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Am Ende aller Liebesirren: Die Wirtin Josepha (Sarah Horak) und Dr. Otto Siedler (Emanuel Jessel) in einer Szene aus der beschwingt inszenierten Operette "Im weißen Rössl". - © Eugenie Kusch
Am Ende aller Liebesirren: Die Wirtin Josepha (Sarah Horak) und Dr. Otto Siedler (Emanuel Jessel) in einer Szene aus der beschwingt inszenierten Operette "Im weißen Rössl". | © Eugenie Kusch

Gütersloh Operettenklassiker: Schrille Show am Wolfgangsee

Die Landesbühne Niedersachsen Nord zeigt eine dynamische Inszenierung von "Im weißen Rössl". Rettung im Liebeschaos kommt von höchster Stelle

Eugenie Kusch
01.02.2016 | Stand 01.02.2016, 19:48 Uhr

Gütersloh. "Da steht das Glück vor der Tür" - und zwar immer wieder für diejenigen, die sich - so wie am Samstag die Zuschauer des voll besetzten Gütersloher Theaters - von dem turbulenten Geschehen im Hotel "Weißen Rössl" am Wolfgangsee erzählen und in die "bessere Zeiten" versetzen lassen wollen. Der österreichische Komponist Ralph Benatzky und einige weitere Autoren beteiligten sich 1930 in Berlin an der Fertigstellung des heiteren Singspiels "Im weißen Rössl", in dem viel und schnell österreichisch gesprochen, dem Tanz, dem Gesang und der mit einigen Jazz-Akzenten eingefärbten instrumentalen Musik ebenfalls genügend Platz eingeräumt wird. Den weltweit beliebten musikalischen Klamauk zeigte in Gütersloh das Ensemble der Landesbühne Niedersachsen Nord in einer zündenden Regie von Ingo Putz. Bunt und schrill war sie, doppelschneidig und vor allem sehr dynamisch - so ließ sich der nicht immer durch überschwängliche Intelligenz hervorstechende Wortwitz des Originals ordentlich aufpolieren. In Salzkammergut, dem Ort des Geschehens, hätte es sehr harmonisch zugehen können, wenn nicht allerlei schräge Gäste des berühmten Hotels "Zum weißen Rössl", dessen Kellner Piccolo die bevorstehenden Turbulenzen ankündigt, während er sich dabei brav das Hemd und die Hose anzieht und mit Erfolg die ersten Kontakte zum Gütersloher Publikum sucht. Liebeleien und Avancen beeinträchtigen die Hotelidylle. Nur die ungetrübte Natur mit See und Gebirge bewahrt auf der beschaulichen Postkarte im Bühnenhintergrund ihre Ruhe (das feine Bühnenbild und farbenfrohe und aparte Kostüme kommen von Britta Langhanke). Das amouröse Defilee beginnt: Der Zahlkellner Leopold (Ben Knop) ist in seine Chefin, die resolute Wirtin Josepha (Sarah Horak) verliebt, die wiederum ihr Herz an einen Stammgast des Hotels, den Rechtsanwalt Dr. Siedler (Emanuel Jessel), verloren hat. Amor spielt aber noch weiter verrückt. Der sehnsüchtig erwartete Gast erwidert die Liebe nicht, nachdem er Ottilie (Mechtild Grabner), die Tochter des Berliner Fabrikanten Giesecke (Helmuth Rühl), im Hotel kennenlernt. Ein weiteres schräges Pärchen stellt sich ebenfalls vor, das lispelnde Jungfräulein Klärchen (Alina Müller) und "der schöne Sigismund" (Christoph Sommer). Es geht also um verschiedenste menschliche Typen, Paarungen, um Machtkämpfe ("Ein Kellner ist auch ein Mensch"), um mehr oder weniger privilegierte Gäste, ihre Erwartungen und Forderungen. Der hohe Besuch des versteiften Kaisers Franz Joseph (Johannes Simons) versetzt die Hotelgemeinde in Entzückung und Panik zugleich, dennoch trägt er letztendlich dazu bei, dass alles einträchtig endet. Schauspielerisch fein profiliert, tänzerisch schwungvoll und einwandfrei (besonders hübsch der "Schirmtanz", Choreographie: Zaida Ballesteros-Parejo) und gesanglich kultiviert (musikalische Leitung: Erich A. Radke) wurde dieser Operetten-Evergreen aufbereitet. Da auch der starke instrumentale Live-"Kommentar" der Band "Beautiful Heidis" gefiel, kam diese reizende und intelligente Inszenierung beim Gütersloher Publikum gut an.

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