Exponate: Verena Burhenne (LWL) zeigt eine fertige Wurst, Rolf Westheider (Stadtmuseum) eine Lochscheibe. - © H. Gottfried Dittmann
Exponate: Verena Burhenne (LWL) zeigt eine fertige Wurst, Rolf Westheider (Stadtmuseum) eine Lochscheibe. | © H. Gottfried Dittmann

Gütersloh Ausstellung im Stadtmuseum über Fleisch

Von Wurst und Vegetariern

Gütersloh. "Darf?s ein bisschen mehr sein?" In diesem Fall stellt nicht die Verkäuferin hinter der Wursttheke diese Frage, sondern es handelt sich um den Titel der Wanderausstellung, die ab Sonntag im Stadtmuseum zu sehen sein wird. Dort kann der Wandel der Fleischproduktion und des Fleischkonsums auf der einen sowie des Vegetarismus auf der anderen Seite in den vergangenen 200 Jahren nachvollzogen werden. Entwickelt wurde die Ausstellung vom LWL-Museumsamt für Westfalen mit Sitz in Dortmund. "Fast permanent ist in Nachrichten von Skandalen in der Fleischproduktion die Rede; wie BSE, Pferdefleisch in der Lasagne oder Dioxin im Futtermittel", sagt die wissenschaftliche Referendarin Verena Burhenne. "Daher kam mir die Idee, diese Ausstellung zu konzipieren." Die Volkskundlerin befasste sich zunächst mit den gesellschaftlichen Aspekten und legte schnell den Fokus auf die Zeit vom 19. Jahrhundert bis heute. "In dieser Zeit veränderte die Industrialisierung auch die Herstellung von Fleischprodukten", sagt Burhenne. "Bereits in den 1930er Jahren gab es in OWL Betriebe mit mehr als 3.000 Tieren. Auch der Begriff der ,Massentierhaltung? entsteht zu dieser Zeit in der Region." Doch nicht nur historische Aspekte sind Inhalt der Ausstellung. "Wir möchten den Besucher als Verbraucher ansprechen und jedem sein eigenes Konsumverhalten vor Augen führen", sagt Burhenne. "Die Menschen und vor allem die Kinder entfremden sich immer mehr von der Natur", konkretisiert Museumspädagogin Adelheid Eimer. "Die Wertschätzung gegenüber Fleisch nimmt drastisch ab." Das Schlachten und die Produktion von Fleischprodukten sei aus unseren Alltag verschwunden, zu sehen sei nur das Endprodukt in den Kühlregalen. An die Zeit davor kann sich Museumsleiter Rolf Westheider, aufgewachsen in Versmold, noch gut erinnern. "Mit so einer Maschine habe ich noch selbst Wurst herstellt", sagt er und zeigt dabei auf eines der zahlreichen heimischen Ausstellungsstücke. Der Großteil der Exponate stammt aus Museen in Detmold und Versmold, wo die Industrialisierung der Fleischverarbeitung begann, während sie in Rheda und Verl immer noch beheimatet ist. Somit kehrt die Wanderausstellung nach Hause zurück. Öffnungszeiten und KontakDie Wanderausstellung gastiert vom 3. April (Eröffnung um 11.30 Uhr) bis zum 29. Mai im Gütersloher Stadtmuseum. Das Stadtmuseum Gütersloh ist von Mittwoch bis Freitag jeweils zwischen 15 und 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Für Gruppen können auch Führungen außerhalb der Öffnungszeiten vereinbart werden. Wenden Sie sich dafür an das Stadtmuseum unter Tel. (0 52 41) 2 66 85 oder via E-Mail: info@stadtmuseum-guetersloh.de.

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