Zusammenarbeit: Auf dem früheren Militärflughafen beteiligen sich neben Gütersloh auch die Nachbarkommunen Herzebrock-Clarholz (linkes Gemeinde-Wappen) und Harsewinkel an einem interkommunalen Gewerbegebiet. - © Raimund Vornbäumen
Zusammenarbeit: Auf dem früheren Militärflughafen beteiligen sich neben Gütersloh auch die Nachbarkommunen Herzebrock-Clarholz (linkes Gemeinde-Wappen) und Harsewinkel an einem interkommunalen Gewerbegebiet. | © Raimund Vornbäumen

Gütersloh Nachbarn rücken am Flughafen zusammen

Vertrag: Die Kommunen Gütersloh, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz gründen eine gemeinsame Gesellschaft zum Aufbau eines interkommunalen Gewerbegebietes. Eine wichtige Personalie ist noch offen

Gütersloh. Aus Kontrahenten werden Partner: Die Städte Gütersloh und Harsewinkel sowie die Gemeinde Herzebrock-Clarholz wollen in Kürze eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft zum Aufbau eines interkommunalen Gewerbegebiets auf dem Flughafen gründen. Dem Vernehmen nach soll sie bereits im ersten Quartal des neuen Jahres den Betrieb aufnehmen. Damit dürfte der jahrelange Streit um die Rückgabe von Flächen am Flughafen endgültig beigelegt sein. Man habe sich verständigt, nicht mehr darüber zu reden, heißt es. Gestern hat der Hauptausschuss in Gütersloh hinter verschlossenen Türen sein Interesse an der Kooperation offiziell bestätigt. In einem drei Punkte umfassenden Beschluss wird zudem der Abschluss einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung angestrebt. Ferner gab es grünes Licht für die Verwaltung, auf der Grundlage eines Eckpunktepapiers die Verhandlungen mit den Nachbarkommunen fortzuführen. In Harsewinkel steht das Thema am 20. Oktober auf der Tagesordnung des zuständigen Fachausschusses. Bereits vor einem Jahr haben sich laut Fachbereichsleiter Hans-Dieter Wette die Politiker in Herzebrock-Clarholz für eine Beteiligung an dem Projekt ausgesprochen. Ein weiterer Beschluss sei jetzt nicht erforderlich, sagte Wette der NW. Wie einer nichtöffentlichen Sitzungsvorlage zu entnehmen ist, übernimmt die Stadt Gütersloh 70 Prozent der Geschäftsanteile der neuen Gesellschaft. 20 Prozent entfallen auf die Stadt Harsewinkel und die übrigen 10 Prozent gehen an Herzebrock-Clarholz. Trotz der großen Unterschiede bei der Verteilung der Anteile sind alle drei Partner im Aufsichtsrat gleich stark vertreten. Sie stellen jeweils fünf Mitglieder, die auch alle stimmberechtigt sind. Darunter ist der jeweilige hauptamtliche Bürgermeister. Inhalt der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung soll unter anderem das bereits vorliegende räumliche Strukturkonzept für den Flughafen als Grundlage der vorgesehenen Entwicklung sein. Danach stehen auf dem bereits heute bebauten Streifen südlich der Marienfelder Straße künftig etwa 100 Hektar für gewerbliche und industrielle Nutzung zur Verfügung. Weitere 25 Hektar sollen im Norden zwischen der Bundesstraße und dem Schlangenbach ausgewiesen werden. Das Areal wird derzeit geprägt von Sportflächen der britischen Streitkräfte und einer kleineren Wohnsiedlung an der Parsevalstraße."Konstruktive Mitwirkung bei der äußeren verkehrlichen Erschließung" Laut Eckpunktepapier werden die künftigen Gewerbesteuererträge zwischen den beteiligten Kommunen nach dem Verhältnis ihrer Geschäftsanteile an der Entwicklungsgesellschaft verteilt. Bereits entstandene Vorlaufkosten sollen der Stadt Gütersloh erstattet werden. Außerdem ist eine "konstruktive Mitwirkung bei der äußeren verkehrlichen Erschließung" Bestandteil der geplanten Vereinbarung. Ein Punkt, auf den besonders die Gemeinde Herzebrock-Clarholz großen Wert legt. Offen ist offenbar noch, wer Geschäftsführer der neuen Gesellschaft wird. Nach Auffassung eines interfraktionellen Arbeitskreises soll es jemand sein, der über Konversionserfahrung verfügt. In Betracht käme der Gütersloher Konversionsbeauftragte Michael Schmidt aus dem städtischen Fachbereich Planung. SPD-Stadtverbandschef Matthias Trepper hatte sich unlängst gegenüber der NW für einen Konversionsprofi aus einer der Regionen des Landes ausgesprochen, die die Umwandlung militärischer Flächen bereits erfolgreich bewältigt haben. Das geplante Vorgehen bei dem neuen interkommunalen Gewerbegebiet wird laut Verwaltung von der Bezirksregierung unterstützt. Detmold hatte im Frühjahr zu verstehen gegeben, dass die von Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz gestellten Anträge auf Rückgemeindung von Flughafenflächen (rund 230 der insgesamt 340 Hektar) abgelehnt würden. Beide Kommunen legten ihre Anträge daraufhin vorerst auf Eis.

realisiert durch evolver group