Frisch gepresster Apfelsaft: Daphne Seehaus bietet freitags auf dem Meierhof von Erika Kattenstroth einen Hofmarkt mit regionalen Produkten an. Am letzten Freitag wurden über 500 Liter Apfelsaft gepresst. - © Robert Becker
Frisch gepresster Apfelsaft: Daphne Seehaus bietet freitags auf dem Meierhof von Erika Kattenstroth einen Hofmarkt mit regionalen Produkten an. Am letzten Freitag wurden über 500 Liter Apfelsaft gepresst. | © Robert Becker

Gütersloh Vom Nachbarfeld ins Internet: "Food Assembly" startet in Gütersloh

Direktvermarktung: Bei "Food Assembly" werden Lebensmittel lokaler Produzenten im Internet bestellt und dann persönlich abgeholt. Dies ist jetzt auch in Gütersloh möglich

Robert Becker
07.10.2015 | Stand 07.10.2015, 14:03 Uhr

Gütersloh. "Wir wollen keine anonyme Handelsware", sagt Daphne Seehaus. Zusammen mit ihrem Mann Bastian hat die 37-Jährige die Gütersloher Dependance von "Food Assembly" gegründet. Die Netzgemeinschaft wurde 2011 in Frankreich gegründet und verbindet die Direktvermarktung regionaler Lebensmittel auf Bauernmärkten vor Ort. Der Ablauf ist genormt: Im Internet wird bis mittwochs bestellt. Donnerstags und freitags früh wird geerntet und konfektioniert und am Freitagnachmittag sind Obst und Gemüse abholbereit. Daphne Seehaus lässt die Waren vor dem alten Hofladen von Erika und Gerhard Kattenstroth in der Buxelstraße anbieten. An den Umsätzen ist sie beteiligt. Die Struktur für die Internetseite bietet ihr die Deutschland-Vertretung von Food Assembly mit Sitz in Berlin an. "Endlich ist hier wieder was los und ich muss nicht selbst im Laden stehen", sagt Erika Kattenstroth. Vor zwei Jahren hatte sie nach 20 Jahren ihren erfolgreichen Hofladen aufgegeben, um sich der Familie widmen zu können. Dass jetzt an Freitagen wieder Leben auf ihrem Meierhof ist, geklönt und gegrillt wird und die Leute nach dem Einkauf verweilen, findet die ehemalige Betreiberin gut.Flüchtlinge pflücken Äpfel für 500 Liter Saft Jetzt war sogar ein besonderer Aktionstag: Die große Saftpresse von Werthland aus Werther war vorgefahren und presste im Kundenauftrag die Apfelernte. Allein 500 Liter Apfelsaft entstanden aus einer Pflückaktion, die Daphne Seehaus zusammen mit zehn Flüchtlingen aus der Spexarder Sporthalle durchgeführt hatte. Den Saft bekamen die Flüchtlinge in Friedrichsdorf und Spexard als Gegenleistung fürs Pflücken geschenkt. Die ersten Wochen seien gut angelaufen, erklärt Daphne Seehaus den Start ihres Gewerbes im Nebenerwerb. Im Hauptberuf arbeitet sie als Büroangestellte bei Miele. Immer an Freitagen zwischen 17 und 19 Uhr hat sie ihren Markt geöffnet. 13 Lieferanten haben sich dem Netzwerk bereits angeschlossen, 325 Mitglieder sind als Kunden registriert und verfolgen auf der Internetseite die aktuellen Angebote. Rund 40 Bestellungen werden derzeit pro Woche bearbeitet. Da ist durchaus noch Luft nach oben."Wir machen das aus Überzeugung" Allerdings sagen Daphne und Bastian Seehaus auch, dass der Markt auch dazu diene, Kunden und Erzeuger zusammenzubringen und den Informationsaustausch zu fördern. "Wir machen das aus Überzeugung", erklärt Daphne Seehaus. Lange habe sie sich mit dem Thema nachhaltiger Ernährung aus der Region beschäftigt und sei schließlich über einen Artikel zur Food Assembly gekommen. Ihr Netzwerk in Gütersloh ist das erste in der Region Ostwestfalen-Lippe. Deutschlandweit gibt es derzeit 15; in Frankreich, wo das Projekt schon im fünften Jahr läuft, sind es inzwischen sogar rund 700 lokale Märkte. Die Lieferanten wählt sie selbst aus und sie überprüft auch vor Ort die Nachhaltigkeit der Produktion, sagt Daphne Seehaus. Die gezielte Bestellung sei wichtig für diese Nachhaltigkeit. Es werde genau die bestellte Menge geerntet. Zum Marktende am Freitagabend soll kein Obst und kein Gemüse übrig bleiben.

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