Prüfung läuft: Ein Teil der vorhandenen Mannschaftsunterkünfte entlang der Marienfelder Straße könnte schon bald zu einer zentralen Flüchtlingseinrichtung des Landes umgenutzt werden. Die Entscheidung fällt voraussichtlich Ende August. - © Jens Ostrowski
Prüfung läuft: Ein Teil der vorhandenen Mannschaftsunterkünfte entlang der Marienfelder Straße könnte schon bald zu einer zentralen Flüchtlingseinrichtung des Landes umgenutzt werden. Die Entscheidung fällt voraussichtlich Ende August. | © Jens Ostrowski

Gütersloh Kaserne am Flughafen könnte Unterkunft für 1.000 Flüchtlinge werden

Das Land plant eine Zentrale Unterbringungseinrichtunge (ZUE) an der Marienfelder Straße

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Auf dem ehemaligen Flughafen an der Marienfelder Straße sollen ab Anfang kommenden Jahres rund 1.000 Flüchtlinge untergebracht werden. Es handelt sich um eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes. In derartigen Einrichtungen dauert der Aufenthalt in der Regel bis zu drei Monate. Derzeit laufen noch Abstimmungsgespräche zwischen den beteiligten Behörden. Nach NW-Informationen sollen mehrere frühere Mannschaftsunterkünfte sowie der NAAFI-Shop für die ZUE hergerichtet werden. Im Fokus sind insgesamt 16 Gebäude nahe der Bundesstraße 513. Spätestens Ende November soll das 360 Hektar große Gelände von den britischen Streitkräften an den Bund zurückgegeben werden. Wie der zuständige Fachgebietsleiter bei der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) in Bielefeld, Manfred Beckmann, auf Anfrage bestätigte, wird seine Behörde die Kosten für die Herrichtung der Gebäude übernehmen, solange sich der Aufwand in einem verhältnismäßigen Rahmen bewege. Seiner Einschätzung nach sei dies bei der Princess-Royal-Kaserne der Fall. "Die Gebäude dienten bislang schließlich auch als Unterkünfte." Beim Brandschutz müsse allerdings nachgerüstet werden. Außerdem, ergänzte Beckmann, seien noch Fragen der Ver- und Entsorgung zu klären. Wie aus einem internen Schriftverkehr hervorgeht, sollen für den Betrieb der Flüchtlingsunterkunft unter anderem das Wasserwerk und das Heizwerk 3 am Laufen gehalten werden. Weiter versorgt würden demnach zudem das von der Verkehrswacht genutzte Gebäude sowie die vom Deutschen Wetterdienst betriebene Wetterstation. "Für alle übrigen Gebäude kann eine Stilllegung der Versorgung erfolgen, wobei das Wasser abgelassen werden sollte." Die Bezirksregierung hielt sich Montag einigermaßen bedeckt. In einer schriftlichen Antwort auf verschiedene Fragen hieß es unter anderem: "Seit Anfang dieses Jahres konsolidiert die Bezirksregierung die Unterbringung von Asylsuchenden in Ostwestfalen-Lippe mit Blick auf die Qualität der Unterkünfte sowie Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit des Betriebs. Im Zuge dieser Konsolidierung gibt es Vorüberlegungen, die Princess-Royal-Kaserne als Zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes zu nutzen." Ob eine solche Nutzung in Frage kommt, steht laut Behördensprecher Andreas Moseke aber noch nicht fest. Die Grundsatzentscheidung sei noch nicht gefallen. Zunächst müssten Einzelheiten zur Erschließung des Geländes geklärt sowie eine Wirtschaftlichkeitsprüfung abgeschlossen werden. Die Bezirksregierung sei derzeit in Abstimmung mit der Stadt Gütersloh damit befasst, diese Punkte zu klären. Für den Fall, dass in Gütersloh eine Landeseinrichtung angesiedelt wird, würden die dort untergebrachten Menschen auf die Zahl der an die Kommune zugewiesenen Flüchtlinge angerechnet. In welchem Ausmaß dies erfolge, könne derzeit jedoch nicht abgeschätzt werden, teilte der Sprecher weiter mit. Zurzeit leben rund 860 Flüchtlinge in den städtischen Unterkünften. Erst kürzlich teilte Bürgermeister Henning Schulz im Rat mit, dass in diesem Jahr noch mit der Aufnahme von rund 700 weiteren Flüchtlingen zu rechnen sei und alle zehn geplanten Standorte für den Bau neuer Unterkünfte gebraucht würden. Trotz der aktuellen Entwicklung bekräftigte die Verwaltung gestern diese Ansicht. Die Errichtung werde weiter vorbereitet und betrieben. Außerdem werde die Sporthalle Spexard ab Anfang August benötigt. Die Stadt bemühe sich um eine kurze Nutzungsdauer und setze alles daran, die Halle Ende 2016 für den Sport wieder freizugeben. "Sollte das früher möglich sein, wird entsprechend gehandelt." Bislang ist geplant, auf dem Flugplatz ein interkommunales Gewerbe- und Industriegebiet aufzubauen. Dazu soll der 100 Hektar umfassende bebaute Streifen entlang der B 513 genutzt werden. Ansonsten heißt die Devise "Grün bleibt Grün". Eingriffe in die schützenswerte Natur sollen vermieden werden. Bei der BImA hieß es, die Pläne für die Flüchtlingsunterkunft würden damit nicht kollidieren. Denn die ZUE sei als vorübergehende Nutzung für einige Jahre vorgesehen.

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