Laden nächste Woche zu einer Infoveranstaltung ein: Dr. Hans-Jürgen Gaber (l.) und Udo Dobra. Die beiden haben sich schon eine Reihe von Mehrgenerationenhäusern angesehen. - © Patrick Menzel
Laden nächste Woche zu einer Infoveranstaltung ein: Dr. Hans-Jürgen Gaber (l.) und Udo Dobra. Die beiden haben sich schon eine Reihe von Mehrgenerationenhäusern angesehen. | © Patrick Menzel

Gütersloh Mehrere Generationen unter einem Dach

Private Initiative in Gütersloh

Ludger Osterkamp

Gütersloh. In Gütersloh wird ein Anlauf unternommen, ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu etablieren. Initiatoren sind Udo Dobra und Dr. Hans-Jürgen Gaber, die am Donnerstag, 17. März, zu einer Veranstaltung in die Volkshochschule einladen. Ihnen schwebt ein Mehrgenerationenwohnen vor, wie es mittlerweile in Hunderten von Städten anzutreffen sei. Dobra und Gaber haben sich mehrere dieser Projekte angesehen, etwa in Lemgo, Dortmund oder Osnabrück. Es gehe ihnen darum, eine Art "Baugruppe" zu bilden. Laut einer Broschüre der Architektenkammer NRW, die sich ausschließlich mit Baugruppen befasst, sind eine Reihe von Ausprägungen möglich. Im Kern ziele eine Baugruppe auf die Idee, dass Menschen sich zusammentun, um in Eigeninitiative ein Wohnprojekt zu realisieren. Baugruppen suchen zusammen das Grundstück aus, planen gemeinsam, teilen die Kosten und entwickeln im Idealfall eine lebendige Nachbarschaft. Bei der Eröffnungsveranstaltung in der VHS soll es zunächst darum gehen, das Interesse für eine solche Idee abzufragen. "Wir wollen die Nachfrage klären, und wir wollen über Fragen der Trägerschaft, Finanzierung und des richtigen Standortes sprechen", sagte Dobra. Ein über das persönliche hinausgehende, finanzielles Interesse bestreiten die beiden Gütersloher. "Wir wollen uns damit weder bereichern noch Geld verdienen. Es geht uns allein darum, dass wir glauben, in Gütersloh ist es an der Zeit für ein solches Projekt." Dobra, 77, war früher als selbstständiger Architekt tätig, Gaber, 71, als Arzt für Psychiatrie in der Westfälischen Klinik. Beide betonen, sie seien Rentner und hätten Zeit für solche Überlegungen, mehr nicht. In welcher Form und mit welcher Trägerschaft ein solches Modell umgesetzt werden könne, und ob sie sich selber daran beteiligen würden, sei in keinster Weise festgelegt. Dobra und Gaber sagen, sie haben mit ihrer Idee bei der Stadt bereits Gehör gefunden. Bürgermeister Henning Schulz und Stadtplaner Dr. Michael Zirbel begrüßten die Initiative. Das Gespräch mit der Stadt habe man auch deswegen gesucht, weil sich im Zuge der Konversion Optionen ergäben. Gaber: "Durch den Abzug der Briten hat die Stadt die Möglichkeit, rund 350 Wohnungen zum Vorkaufsrecht zu erwerben. Das macht die Sache für eine Baugruppe vielleicht erschwinglicher." Bei den acht, übers Stadtgebiet verteilten Briten-Siedlungen seien einige dabei, die für ein Mehrgenerationenwohnen durchaus in Frage kämen. Ob dafür Neubauten erforderlich wären oder man ausschließlich im Bestand bleibe, sei offen, hänge auch vom Zustand der jeweiligen Immobilie ab. Für die Bildung einer Baugruppe sei die Standortfrage jedenfalls von höchster Bedeutung. Dobra: "Nur was attraktiv liegt, hat Chancen auf Verwirklichung." Zusammen haben sich Dobra und Gaber unter anderem den "Pöstenhof" in Lemgo angesehen. Dort ist zentrumsnah ein generationenübergreifendes Wohnprojekt für Familien, Alleinziehende mit Kindern, Paare und Singles entstanden, das von einem Verein getragen wird. Auf einem 4.500 Quadratmeter großen Areal leben 33 Parteien, ferner gibt es eine Gästewohnung sowie Gemeinschaftsräume und Außenflächen für gesellige Aktivitäten. Innerhalb des Vereins haben die Beteiligten Grundrisse, Gebäudegestaltung und Außenflächen gemeinsam geplant. In Dortmund, so Gaber, gebe es inzwischen bereits vier Mehrgenerationenhäuser, jeweils bewohnt von im Schnitt 60 bis 100 Menschen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Im "buntStift" in Bochum-Langendreer (48 Bewohner) hat man sich für ein genossenschaftliches Modell als Träger entschieden. Andere Bochumer Mehrgenerationenhäuser werden wie in Lemgo von einem Verein getragen. In Osnabrück-Haste steht eines unter Trägerschaft der Katholischen Familien-Bildungsstätte. Laut Hans-Jürgen Gaber gibt es bundesweit mittlerweile 400 Vorbilder, an denen sich Gütersloh orientieren könne. "Das zeigt, wie groß die Vielfalt ist." Völlig unterschiedlich werde auch mit der Frage umgegangen, ob innerhalb einer Wohngruppe die Wohnungen zur Miete oder als Eigentum geführt werden, auch Mischformen seien gang und gäbe. Manche Wohngruppen seien kaum mehr als Zweckbündnisse, in anderen entfalte sich eine enge, sehr aktive Nachbarschaft. Dort könne es dann auch darum gehen, alternative Formen des Miteinanders zu organisieren, etwa in punkto Kinderbetreuung oder in Sachen Altenpflege. Der Pöstenhof in Lemgo, mehrmals von Dobra und Gaber angeführt, ist auf dem Gelände einer ehemaligen Konservenfabrik entstanden - typisches Beispiel für die Nutzung von Konversionsflächen. In Gütersloh haben die beiden Initiatoren vor allem ein Auge auf die freiwerdenden Britensiedlungen Töpfer-/Hermann-Simon-Straße sowie Alsen-/Gutenbergstraße geworfen. "Die wären ideal." Für eine der beiden, die Siedlung Alsenstraße, genießt die Stadt jedoch kein Vorkaufsrecht, da sie nicht im Besitz der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben), sondern des holländischen Immobilienfonds IWF ist. Die Informationsveranstaltung am Donnerstag, 17. März, beginnt um 19 Uhr in der VHS, Hohenzollernstraße 43.

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