Experiment: Dreht man die Kurbel des Bandgenerators, entsteht elektrostatische Spannung, die einem die Haare zu Berge stehen lässt. Historiker Tobias Deterding demonstriert den Effekt aus naheliegenden Gründen mit einem Stück Pelz. - © Rolf Birkholz
Experiment: Dreht man die Kurbel des Bandgenerators, entsteht elektrostatische Spannung, die einem die Haare zu Berge stehen lässt. Historiker Tobias Deterding demonstriert den Effekt aus naheliegenden Gründen mit einem Stück Pelz. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Stadtmuseum zeigt die Entwicklung der Stromnutzung

"Experimenten und Entdeckungen vom Blitz zum Motor"

Gütersloh. Das Eintreten ins Studierzimmer aus dem 18. Jahrhundert, in das gediegene Ambiente im "Physik-Salon", nimmt gleich für die neue Ausstellung im Stadtmuseum ein. "Achtung Hochspannung! Experimente und Entdeckungen vom Blitz zum Motor", heißt die besonders auch für Schulen interessante Präsentation. Tobias Deterding hat sie für das Museum Eulenburg in Rinteln zusammengestellt. Gütersloh ist die sechste Station, und es gibt weitere Anfragen. Das verwundert nicht. Denn die Schau macht ganz ohne Spektakel, aber auch nicht lehrbuchmäßig trocken, geradezu sichtbar, was aus der Steckdose kommt, und wie es dazu kam. "Die Elektrizität liegt praktisch in der Luft", meint Ausstellungsmacher Tobias Deterding, als er in einer Kammer experimentell zeigt, wie Blitze eine Neonröhre zum Leuchten bringen können. Dann werden am Bandgenerator Funken durch Reibung erzeugt, Benjamin Franklin erfindet den Blitzableiter, Michael Faraday den nach ihm benannten Käfig. Allessandro Volta hat die erste Batterie gebaut. Auch der Generator von Siemens, der Dynamo und der Trafo werden vorgestellt, mit dem Strom erst transportabel wurde. Immer wieder laden die im Stadtmuseum ausgestellten Exponate die Besucher zu kleinen Experimenten ein. Deterding will die Fortschritte der Stromnutzung von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert zeigen, als alle Haushalte elektrifiziert waren. Der Historiker veranschaulicht aber nicht nur die Technik, er stellt sie auch in die Kulturgeschichte ein. "Elektrogeräte wurden zum Ersatz für Hausmädchen." So finden sich auch Plakate und Kinofilmchen, die für die neuen Haushaltshilfen warben. In einem großen Regal sind jede Menge hand- und elektrogetriebene Geräte paarweise einsortiert: Kaffeemühlen, Bügeleisen, Nähmaschinen, Luftverwirbler (Fächer, Ventilator). Auf einem Fahrrad strampelnd kann Strom erzeugt werden. Und ein E-Lexikon lädt ein, das - womöglich auch beim Rundgang erworbene - Wissen zu prüfen. Museumsleiter Dr. Rolf Westheider sieht in dieser Ausstellung denn auch eine "gute Ergänzung" des schulischen Unterrichts, keine Konkurrenz. Ganz im Sinne der Diskussionen zum Kulturentwicklungsplan will der Heimatverein als Träger das Museum als "außerschulischen Lernstandort" weiter öffnen. Die freie Kulturberaterin Malene Lomholt-Busch unterstützt das Haus dabei. Ihr zufolge bietet die Schau unterschiedliche Schwerpunkte für Klassen von der Grundschule bis zur Oberstufe. Gefördert wird "Achtung Hochspannung!" von den Stadtwerken, das Thema muss sie geradezu elektrisiert haben.

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