Historische Ansichten: Das Modell zeigt die Kreuzung Blessenstätte/Berliner Straße. - © Robert Becker
Historische Ansichten: Das Modell zeigt die Kreuzung Blessenstätte/Berliner Straße. | © Robert Becker

Gütersloh Ausstellung zeigt Wiederaufbau Güterslohs nach 1945

Als Basis diente die Dissertation von Stadtplaner Michael Zirbel

Robert Becker

Gütersloh. "Auferstanden aus Ruinen? Der Wiederaufbau in Gütersloh von 1945 bis 1955" lautet der Titel der am Mittwoch eröffneten Ausstellung im Stadtmuseum. Der Gütersloher Historiker Martin Wernekenschnieder (31) hat die bis zum 29. November ausgestellten Werke auf Basis der Promotionsarbeit von Stadtplaner Michael Zirbel erarbeitet. Im Grunde besteht die Ausstellung aus drei Teilen: Zehn mit Kurztexten und Schwarz-Weiß-Bildern komponierte Schautafeln bilden den Kern. Dazu kommen zwei gerahmte Großformatfotos sowie einige Bauutensilien mit Verkehrsschildern. Weil sich die Ausstellung thematisch stark in Richtung der Blessenstätte bewegt - wo in den Jahren 1944 und 1945 die meisten Zerstörungen in Gütersloh stattfanden - passt auch eine im Maßstab 1:87 nachgebaute Stadtlandschaft dieses Straßenzuges nach dem Bild vor beiden Weltkriegen da hinein. Diese imposante 3D-Landschaft hat der Gütersloher Norbert Jebramcik in liebevoller Kleinarbeit mit Blick auf authentische Details geschaffen. Sie zeigt die unzerstörte Blessenstätte und einmündende Straßen aus der Zeit um 1900. Heute auf den ersten Blick schnell zu erkennen sind darin zwei Gebäude: Erstens, das lange als Sitz von Elektro Husemann genutzte Haus am Beginn der Straße (heute Café Bunnemann's). Zweitens, die Alte Heuwagen schräg gegenüber an der Einmündung Unter den Ulmen. Erstaunlich, wie viele Einfamilienhäuser vor gut 100 Jahren auf dem Gelände der heutigen Bibliothek - und damit direkt gegenüber dem damaligen Elisabeth-Hospital - gestanden haben. Dass bei Fliegerangriffen gegen Ende des zweiten Weltkrieges vor allem der Straßenzug Blessenstätte getroffen wurde, dafür hat Stadtarchivar Stephan Grimm eine simple Erklärung: Ungenauigkeiten und Fehlabwürfe hätten dazu geführt, sagt Grimm. Ziele der Alliierten seien eher der Bahnhof und Flughafen gewesen. Nur einen lizenzierten Fotografen habe es in jener Zeit gegeben, sagt Rolf Westheider, Leiter des Stadtmuseums. Das sei Bernhard Mertenskötter gewesen, Zeitungsredakteur und NS-Ratsherr, dessen Aufnahmen zu Dokumentationszwecken jetzt in der Ausstellung aufgenommen sind.Aufbau nach alten Strukturen Den Historiker Martin Wernekenschnieder, der mit Daniel Mooz (39) einen Mitstreiter beim Aufbau der Ausstellung fand, interessierte neben dem Grad und dem Ausmaß der Zerstörung vor allem auch die Art und Weise des Wiederaufbaus. "Bis in die 60er und 70er Jahre geschah der Wiederaufbau auf den Vorkriegsstrukturen", sagt Wernekenschnieder. Erst 1964 kam Hertie nach Gütersloh. Genau das hat später die Innenstadt stark verändert. "Und da ist keine Bombe reingefallen", erinnerte Grimm an das "Plattmachen" ganzer Bereiche einschließlich des historischen Rathauses, dessen Schicksal unter anderem durch Gebäuderisse, entstanden durch den Aushub für das Kaufhaus, besiegelt worden sei. Ohne Nebengeräusche oder gar öffentliche Diskussionen sei das Bauen nach dem Krieg verlaufen. Stadtplaner und Architekten hatten freie Bahn. Man habe die Zerstörung als Chance für etwas Neues aufgefasst", sagt Westheider. Die Wirtschaftskraft Gütersloh habe es ermöglicht, "alles neu zu machen". Bürgerbeteiligung habe es nicht gegeben, bestätigt Wernekenschnieder. "Die Gütersloher haben damals durch Nichtbeteiligung für stabile Verhältnisse gesorgt", sagt Wernekenschnieder, der im Hauptberuf bei Miele im Marketing arbeitet, über die Zurückhaltung der Dalkestädter in Sachen Stadtgestaltung. Interessant finden alle Beteiligten auch den Ende der 50er Jahre erstellten "Leitplan" für künftiges Bauen in der Dalkestadt. Die damals als Theater genutzte Paul-Thöne-Halle sei viel zu klein, heißt es dort; ein Theater-Neubau sei anvisiert, Baubeginn 1960. Genau 50 Jahre später war es soweit.

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