Zufriedene Gesichter: Nach dem gelungenen Landluftkonzert auf dem Gut Geissel reichen sich die Sopranistin Asmik Grigorian und der Dirigent Ives Abel die Hand. - © Eugenie Kusch
Zufriedene Gesichter: Nach dem gelungenen Landluftkonzert auf dem Gut Geissel reichen sich die Sopranistin Asmik Grigorian und der Dirigent Ives Abel die Hand. | © Eugenie Kusch

Kreis Gütersloh Landluft-Konzert: Russische Seele in Langenbergs Idylle

Gut 450 Zuhörer kamen am Samstagabend auf das beschauliche Gut Geissel, um die Nordwestdeutsche Philharmonie und preisgekrönte Solisten zu hören

Eugenie Kusch

Kreis Gütersloh. Ein Konzert, bei dem sich die Vögel verpflichtet fühlten, mit aufzutreten, um die Orchesterklänge oder den Solistengesang mit ihrem Trillern und Zwitschern auszuschmücken. Idyllisch ist es hier, auf dem Gut Geissel. Das üppige Grün des Monats Mai hob die Pracht der Laubwälder, der Wiesen, der pittoresken alten Gemäuer empor. Seit Jahren zieht es die Eingeweihten an diesen etwas verborgenen, aber der Kunst und der Musik dafür im Besonderen liebevoll zugeneigten Ort. Eingebettet in diese beschauliche Umgebung eroberte die Nordwestdeutsche Philharmonie am Samstagabend auf der improvisierten, allerdings mit hängenden Blumenkörbchen hübsch geschmückten Wiesenbühne mehr als 450 Zuhörer, die bereit waren, Freud und Leid der russischen Seele gemeinsam zu teilen, ohne sich dabei die in der Pause angebotenen lukullischen Versuchungen der heimischen Gastronomie vorzuenthalten. Kurzweilige Moderation in guter Loriot-Tradition Zwei vielversprechende junge Talente, die litauische Sopranistin Asmik Grigorian, frisch gekürte Nachwuchs-Preisträgerin der diesjährigen in London verliehenen International Opera Awards, und der aus Sibirien stammende Bariton Grigory Chernetsov beeinflussten das Programm der Norddeutschen Philharmoniker - beide mit sehr guten Stimmen und Talenten beschenkt und mit Preisen geadelt. Es lag in den Händen des Dirigenten Yves Abel, das anspruchsvolle Repertoire-Angebot der Solisten mit einem Pendant aus der unterhaltsamen Literatur feinfühlig zu verknüpfen. Das klangliche und technische Potenzial seines Orchesters wurde unter den etwas schwierigeren akustischen Bedingungen eines Landluftkonzerts nebenbei auch erprobt. Mit gewohntem Elan tat er das und verhalf dem Ensemble zu gesanglichen oder auch rhythmisch straffen, immer aber höchst musizierfreudigen Darbietungen der bekannten symphonischen Opern-Hits, der Ouvertüre "Ruslan und Ludmila" von Michail Glinka, der Slawischen Tänze von Antonin Dvorak, des melancholischen e-Moll und dem vor Freude überschäumenden G-Dur, sowie der eleganten Polonaise aus "Ewgenij Onegin" von Peter Tschaikowsky. Der Moderator Hartmut Brandtmann half dem Publikum seinerseits, in die Tiefe der zwiespältigen russischen Seele einzublicken, indem er die Handlungen der Oper oder einige Details aus dem Komponistenleben in der guten Loriot-Tradition kurzweilig zusammenfasste. So genügten ihm lediglich vier Minuten, um das Wesentliche über die Oper "Pique Dame" und das Leben ihres Komponisten zu schildern, der das Werk übrigens in der Rekordzeit von 44 Tagen fertigstellte. So war der Konflikt zwischen Lisa und ihrem Verlobten Fürst Jeletzki, dessen Liebe sie nicht ganz erwiderte, in den folgenden beiden Arien für das Publikum sehr gut nachvollziehbar und auch das berühmte herzreißende Liebesbekenntnis "Ja was liubliu" (Ich liebe Sie) des unglücklichen Verlobten, klang in der eindringlichen Interpretation des jungen Baritons absolut glaubhaft. Einige Momente des puren ästhetischen Glücks waren dank der kultivierten Stimmführung der Sopranistin in dem berühmten "Song an den Mond" von Dvorak oder dem vom Bariton stolz gesungenen "Bolero" von Glinka zu erleben. Zwei anspruchsvolle Duette aus "Francesca di Rimini" von Sergei Rachmaninow und "Ewgenij Onegin" von Tschaikowsky rundeten das Programm ab, in dem Liebreiz und Anspruch eine perfekte Balance fanden. Die rund 450 Zuhörer honorierten die Leistungen mit viel Applaus.

realisiert durch evolver group