Der Abriss naht: Der seit langem brachliegende ehemalige Güterbahnhof weicht ab dem kommenden Jahr dem Neubauprojekt "Gleis 13". Das bisherige Bahngelände wird in Kürze entwidmet. Die Gütergleise sollen aber bestehen bleiben. - © Foto: Raimund Vornbäumen
Der Abriss naht: Der seit langem brachliegende ehemalige Güterbahnhof weicht ab dem kommenden Jahr dem Neubauprojekt "Gleis 13". Das bisherige Bahngelände wird in Kürze entwidmet. Die Gütergleise sollen aber bestehen bleiben. | © Foto: Raimund Vornbäumen

Gütersloh "Gleis 13" lässt keinen neuen Tunnel zu

Güterbahnhof: Die weiterentwickelten Pläne für das Neubauprojekt stoßen auf ein positives Echo im Fachausschuss. Der Projektentwickler erklärt, warum die angedachte Querungsvariante jedoch nicht realistisch ist

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Das Ende der Tristesse rückt näher: Bereits im Frühjahr oder Frühsommer soll mit dem Abbruch des alten Güterbahnhofs begonnen werden. Der erste Spatenstich für das Neubauprojekt ist nach den Sommerferien geplant. Mit dieser Kunde warteten gestern der Investor, der heimische Unternehmer Thomas Hagedorn, und die Projektverantwortlichen im Planungsausschuss auf. Zugleich stellten sie überarbeitete Entwurfspläne vor. Die fanden ganz überwiegend den Beifall der Politiker. Doch an einer Stelle war den Ausschussmitgliedern Enttäuschung anzumerken. Denn das Konzept, das die 10.800 Quadratmeter große Grundstücksfläche komplett ausreizt, ist nicht kompatibel mit der erst vor wenigen Wochen vom Ausschuss favorisierten Variante zur Querung der Bahnstrecke. Demnach sollte der vorhandene Fußgängertunnel, der als Zugang zu den Gleisen dient, für rund 4,5 Millionen Euro bis auf die andere Seite des Bahndamms verlängert werden - freilich nur dann, wenn mit "Gleis 13" ein spürbarer zusätzlicher Bedarf für eine Querung entsteht. Doch Projektentwickler Christoph Borchard informierte gestern darüber, dass die vertraglichen Vereinbarungen mit der Bahn etwas anderes vorsehen: die mögliche Wiederinbetriebnahme des ehemaligen Gepäcktunnels, wobei Zeitpunkt und Zweck unbestimmt sind. Diese Regelung war bislang unbekannt. Zugleich machte Borchard klar, dass ein 75 Meter langer Fußgängertunnel wie an dieser Stelle nur dann funktioniere, wenn er eine Wohlfühlbreite von mindestens 20 Metern habe und Läden untergebracht seien. Das wäre hier jedoch nicht der Fall. Ohnehin sei ein Tunnel für "Gleis 13" nebensächlich. Berechnungen hätten pro Stunde eine Frequenz von zehn Passanten ergeben. Die neuen Pläne sehen die Errichtung von vier Gebäudekomplexen vor: An der Ecke Carl-Bertelsmann-Straße/Langer Weg entsteht ein Gebäude, das sich der gebogenen Grundstücksgrenze anpasst. Die Nutzung dafür stehe noch nicht fest. Daneben sind zwei Bürogebäude als verbundene Riegel sowie in U-Form geplant, für die es bereits Anfragen gebe. Den Abschluss am nordöstlichen Rand des Grundstücks bildet ein längs zum Langen Weg errichtetes Gebäude für die Themen Fitness und Gesundheit. Es entstehen rund 250 neue Arbeitsplätze, zudem 140 oberirdische Parkplätze. "Eine Tiefgarage wird nicht gebraucht", sagte Borchard. Der Entwurf wurde mit Ausnahme der Linken gelobt. "Sehr gut", "hochinteressant", "gut für Gütersloh", lauteten die ersten Kommentare. Lediglich Linken-Sprecher Manfred Reese, sah die Planung wegen der dominierenden Büronutzung "kritisch". Für die SPD deutete Dr. Thomas Krümpelmann an, "dass wir uns vom Tunnel vielleicht verabschieden müssen". Birgit Niemann-Hollatz von den Grünen warnte vor einem solchen Schritt. "Wir sollten die Chance für die Stadt nicht so schnell aufgeben." Ein Tunnel verbessere die Erreichbarkeit des Hauptbahnhofs deutlich.

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