Flughafen Gütersloh - © Jens Reddeker
Flughafen Gütersloh | © Jens Reddeker

Gütersloh Zukunftspläne für den Gütersloher Flughafen

Handlungskonzept: Mit der Aufgabe der militärischen Nutzung wird der Weg frei für eine städtebauliche Entwicklung

Gütersloh. Nur noch vier Monate, dann geht im November eine fast genau acht Jahrzehnte lange Ära zu Ende. Eine Ära, die die Stadt auf vielfältige Weise geprägt, aber auch Entwicklungen, vor allem baulicher Art blockiert hat. Mit dem Abzug der britischen Streitkräfte aus der Princess-Royal-Kaserne endet die militärische Nutzung des rund 430 Hektar großen Areals zwischen der Marienfelder Straße und Ems - und es wird der Weg frei für eine neue städtebauliche Entwicklung. Es sei denn, das Verteidigungsministerium überlegt es sich in quasi letzter Minute anders und meldet doch noch Bedarf für eine Folgenutzung an. Dann wären mit einem Federstrich alle bisherigen Anstrengungen in Sachen Konversion hinfällig. Freilich rechnet damit derzeit niemand. Erst unlängst wurde im Rat offiziell mitgeteilt, die Grundstückseigentümerin BImA (Bundesanstalt für Immobilien-Aufgaben) gehe davon aus, dass bis November die Bundeswehr endgültig Meldung macht: Die Flächen werden für Militärzwecke nicht mehr benötigt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass mit dem Aufbau des geplanten Industrie- und Gewerbegebietes sofort begonnen werden könnte. Dafür fehlen allein die planungsrechtlichen Voraussetzungen: Zunächst muss auf höherer Ebene der Regionalplan geändert werden. Dann ist der kommunale Flächennutzungsplan zu überarbeiten, der wiederum die Grundlage für konkrete Bebauungspläne bildet. Und derartige Prozesse benötigen Zeit. Nicht zu vergessen die bislang ungelösten Fragen der verkehrlichen Erschließung dieser Insellage ohne schnelle Anbindung ans Autobahnnetz. Auch Straßenbau ist ein heikles Thema, oft verbunden mit langwierigen juristischen Kämpfen. Gleichwohl, die Stadt hat sich mit Hilfe der Landesgesellschaft NRW Urban und anderer Experten gewappnet, schnell loslegen zu können. Es gibt inzwischen einen Überblick über die Altlasten und es liegt ein Handlungskonzept vor, dass auf fast 90 Seiten die Kernelemente der künftigen zivilen Nutzung aufzeigt und die einzelnen Schritte zur Umsetzung beschreibt. Räumlich umfasst es mit insgesamt 363 Hektar auch die nördlich der B 513 gelegenen Flächen, die für Sportzwecke genutzt werden sowie zum derzeitigen Wohngebiet Parseval-Straße gehören. Da Wohnen hier künftig aufgrund der isolierten Lage ausgeschlossen ist, sollen die knapp 24 Hektar ebenso gewerblich genutzt werden wie der 350 Meter breite bebaute Streifen südlich der Bundesstraße. Feldlerche und Brachvogel haben sich nicht vertreiben lassen In dem von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK), Bielefeld, im Auftrag der Stadt erarbeiteten Integrierten Handlungskonzept (IHK) findet sich eine Flächenbilanz, aufgeschlüsselt nach Nutzungsarten. Daraus geht hervor, dass am Ende nicht einmal die zunächst geplanten 100 Hektar für die Ansiedlung von störendem und nicht störendem Gewerbe zur Verfügung stehen dürften. Unterm Strich kommen die Fachleute lediglich auf 89,7 Hektar. Überraschend groß hingegen eine andere Zahl: Allein an Photovoltaik-Flächen für die Erzeugung von Solarenergie kommen laut DSK insgesamt 49 Hektar in Betracht - inklusive Start- und Landebahn. Den größten Anteil machen indes geschützte Biotopflächen aus. Von den insgesamt 155 Hektar nimmt das landesweit größte Vorkommen an seltenem Heidenelkenrasen mehr als ein Viertel ein. Daneben sind nach dem groben Entwurf 46 Hektar für Freizeitaktivitäten wie Klettern, Bogenschießen und Golf geplant, ferner Grünflächen (8,8 Hektar) und Verkehrsflächen (14,2 Hektar). Bürgermeister Henning Schulz hat freilich darauf hingewiesen, dass die auf Skizzen markierten Nutzungsarten zunächst lediglich als Platzhalter dienten. "Am Ende muss es nicht genauso kommen." Denn möglicherweise lassen Artenschutz oder Altlasten bestimmte Zwecke doch nicht zu. Allerdings ist zu bedenken, dass Fauna und Flora robuster sind, als mitunter vermutet. Von Senkrechtstartern, Kampfhubschraubern und Kettenfahrzeugen haben sich Feldlerche, Wiesenpieper und Brachvogel jedenfalls bis heute nicht vertreiben lassen. Laut Schulz ist es schon allein deshalb wichtig, ein Handlungskonzept wie das IHK in der Hand zu haben, um Fördermittel der EU, des Bundes und des Landes für die Konversion auf dem Flugplatz erhalten zu können. So rechnet die Stadt schon bald mit einer Bewilligung von Geldern für eine Machbarkeitsstudie für den sogenannten Initialbereich, also den Abschnitt, auf dem die Konversion erstmals konkrete Form annehmen soll: das 31,5 Hektar große Gebiet um die Hauptzufahrt und das Offizierskasino.

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