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Aus dem Verkehr gezogen: Auf dem Parkplatz der Spexarder Feuerwehr werden die Handysünder mit ihrem Vergehen konfrontiert. Die meisten Erwischten, so die Polizei, haben ihre Verstöße sofort zugegeben. - © Patrick Menzel
Aus dem Verkehr gezogen: Auf dem Parkplatz der Spexarder Feuerwehr werden die Handysünder mit ihrem Vergehen konfrontiert. Die meisten Erwischten, so die Polizei, haben ihre Verstöße sofort zugegeben. | © Patrick Menzel

Gütersloh Handy am Steuer so gefährlich wie Alkohol

3.926 Autofahrer wurden 2015 mit Telefon am Ohr erwischt

Patrick Menzel
17.03.2016 | Stand 16.03.2016, 22:20 Uhr

Gütersloh. Die Straße ist fast leer. Die Neugierde siegt. Zwei, drei Klicks, das Smartphone leuchtet auf und zeigt die neusten Kurznachrichten, Mails oder Facebook-Einträge. Immer mehr Autofahrer können da nicht widerstehen und greifen zu. "Und das ist lebensgefährlich", sagt Polizeihauptkommissar Andreas Koptik. Allein im vergangenen Jahr hat die Polizei im Kreis Gütersloh 3.926 Autofahrer in flagranti erwischt - in voller Fahrt beim Telefonieren, Surfen oder Texten. Trotz Geldstrafen von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg, viele Verkehrsteilnehmer scheinen die Finger nicht vom Mobiltelefon lassen zu können. Selbst nicht, wenn sie mit 50 Sachen durch die Stadt düsen, wie eine Kontrolle der Polizei gestern auf der Verler Straße zeigt. Innerhalb von nicht einmal 30 Minuten winken die Beamten fünf Fahrer, die gegen das Handyverbot verstoßen haben, aus dem Verkehr - im gesamten Kontrollzeitraum von 9 bis 12.30 Uhr sind es kreisweit 45 Handysünder. Als "erschreckend" bezeichnet Andreas Koptik die Zahlen der Kontrolle, spiegelten sie doch nur einen Bruchteil des gesamten Straßenverkehrs wider und ließen eine weitaus höhere Dunkelziffer erahnen. "Deshalb werden wir auch weiterhin kosequent gegen Handysünder vorgehen", so der Leiter des Verkehrsdienstes. Ein Schritt, der notwendig erscheint. Denn: Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden auf sein Handy guckt, legt 30 Meter im Blindflug zurück und kann bei Gefahr kaum reagieren. Studien haben zudem nachgewiesen, dass Autofahrer, die am Steuer mit dem Handy am Ohr telefonieren, so schlecht reagieren wie jemand, der 0,8 Promille Alkohol im Blut hat. Beim Schreiben einer Nachricht ist das Reaktionsvermögen vergleichbar, als hätte man einen Alkoholwert von 1,1 Promille. Doch nicht nur das Telefonieren ohne Freisprechanlage und das Schreiben einer Kurznachricht während der Fahrt ist strafbar, "auch das schlichte in die Hand nehmen des Telefons", sagt Koptik. "Man ist einfach abgelenkt und sieht nicht, was auf der Straße passiert." Hierdurch bringe man nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr. Viele Autofahrer seien sich dessen nicht bewusst. Wie häufig das Handy Ursache für Unfälle ist, wird bislang statistisch zwar noch nicht festgehalten. "Aber es gibt immer häufiger Unfälle, bei denen wir uns sicher sind, dass Ablenkung durch das Handy der Grund war", sagt Koptik. Belegen kann er das aber nicht. In das Handy reinschauen und Verbindungsdaten auswerten, dürfen Koptik und seine Kollegen bislang nicht.

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