Gütersloh Landtagsabgeordnete Ursula Doppmeier (CDU) zieht Bilanz

"Die Jugend liegt mir am Herzen"

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Alleinerziehend, vier Kinder, berufstätig. Ist das zu schaffen? Ich schaffe das, sagt sich Ursula Doppmeier 1992 – nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, des CDU-Landtagsabgeordneten Hubert Doppmeier. Dass sie acht Jahre später selbst ins Düsseldorfer Parlament einziehen würde, ist da noch überhaupt nicht abzusehen. 2017 endet ihre vierte Wahlperiode und damit ihre politische Laufbahn in Düsseldorf. „Ich werde nicht erneut antreten", bestätigt sie gestern das, was schon seit einiger Zeit als Prognose kursiert. Bis 2020 bleibt sie Kreistagsmitglied. Dann ist auch mit der Kommunalpolitik Schluss. Jetzt blickt sie zurück auf Erreichtes und auch nach vorn. Zufall In die aktive Politik sei sie mehr oder wenig zufällig gekommen, sagt die 63-jährige, die lange an der Freiherr-vom-Stein-Realschule unterrichtet hat. Als Alleinerziehende sei man in einer von Männern dominierten Gesellschaft anders behandelt worden. Deshalb sei sie zur Frauenunion (FU) gegangen. „Frauen müssen etwas für Frauen tun." Zum Beispiel habe die FU im Stadtrat die Einrichtung von Parkplätzen für Frauen mit Kindern durchgesetzt. 1996 wird Doppmeier zur Vorsitzenden FU gewählt. Das Amt hat sie noch heute inne. Und es ist offen, ob sie dort weiter macht. Stets neue Aufgaben Im Landtag, in den sie 2000 als Nachfolgerin von Dr. Irmgard Klingbeil einzieht, muss sich Doppmeier jede Wahlperiode in ein neues Aufgabenfeld einarbeiten. Zunächst geht es um Frauengesundheit (Einführung des Screenings zur Brustkrebsvorsorge) und Schule (Lehrermangel und Unterrichtsausfall); anschließend um den Komplex Familie (Kinderbildungsgesetz KiBiz); ab 2012 kümmert sie sich verstärkt um die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum (Hausärztemangel). „Ein großen Thema", sagt sie, „noch nicht gelöst." Das gilt ebenfalls für die ihre aktuelle Funktion als Fraktionsbeauftragte für Inklusion in den Bereichen Kita, Schule, Arbeitswelt. Ihr gehe es darum, zwei Welten zusammenzuführen: die behinderter und nicht behinderter Menschen. Da sei behutsames Vorgehen angebracht. „Es sind vor allem die Barrieren in den Köpfen, die Fortschritte hemmen", sagt Doppmeier, die von 2005 bis 2014 stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende war. Persönlicher Schwerpunkt Die Jugend liege ihr immer besonders am Herzen. „Was man hier investiert, bekommt drei- oder vierfach zurück". Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt als Schwerpunkt, Doppmeier nennt den Ausbau des offenen Ganztags in den Schulen und längere Öffnungszeiten der Kitas – „zwei für die CDU schwierige Themen". Zukunftspläne Eine neues politisches Amt strebe sie nicht an. Doppmeier will sich mehr den bald vier Enkelkindern widmen und deren Eltern entlasten. Außerdem ist sie dem Lions-Club Lutteraue beigetreten und will sich als Kuratoriumsmitglied verstärkt beim Verein „Lebensarchitektur" engagieren, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Heimunterbringung in der Jugendhilfe abzubauen. Denkbar sei auch Sprachunterricht für Flüchtlingskinder. Resümee Wenn ihr Beispiel eines gezeigt habe, dann, dass Kinder nicht darunter zur leiden haben, wenn die Mutter berufstätig und nicht immer zu Hause sei. „Es ist aus allen Vieren etwas geworden", sagt Doppmeier nicht ohne stolz – eine Kinderärztin, eine Tierärztin, ein Personalchef und – in der Tradition ihres Vaters – eine angehende Juristin. Ursula Doppmeier, so der starke Eindruck ihrer persönlichen Bilanz, verlässt die politische Bühne mit großer Befriedigung. Sie hat viel geschafft.

realisiert durch evolver group