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Mit Kuchen: Enkelin Anna, Tochter von Anke und Mario, überreicht ihrer Großmutter einen selbstgebackenen Kuchen in Herzform. - © raimund vornbäumen
Mit Kuchen: Enkelin Anna, Tochter von Anke und Mario, überreicht ihrer Großmutter einen selbstgebackenen Kuchen in Herzform. | © raimund vornbäumen

Gütersloh Abschied von Maria Unger mit ganz viel Herz

Tschüss Maria: Nach 21 Jahren Amtszeit wechselt die Bürgermeisterin in den Ruhestand. Bei ihrem Abschied in der Skylobby des Theaters wiesen Redner auf ihre Verdienste hin – vor allem aber auf ihre beeindruckende, von Herzen kommende Freundlichkeit

Ludger Osterkamp
21.10.2015 | Stand 21.10.2015, 10:25 Uhr |

Gütersloh. Eine Ära ist zu Ende: Nach 21 Jahren, davon 16 Jahren als hauptamtliche Verwaltungschefin, hat sich Bürgermeisterin Maria Unger am Dienstag von ihrem Amt verabschiedet. Die gebürtige Triererin, sie wird Ende des Monats 63 Jahre alt, hat die Entwicklung der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten mitgeprägt. 1977 mit ihrem Mann an die Dalke gezogen, wollte sie eigentlich nur ein paar Jahre bleiben, aber wie das so oft hier mit den Zugezogenen ist: Sie finden Gefallen an der Dalkestadt, schlagen Wurzeln, setzen sich ein und wollen am Ende gar nicht mehr weg. Im Fall von Maria Unger war das besonders gut, denn niemand unter Gästen bei ihrem Abschied im Theater ließ Zweifel daran, dass sie ein Glücksfall für die Stadt war. Lange hielt sie tapfer durch. Maria Unger hörte Lobreden auf sich, Dankesworte und Ständchen, ihr wurden Küsschen zuteil, Geschenke überreicht und Wünsche auf den Weg gegeben, sie wurde umarmt, geherzt und ließ sich hochleben. Selbst bei ihrer eigenen Abschiedsrede, bei denen mancher im Publikum schlucken musste und es nicht jedem gelang, seine Regung zu verbergen, behielt sie sich unter Kontrolle. Ihre tiefe Bewegtheit und gewiss auch ihre Freude darüber, dass ihr Abschiedsempfang von so vielen Menschen mit so viel ihr entgegen gebrachter Herzlichkeit wahrgenommen wurde, brach sich erst am Ende Bahn: In dem Moment, da das Symphonische Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh das Frank-Sinatra-Stück „I did it my way“ spielte. Es war das letzte Stück von dreien, und Maria Unger hatte es sich gewünscht. Sie war nicht die einzige, die weinte. Für die Bürgermeisterin war es ihr Stück zum Abschied. „I did it my way“, das war das, was sie schon zum Ausklang ihrer letzten Ratssitzung gesagt hatte, und das, was sie antwortete, wurde sie nach so etwas wie ihrem Erfolgsgeheimnis gefragt. Schon die Frage war ihr eigentlich nicht recht, widersprach sie doch ihrem Drang zur Bescheidenheit, und die einzige Antwort, die ihr darauf einfiel, neben Schulterzucken, war eben dieser Refrain von Frank Sinatra.Ihr Bauchgefühl ist fast schon Legende „Vielleicht ist es, dass ich mit meiner Art in kein Schema gepasst habe“, sagte sie gestern. Das einfache politische Koordinatensystem und das Entscheiden außerhalb von Teams war nichts für sie, die im Zweifel in der Lage war, ihrem Herzen zu folgen, ihrem Bauchgefühl, ein Gefühl, dass für die Mitarbeiter der Verwaltung am Ende fast schon Legende war, wie es Ungers Stellvertreterin, die Erste Beigeordnete Christine Lang, ausdrückte. „Wie oft, liebe Frau Unger, haben wir diesem Bauchgefühl gehört, und wie oft hatten sie recht“, sagte Lang. Maria Unger wisse, wie die Gütersloher ticken, und sie habe, wenn möglich, ihr Handeln daran orientiert. Was wohl dazu beitrug, dass in den 21 Jahren der Ära Unger nie eine Rücktrittsforderung laut, nie ein Skandal ruchbar wurde. Bedenkt man, dass sie es meistens mit einem Rat zu tun hatte, in dem eine CDU-dominierte Mehrheit das Wort führte, umso bemerkenswerter. She did it her way also. Heißt: Sie blieb authentisch, ehrlich, gewissenhaft und somit überzeugend. Als Politikerin, als Verwaltungschefin und erst recht als Mensch. Es gab niemanden unter den Rednern und Gästen, der das gestern nicht zu würdigen wusste. „Als Bürgermeisterin muss man die Menschen mögen“, sagte sie, das konnte sie, und deswegen machte ihr die Arbeit Spaß. Nachdem sie ihrer Familie vergewissert hatte, ab sofort mehr Zeit für sie haben, ihrem Mann Manfred, keine Zielvereinbarung mit ihm abzuschließen, als sie eine Torte mit eingebackener Bürgermeisterkette angeschnitten und unters Volk verteilt hatte, als sie Hunderten von Bürgern, die nach dem geladenen zu dem offenen Empfang kamen, die Hand geschüttelt hatte, da kam das Symphonische Blasorchester und spielte ihr Lied. Bewegt verließ sie danach die Skylobby im Theater, Schauplatz ihres Abschiedes, und bestieg mit Ehemann Manfred den Bus der Stadtwerke, der sie nach Hause bringen würde. Vorne auf dem Display, dort, wo sonst die Liniennummer leuchtet, stand „Tschüss Maria“.

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