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Aiman Mazyek: Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. dpa - © dpa
Aiman Mazyek: Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. dpa | © dpa

Gütersloh Zentralrat der Muslime vertraut auf schnelle Integration

Vorsitzender Aiman Mazyek glaubt an rasche Erfolge bei der Eingliederung der Flüchtlinge

Katharina Eisele
15.12.2015 | Stand 15.12.2015, 13:24 Uhr

Gütersloh. Aiman Mazyek ist davon überzeugt, dass Asylbewerber in Deutschland gut Fuß fassen können. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) hält dafür eine Zeitspanne von sieben bis acht Jahren für realistisch. "Das hängt natürlich auch davon ab, ob wir es gesamtgesellschaftlich schaffen, die drei wichtigsten Schlüsselfragen zu beantworten", räumt Mazyek ein. Die drei Schlüssel sind für den 46-Jährigen Sprache, Arbeit und ein Gefühl von Angekommensein. Damit die drei funktionierten, müssten alle deutschen Bürger gemeinsam daran arbeiten, egal, welcher Religion sie angehören, meint der Sohn eines Syrers und einer Deutschen, der auf Einladung der Bertelsmann-Stiftung zu einem Vortrag in Gütersloh war. "Endlich wird erkannt, dass Muslime nicht Teil des Problems, sondern der Lösung sind", sagt Mazyek. Immerhin fast 15 Jahre habe man dafür gebraucht - so lange liegen die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 zurück."Anschläge kein religiöses Problem" Seitdem habe sich eine Sache entscheidend geändert: Die Religionsgemeinschaft der Muslime sei damals Projektionsfläche für viele Ängste und Vorurteile gewesen, werde heute aber wesentlich differenzierter wahrgenommen. Allerdings, sagt Mazyek, befänden sich Muslime immer häufiger in einer Rechtfertigungsposition, erst recht seit den jüngsten Anschlägen. Dabei hätten die terroristischen Anschläge in Europa nichts mit Religion zu tun: "Das ist kein religiöses, sondern ein kulturelles Phänomen." Es gehe um das politische Umfeld, um die Sozialisation der Täter. Darum findet es Mazyek auch albern, wenn er sich vom Terrorismus distanzieren soll. "Ich hatte keine Nähe dazu, also kann ich mich nicht distanzieren." Eine religiöse Nähe zwischen deutschen und arabischen Muslimen gebe es aber sehr wohl. Darum könnten die muslimischen Gemeinden bei einer schnellen Integration helfen und Brücken zwischen der alten und neuen Heimat bauen. Ehrenamtliche leisteten hier seit Monaten viel, so Mazyek. "Wir haben 1.300 Flüchtlingshelfer.""Bereit, Schlüsselfunktion anzunehmen" Die Ehrenamtlichen, besonders in den Gemeinden mit arabischem Hintergrund, engagieren sich als Übersetzer, Deutschlehrer, Seelsorger, Tröster. 700 Familien hätten sich bereit erklärt, alleinreisende Kinder aufzunehmen. Es würden Deutschkurse angeboten, 35 Gemeinden stellten bis zu 200 Schlafplätze pro Moschee zur Verfügung, zählt Mazyek auf. "Die Muslime sind bereit, ihre Schlüsselfunktion anzunehmen", sagt er und nickt bekräftigend. Natürlich gebe es auch bei den Muslimen Sorgen, "das sind normale menschliche Züge". Die Hilfsbereitschaft überwiege aber. Nun müsse man eine Balance zwischen Solidarität und dem finden, was zu leisten ist. "Vieles ist endlich."

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