Im Paradeschritt: Das 6. Logistik-Regiment, das letzte verbliebene auf dem Gelände, wird nun nach England verlegt. - © Osterkamp
Im Paradeschritt: Das 6. Logistik-Regiment, das letzte verbliebene auf dem Gelände, wird nun nach England verlegt. | © Osterkamp

Gütersloh Abschied an der Flughafen-Kaserne: Briten treten ihren Rückzug an

71 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zieht die einstige Besatzungsmacht aus der Flughafen-Kaserne an der Marienfelder Straße ab. Zum Abschied gibt es reichlich Orden

Gütersloh. Kehrt marsch! 71 Jahre nach Dienstantritt haben sich die letzten britischen Soldaten am Freitag von der Kaserne an der Marienfelder Straße verabschiedet. Das 6. Logistik-Regiment trat mit einer feierlichen Militärparade ab. Bis zur endgültigen Rückgabe der Kaserne an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) im Herbst wird lediglich noch aufgeräumt. Armeesprecher Mike Whitehurst sagte, man wolle die Princess Royal Barracks besenrein übergeben. Mehr als zwei Dutzend Mann brauche man dafür nicht. Der genaue Übergabetermin stehe noch nicht fest, möglicherweise laufe es auf November hinaus. Mit der Übergabe endet zugleich die militärische Nutzung des riesigen Geländes, das die deutsche Wehrmacht 1935 für ihre Luftwaffe gebaut hatte. Bürgermeister Henning Schulz sprach gestern von dem Ende eines bedeutsamen Kapitels Gütersloher Geschichte. Der Abzug beschere der Stadt über die Folgenutzung des Geländes zwar eine Fülle von Entwicklungschancen, aber er verspüre auch Wehmut. Zwischen Deutschen und Briten seien in den vergangenen Jahrzehnten viele Freundschaften gewachsen, das Verhältnis sei als außerordentlich gut zu bezeichnen. Auch der Bürgermeister von Herzebrock-Clarholz, Marco Diethelm, sowie Kreisdirektorin Susanne Koch nahmen gestern an der Zeremonie teil. Das 6. Regiment Royal Logistic Corps war die letzte Einheit, die auf dem Gelände an der Marienfelder Straße noch stationiert war. Die Soldaten werden in den nächsten Tagen ihr Bündel packen und dann nach Disforth ins englische Nord Yorkshire verlegt - rechtzeitig, damit ihre Kinder ab September ihre neue Schule besuchen können. Laut Whitehurst wird es für manche Soldaten das erste Mal sein, dass sie auf britischem Heimatterrain stationiert sind. Das Regiment war 1963 formiert worden, damals noch unter anderem Namen. Die Soldaten leisteten Einsätze an vielen Kriegsschauplätzen dieser Welt: Irak, Kuwait, Balkan, Afghanistan, Oman. Ein Drittel der 500 Regimentsangehörigen waren auch am Freitag unterwegs: Zu Einsätzen in Polen, Kenia, Kanada und Fernost abkommandiert. "Ohne die Logistik-Einheiten läuft in der Armee eben nichts", sagte Whitehurst. Zum Abschied wurde dem Regiment eine besondere Ehre zuteil: Die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch Brigadegeneral Peter Gorgels vom Landeskommando NRW, verlieh ihm das Fahnenband "als Anerkennung des Einsatzes für Frieden und Freiheit". Es ist die höchste Auszeichnung, die einem Truppenteil verliehen werden kann; das Band wird an die eigene Truppenfahne befestigt. Vor einem Jahr war mit dem gleichen Ritual bereits das 1. Logistik-Regiment verabschiedet worden. Der oberste Kommandeur der britischen Streitkräfte in Deutschland, Brigadegeneral Ian Bell, sprach den Gütersloher Soldaten seine Anerkennung aus. Im Anschluss an die Militärparade verlieh er bei einem Empfang im noblen Offizierskasino eine Reihe von Orden. Auf einen Parademarsch durch die Gütersloher Innenstadt hatte die britische Armee bewusst verzichtet. Man habe nicht den Eindruck erwecken wollen, Gütersloh bereits gänzlich verlassen zu haben. Ein solcher Marsch, zu beobachten in Städten wie Münster und Osnabrück, aus denen sich die Briten bereits zurückzogen haben, werde laut Armeesprecher Mike Whitehurst wohl erst Ende 2019 stattfinden. Bis dahin werde man weiter die Mansergh-Kaserne an der Verler Straße nutzen. Dort ist das 26. Regiment Royal Artillery stationiert, eine Artillerie-Einheit, die etwa 500 kämpfende Soldaten zählt und von der NATO in ihre schnellen Eingreiftruppen integriert wird. Die Mansergh-Kaserne bleibt auch deshalb vorerst in Betrieb, weil die Briten dort mit der King?s School ihre einzige und letzte weiterführende Schule in Deutschland betreiben.

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