Stehen nicht mehr auf dem Schlauch: Binnen kürzester Zeit wurde die Baugrube an der Herzebrocker Straße ausgehoben. - © Patrick Menzel
Stehen nicht mehr auf dem Schlauch: Binnen kürzester Zeit wurde die Baugrube an der Herzebrocker Straße ausgehoben. | © Patrick Menzel

Gütersloh Landwirtschaftliche Kreisverband bekommt Genehmigung für neue Zentrale

Die Buchstelle hat diese Woche die lang ersehnte Baugenehmigung erhalten. Mitte 2017 ziehen vor allem Steuerberater und Agrarbetriebswirte ein

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Das nennt man Gewehr beziehungsweise Bagger bei Fuß. Die Baugenehmigung der Stadt war am Mittwoch kaum aus der Post geholt, da rückten schon die Maschinen an und hoben die Baugrube aus. Der Landwirtschaftliche Kreisverband und die Landwirtschaftliche Buchstelle - nach einiger Zeit des Wartens haben sie jetzt mit ihrem Neubau an der Herzebrocker Straße begonnen. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Andreas Westermeyer, zeigte sich am Freitag entsprechend erleichtert. "Ich freue mich, dass es losgeht", sagte der 50-Jährige. Die Zeit drängt. Am 1. Juli 2017 müssen Kreisverband und Buchstelle ihre Räume im Haus des Bauern in Wiedenbrück geräumt und ihre neue Zentrale in Gütersloh bezogen haben. "Dank der Schlagkraft unseres Generalunternehmers Fechtelkord & Eggersmann werden wir das schaffen", sagt Westermeyer. Der offizielle Spatenstich ist für den 9. August angesetzt. Der dreigeschossige Bau plus Staffelgeschoss entsteht auf dem Gelände des abgerissenen Hallenbades. Gekauft hat das Grundstück der neu gegründete Hausverein "Landwirtschaftlicher Kreisverband Gütersloh e.V." und die BSB GmbH - Landwirtschaftliche Buchstelle, eine Tochtergesellschaft des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). Zum Kaufpreis des Grundstückes sagen sie nichts, ebenso wenig zu den Baukosten. "Wir haben entschieden, uns dazu nicht zu äußern", sagt Westermeyer. Die Beteiligten wüssten Bescheid, das reiche. Auch die vor zwei Jahren kolportierte Baukostensumme von 1,4 Millionen Euro kommentierte der Verbandschef nicht. Die neue Landwirte-Zentrale wird circa 1.500 Quadratmeter Bürofläche bieten. Etwa ein Viertel nutzt der Kreisverband, drei Viertel die Landwirtschaftliche Buchstelle. Insgesamt ziehen gut 40 Mitarbeiter ein. Acht stellt der Verband (WLV), drei der Betriebshilfsdienst (BHD), alle anderen die Buchstelle (BSB). In der Buchstelle arbeiten viele Steuerberater, Agrarfachleute und Betriebswirte - sie bieten Landwirten, aber auch anderen Kunden Steuerberatung, Buchführung und Wirtschaftsexpertise an. Die Aufteilung der 44 Büros (Einzel- und Doppel-) ist derart, dass Verbandsmitarbeiter und Betriebshelfer das Erdgeschoss nutzen, die Wirtschaftsfachleute die Obergeschosse. Im Staffelgeschoss sind die Konferenz- und Schulungsräume untergebracht. Auch eine Küche für die Angebote der Landfrauen ist vorgesehen. Energetisch versorgt wird der Bau über das städtische Blockheizkraftwerk, das direkt neben dem Grundstück liegt und zuvor das Hallenbad beheizte. Die beiden Bauherren hoffen, mit ihrer neuen Zentrale Synergien zu schaffen; die Standorte in Wiedenbrück und Halle-Hörste werden aufgegeben und an der Herzebrocker Straße vereint. "Wir versprechen uns davon effizienteres Arbeiten", sagt Westermeyer. Bislang teilten einige Mitarbeiter ihre Woche in Arbeitstage in Wiedenbrück und Hörste auf, auch musste manches hin- und hergefahren werden. In der Mitte einen guten Standort gefunden zu haben, sei ein Glücksfall. "Es war richtig, dass wir uns gegen die Sanierung in Wiedenbrück und stattdessen für einen Neubau im Herzen der Kreisstadt entschieden haben", blickt Westermeyer auf anfangs schwierige verbandsinterne Debatten zurück. Manche hätten das Haus des Bauern, 1935 für den Reichsnährstand errichtet und 1996 vom Kreis Gütersloh der Landwirtschaftskammer überlassen, gerne behalten. Doch die Sanierung des seit knapp zwei Jahrzehnten unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes wäre teuer gewesen. Inzwischen ist klar, dass Mitte 2017 der Kreiscaritasverband als neuer Eigentümer einzieht. Die Caritas gab die Sanierungs- und Investitionskosten zuletzt mit rund 900.000 Euro an. Was die Fassade des Neubaus in Gütersloh betrifft, haben sich Bauherren und Architekt Raimund Heitmann für hellen Klinker entschieden. Der Bau wird etwa 42 Meter lang, 12 Meter breit und knapp 14 Meter hoch sein. Statt einer durchgehenden Baulinie entlang der Herzebrocker Straße - vom Gütersloher Gestaltungsbeirat favorisiert - weist es am Ende einen Versatz auf und springt um vier Meter nach hinten. Der kleine Platz davor soll eine besondere Gestaltung erfahren.

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