Dafür gäbe es schon mal Geld: Die 30 Hektar an der Marienfelder Straße von der Hauptzufahrt (links) bis hin zum Naafi-Shop (rechts). - © Privat
Dafür gäbe es schon mal Geld: Die 30 Hektar an der Marienfelder Straße von der Hauptzufahrt (links) bis hin zum Naafi-Shop (rechts). | © Privat

Gütersloh Erste Förderzusage für den Flughafen

Konversion: Für die Umwandlung eines Kernbereiches der Princess-Royal-Kaserne fließt ein Zuschuss. Der Stadt, die wohl den Erstzugriff hat, reicht das aber bei weitem noch nicht aus.

Gütersloh. Für die Nachnutzung des Flugplatzes Gütersloh liegt der Stadt eine erste konkrete Förderzusage vor. Über den EFRE-Topf (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) sind für die Jahre 2016 bis 2018 Mittel in Höhe von 280.000 Euro in Aussicht gestellt. Die Förderung bezieht sich auf eine Kernfläche des Standortes, die etwa acht Prozent des Gesamtgeländes ausmacht. Die Stadt nennt diese Kernfläche den "Initialbereich". Er ist rund 30 Hektar groß und umfasst die Hauptzufahrt an der Marienfelder Straße, die bisherige Hauptverwaltung, das Offizierskasino mit Exerzierplatz sowie den Naafi-Supermarkt. Diese Fläche sei bedeutend für die innere Erschließung des gesamten, 342 Hektar großen Geländes und weise teilweise erhaltenswerte Bausubstanz auf. Laut Stadt sind für die vertiefende Planung, für die Straßenanbindung, etwaige Bahnreaktivierung und Gebäudeumnutzung weitere Förderungen möglich. Das müsse mit den anderen Beteiligten abgestimmt werden. Dazu zählen die Nachbarn Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz als Partner für das angestrebte interkommunale Gewerbegebiet, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Flächeneigentümerin und die Bezirksregierung Detmold als zuständige Behörde für die Vergabe von Fördermitteln.Förderung reicht für Kostendeckung nicht aus Die Stadtverwaltung macht in ihrer Sitzungsvorlage für die am 19. Oktober tagenden Politiker im Hauptausschuss keinen Hehl daraus, dass die EFRE-Förderung keineswegs ausreicht, um das, was bei der Konversion an Kosten anfällt - etwa für Abbruch, Sanierung und Aufbereitung - auch nur annähernd zu decken. Es sei weitere Unterstützung durch Land, Bund und EU "zu werben beziehungsweise anzumahnen". Unterdessen ist der gesamte Flugplatz seit knapp zwei Wochen auf der Online-Börse Immobilienscout24.de eingestellt. Das Exposé weist einen Kaufpreis von einem (!) Euro aus - freilich wird weiter unten erklärt, dass es sich nur um einen symbolischen Platzhalter handelt. Mit dem Verkauf der 342,28 Hektar großen Immobilie ist die Bima betraut. Dessen für das Gebiet Westfalen zuständiger Abteilungsleiter Verkauf, Peter Waanders, sagte gestern, es handele sich bei der Veröffentlichung auf Immobilienscout lediglich um eine Vorankündigung; sie diene der Transparenz und habe zum Ziel, schon mal ein Kaufinteresse bei potenziellen Bietern, zu wecken. Waanders: "Das ändert nichts am Erstkaufrecht für die Stadt." Die Kommune habe den Erstzugriff, und nur wenn sie abwinke, dürfe die Bima für jedermann ausschreiben.Gutachten erst nach Briten-Abzug möglich Dass die Bundesanstalt zuvor verpflichtet ist, einen eventuellen "zivilen" Bedarf des Bundes zu prüfen und auch das Land zwecks Bedarfserklärung abgefragt werde, sei zwar korrekt, werde aber aller Voraussicht nach kaum eine Rolle spielen. Bima-Projektleiter Bernd Grotefeld sagte, er erwarte vom Land demnächst eine Erklärung dazu. Das Land könne möglicherweise ein Interesse an der Unterbringung von Flüchtlingen dort anmelden, aber angesichts der noch bis Ende 2016 anhaltenden militärischen Nutzung halte er das für wenig realistisch. Beim Verkauf ist die Bima an die Bundeshaushaltsordnung gebunden. Diese schreibt vor, die Fläche zum jeweiligen Verkehrswert zu veräußern. Dafür braucht es laut Waanders ein Wertgutachten, und das könne erst seriös erstellt werden, wenn die Briten tatsächlich von der Marienfelder Straße abgezogen seien, also nicht vor Ende nächsten Jahres. Erst dann könnten die Gutachter das Gelände frei betreten und die Gebäude in Augenschein nehmen, ob sie erhaltenswert seien oder nicht - natürlich abhängig von der Frage, ob und wofür sie künftig genutzt werden. Für die Wertermittlung sei also unbedingt erforderlich, parallel die Bauleitpläne für die Folgenutzung zu konkretisieren. Auch dort aber sind der Stadt aufgrund der Anwesenheit des Militärs noch ein wenig die Hände gebunden. Der finanzielle Nachlass, den die Bima der Stadt bei einem Kauf gewähren kann, ist recht bescheiden. Laut Grotefeld beträgt er gemäß Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages pro Liegenschaft maximal 250.000 Euro. Sollte die Stadt dort Flüchtlinge unterbringen, stiege er auf 350.000 Euro. Freilich müsse ein solcher Nachlass einer EU-rechtlichen Beihilfeprüfung standhalten.

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