. Es gibt Menschen, die dieses Verhalten zu ihrem Zweck nutzen, und das macht mir Angst", sagt Bilgin. Auch zeigt er, dass kostenpflichtige "Münzen" unter anderem mit dem Handyvertrag abgerechnet werden können. Erschreckend schnell sei dadurch viel Geld "verprasst". Randale befürchten auch die Friedhofsverwalter. Denn die App kann die Spieler bis an die Gräber führen. "So ein Spiel gehört nicht auf den Friedhof. Das ist ein Ort der Ruhe", sagt Rosemarie Vertkersting, zuständig für die katholischen Friedhöfe. Unangenehme Vorfälle habe es bislang aber nicht gegeben. Ihre evangelische Kollegin Susanne Laab nimmt die Sache lockerer: "Bei uns laufen einige Spieler herum. Aber solange sie die Trauernden nicht stören, ist das kein Problem." Dass Spieler sogar auf dem Friedhof landen, liegt an der Vermischung von realer und virtueller Welt. Durch die Handykamera kann etwa "Quapsel" ein Bad in der Dalke nehmen, oder das Pferd "Ponita" taucht plötzlich auf der Straße auf oder auch im Restaurant auf dem Teller. Björn Menneken, Verkäufer bei Witthoff, spielt selber Pokémon Go. Für ihn wird der Hype um die virtuellen Monster "teilweise vererbt". Auch das Kartenspiel sei noch populär bei den Sechs- bis Zehnjährigen. Wieso das Spiel süchtig mache? "Rumlaufen und Fangen!", antwortet Mennecken nur und strahlt. Die Pokémon-Trainer fühlen sich also als Jäger und Sammler - das Spielen liegt ihnen demnach in den Genen.

realisiert durch evolver group